nichts weiß, sondern hier nur seiner Nahrung, den Nachtschmetterlingen, die auch das Licht aufsuchen, nachgeht.
Das Gefieder des Steinkauzes, das aus kleinen, weichen seidenartigen Federn besteht, ist oben graubraun mit unregelmäßigen weißen Flecken und Tropfen, an der Unterseite weiß mit graubraunen Flecken, und das Kleid, welches das Weibchen trägt, ist von dem ihres ManneS nur ein wenig verschieden. Seine Länge beträgt 25 (Zentimeter; er kommt bei uns ziemlich häufig vor und verläßt uns auch im Winter nicht. Zum Aufenthalte wählt er sich gerne in Städten und Dörfern zugängige, düstre Plätze bewohnter Gebäude oder Kirchen, Thürme, Scheuern und Schuppen, auch siedelt er sich in Steinbrüchen, Felsen und hohlen Bäumen an. Am Tage verhält sich das niedliche Käuzlein ruhig, schlafend in seinem verborgenen Schlupfwinkel, mit dem abendlichen Dunkel fliegt es leise, kaum hörbar, seiner Nahrung nach, die aus Mäusen, Schnecken, Nachtschmetterlingen und schädlichen Kerbthieren besteht. Es macht vorzugsweise Jagd auf Mäuse und es ist nach den Beobachtungen des berühmten Naturforschers Lenz im Stande, auf eine Mahlzeit 5 bis 6 erwachsene Feldmäuse ganz zu verschlucken.
’ Nehmen wir an, um es nicht zu hoch zu greifen, daß es deren täglich nur vier verzehrt, so beträgt dies aufs Jahr doch die gewiß stattliche Summe von 1460 Mäusen. Rechnen wir dazu, daß der Steinkauz außerdem noch eine sehr große Anzahl schädlicher Jnsecten vertilgt, so muß derselbe zu den nützlichen Vögeln gezählt werden, und er verdient daher gewiß, daß ihm überall eine recht sorgfältige Schonung zu Theil wird. Ueberfällt er auch manchmal hier und da schlafende, kleinere Vögel, so überwiegt doch der große Nutzen, den er stiftet, den Schaden, den er anrichtet, um ein höchst Beträchtliches und kann daher nicht in Rechnung gezogen werden. Das Weibchen legt 6 bis 7 weiße Eier, ohne jegliche Unterlage in dunkle Höhlungen obengenannter Orte und brütet darüber 16 Tage. Die Jungen werden sorgfältig mit schädlichem Ungeziefer ernährt und von den Alten, wenn ihnen Gefahr droht, mit großem Muthe selbst bei eigener Lebensgefahr vertheidigt.
Die bekannte Redensart ,,närrischer oder drolliger Kauz" findet gewiß ihre Erklärung in den sonderbaren komischen Gebärden des Kauzes.
Schließlich will ich nun noch einige nachahmungswürdige Beispiele, die ich der berühmten Naturgeschichte von Dr. Lenz entnommen habe, über die gute Behandlung des Steinkauzes anführen:
In Italien wird der Steinkauz, wenn man davon absieht, daß ihn die dortigen Bewohner zum Fange nützlicher Vögel verwenden, sehr gut behandelt, denn die zahmen Käuzchen sind wirkliche Hausfreunde der Italiener, gehen oft frei in Haus, Hof und Garten, dabei selbst nicht einmal von Katzen gestört, mit beschnittenen Flügeln herum, fangen überall Mäuse, werden besonders gern in gut umzäunte Gärten gesetzt, woselbst sie die Erdschnecken und anderes lästiges Ungeziefer vertilgen. Arbeitet nach dortiger Sitte ein Schuster, Schneider, Töpfer oder anderer Handwerker auf der Straße, so hat er, wie ich oft gesehen, sehr gerne seine Lieblinge, seine 2 bis 4 Käuzchen, neben sich auf einem Stabe angefesselt und wechselt mit ihnen so oft als möglich zärtliche Blicke.
Lenz erzählt weiter, daß sich der Steinkauz in Norddeutschland, namentlich in Holstein eines besonderen Schutzes erfreut, denn in jeder Giebelspitze der großen Scheuern Holsteins befindet sich in der Regel eine Oeffnung von der Größe, wie sie für Tauben genügt; durch diese fliegen die Steinkäuze aus und ein und nisten auch darin. Der holsteinische Landmann stört die guten Thierchen nie absichtlich, denn er weiß sehr genau, daß dieselben in und außer der Scheuer luftig den schädlichen Mäusen nachjagen. Auch wenn sie in Tauben- schägen, was nicht selten vorkommt, ihre Wohnung aufschlagen, läßt man sie ganz in Ruhe, weil man ebenfalls weiß, daß
sie die alten Tauben und ihre Jungen nicht im Geringsten belästigen."
Hoffentlich wird recht bald die Zeit kommen, daß man auch hier zu Lande dem nützlichen Steinkauz eine freundlichere Gesinnung entgegenbringt!
Gießen, im März 1897.
H. Curschmann, Lehrer i. P.
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Der Nutze« der Zimmerpflanze« besteht nicht bloß darin, daß sie das Zimmer schmücken und behaglich machen, sondern vielmehr darin, daß sie die Luft verbessern und also der Gesundheit der Zimmerbewohner förderlich sind. Durch Beobachtungen hat man gefunden, daß ein Blatt mittlerer Größe täglich im Durchschnitt ein bis zwei Gramm Wasser ausdunstet. Für eine einzige Pflanze von mittlerer Größe berechnet, würde dies schon nicht weniger als 50 Gramm betragen. Es ist uns demnach in den reichblätterigen Blattpflanzen, als Palmen, Aspidistren, Philodendron, Anthurien, Dracänen, Curculiginecii u. A. ein vorzügliches Mittel geboten, die trockene Luft in den Zimmern zu verbessern. Die Ausdünstung dieser Pflanzen ist eine sehr große. Außer dem Wasser, das die Pflanzen durch die Blätter verdunsten, geben auch die Töpfe noch Wasser- dämpfe an die sie umgebende Luft ab. Der wohlthätige Einfluß, den die Pflanzen durch die Verdunstung des Wassers auf unsere Gesundheit ausüben, wird dadurch noch größer, daß die Blätter unter Einwirkung des Sonnenlichtes Sauerstoff an die Luft des Zimmers abgeben.
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Falscher Hase: Man nimmt für 1 Mark gewiegtes Rinds-, Kalbs- und Schweinefleisch, mischt es mit 1 Ei, 2 Eckchen eingeweichte und 1 Eckchen geriebene Semmel, etwas Salz und Pfeffer, 1 gewiegte Zwiebel gut durcheinander, und forme daraus einen länglichen Kloß, oen man noch mit etwas geriebener Semmel bestreut. Nun zerläßt man 1 Eßlöffel voll Butter und 2 Eßlöffel Fett, läßt eine halbe Zwiebel darin braun werden und bratet den Kloß gegen V/2 Stunde schön braun, indem man nach und nach etwas Wasser mit Essig gemischt zugießt, so daß eine sämige Tunke entsteht.
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Reisschleimsuppe. 30 Gramm bester Reis (Karolina) wird dreimal mit kaltem Wasser aufgesetzt, ausgekocht und abgegossen. Darauf gibt man den Reis in gute Kalbfleischbouillon, kocht ihn langsam in ihr 35 Minuten und streicht darauf die Suppe durch. Man fügt eine Messerspitze Liebigs Fleisch- extract an, gibt einige Spargelköpfe in die Suppe und zieht diese mit einem verquirlten Eigelb ab. Zeit der Bereitung: 50 Minuten.
OeviiEehtes.
Adam und Eva in der Volksschule. In der untersten Klasse einer Berliner Gemeindeschule hatten die Kleine« die Geschichte von Adam und Eva lernen müssen. Lieschen soll aus Geheiß der Lehrerin erzählen, wie der Sündenfall sich zugetragen hat, und thut dies folgendermaßen: Kind: „Und Eva gab Adam den Apfel, und Adam e fjt e den Apfel. Lehrerin: „Falsch; es heißt: Adam aß den Apfel. Wie heißt es also?" Kind: „Adam aß te den Apfel." Lehrerin: „Das ist wieder falsch. Es heißt: aß. Nun sag's einmal richtig. Kind: „Und da eßte das Aas den Apfel."
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Ballgespräch. A.: „Diese Baronin Zani ist wirklich unausstehlich mit ihren ewigen (Zitaten!" — „Jawohl, Niemand im Kreise ist sicher vor dieser alten Citadelle!"
Siebaction: A. Scheyba. — Druck unb Betlag her Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steinbruckerei (Pietsch & Scheyba) in Stegen.


