Ausgabe 
20.3.1897
 
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Aber furchtbarer, als die Schmerzen, die mit erneuter Macht ihn überfielen, furchtbarer, als das drohende, zürnende, rache­dürstende Gesicht dort oben, war das Gefühl, daß der Mensch, dem dieses Gesicht gehörte, zugleich hinter ihm sei und näher und näher komme. Er hatte sich vorgenommen, sich nicht mehr umzuwenden, denn er hatte erfahren, daß es vergeblich sei auch jetzt noch in diesen Qualen rang er mit aller Anstrengung und Klarheit des Denkens und Handelns und doch war seine Empfindung diesmal noch stärker und wirklicher, sein Angstgefühl noch gewaltiger, tödtlicher. Denn er meinte nicht nur zu fühlen, er glaubte auch zu hören. Es schien ihm, als wenn die Thür ganz leise geöffnet würde, als wenn ein kühler Lufthauch von draußen hereinkomme und sein Haar bewege, als wenn er das Athmen einer Menschenbrust vernehme. Nun ertrug er es doch nicht mehr und sprang empor. Und indem er sich umwandte zur Thür, erkannte er, daß er sich diesmal nicht getäuscht hatte, daß eine Gestalt dort vor ihm stand, an den Pfosten gelehnt, ihn anblickend mit den drohenden Augen des bleichen Gesichtes, das er oben an der Decke im Ringelspiel der heißen Luit gesehen hatte Gestalt und Gesicht seines Sohnes!

Er hatte den Lehnstuhl mit rascher, angstvoller Be­wegung zwischen sich und den Eingetretenen geschoben und stand nun dahinter, die Knäufe der Rücklehne fest umspannt haltend, um nicht niedersinken.

Was wollen Sie?" stammelte er, und die eigene Stimme klang ihm wie die eines Fremden.

Dir gute Nacht sagen. Wir können doch einander Du nennen, nicht wahr? Wir sind ja doch Sohn und Vater. Jawohl, ich weiß es, und darum bin ich hergekommen, Dir gute Nacht zu sagen, ehe Du zum letztenmal schlafen gehst, weißt Du?"

Mehr der Ton der Worte, als ihr Inhalt das Brausen des von Todesangst getriebenen Blutes in seinen Ohren war so stark, daß es die Menschenstimme fast über­tönte verrieth dem Bebenden, daß eine Gefahr hier vor ihm stehe, leibhaftig und furchtbar.Ich will nicht sterben!" sagte er leise, mit einem röchelnden Klang in der Stimme, während er zugleich mit den Blicken im Zimmer umhersuchte nach Ausweg und Rettung. Flucht war sein einziger Ge­danke, Flucht vor diesem Menschen, dem er ein Leben ge­geben hatte, und der nun gekommen war, wie seine Furcht ihm sagte, das feurige von ihm zu fordern. Er sah nicht mehr, was der Andere that, er hörte nur wie im Traum noch die höhnische Antwort:Darum wird man nicht immer gefragt." Ein plötzlicher Anfall von Wuth und Verzweiflung gab ihm die Kräfte für einen Augenblick zurück, die ihm die Krankheit geraubt hatte. Er stürzte sich auf seinen Sohn, packte ihn fest und schleuderte ihn bei Seite, daß er zu Boden fiel; dann stieß er die Thür auf und stürzte hinaus.

Warum er nicht nach unten entfloh auf die Straße hinab, das hätte er selbst kaum zu sagen vermocht. Vielleicht war es die gewohnte Scheu vor dem Urtheil der Menschen, die ihn abhielt, sie zu Zeugen dieser Flucht und Verfolgung zu machen, vielleicht meinte er, den Anderen irre zu leiten, wenn er nach oben flüchtete. Er eilte die Treppe empor, so hastig und leise er konnte; doch schneller als er es für mög­lich gehalten hätte, mußte auch sein Sohn wieder aufge­sprungen sein, um aus dem Zimmer hervorzustürmen und seine Spur zu verfolgen. Daß er sie gefunden hatte, daß doch ein Ton der flüchtigen Füße durch die tiefe Stille zu ihm hinuntergedrungen war, verrieth dem Fliehenden der Klang der raschen, verfolgenden Schritte auf den Stufen, ein furchtbarer Laut für eine geängstigte Seele. Höher und höher ging die Verfolgung. Die Treppen hörten auf, die leiterähnlichen Stiegen begannen; sie schwankten, knirschten und krachten unter den Füßen der Männer, aber sie brachen nicht, hielten Stand und trugen die Beiden empor, die nahe schon hintereinander an ihnen hinanklommen den Fliehenden und den Verfolger, das Wild und den Jäger, Vater und Sohn!

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Bis zur Höhe des dritten Bodenraumes war das Haus beleuchtet; hier endete das Licht, und schwarze Dunkelheit, in der die nächste Stiege rasch verschwand, blickte drohend von oben herunter. Jaksch prallte zurück und zauderte für die Dauer einer Secunde, als er den Fuß auf die unterste Sprosse der Leiter gesetzt hatte, die weiter empor in die Finsterniß führte. Nicht dort hinauf! Licht und Rettung schienen für ihn einander verwandt zu sein, und als nun ein heller Strahl auch aus einer Thür hervordrang, die sich plötzlich aufthat und auf deren Schwelle ein hochgewachsener Mann erschien, da sprang Jaktsch bei Seite, entging den Händen, die schon nach ihm griffen, und stürzte hinein in das offene Gemach. Es war Busenius' Zimmer, das ihn aufnahm.

Doctor Jaksch blickte den Mann nicht an, in de ssen Behausung er sich geflüchtet hatte, zur Ecke neben dem Fenster hinstüczend, schmiegte er sich fest in den Winkel, streckte flehend und abwehrend die Hände aus und stammelte:Retten Sie mich, er will mich ermorden, retten Sie mich!"

Neuert war unmittelbar nach ihm ins Zimmer gedrungen, aber Busenius trat ihm entgegen, fest und kühn, mit so hoheitsvoller, Gehorsam heischender Haltung, daß der Wüthende inne hielt und unwillkürlich zurückwich.

Was wollen Sie von ihm?" fragte Busenius, nicht hastig und drohend, sondern ruhig und fest, während sein tiefes, melodisches Organ einen Widerhall an den weißen Wänden des kleinen Zimmers zu wecken schien. Und vor dem Ton dieser Stimme beruhigte sich die Angst des Ver­folgten, während zugleich die seltsame Empfindung in ihm erwachte, als spreche nicht der Mann, den er vor sich sah, sondern eilte der Schattengestalten, die in der letzten Stunde um ihn gewesen waren. Im Augenblick aber fürchtete er sie nicht mehr, denn sie schien ihm Schutz und Beistand zu verheißen.

Das ist meine Sache," gab Neuert auf Busenius' Frage zur Antwort, voll Trotz noch immer, aber nicht mehr so heftig, wie er zu sprechen gewohnt war.Meine und seine Sache," fügte er hinzu.Das geht keinen Dritten 'was an, was Vater und Sohn miteinander abzumachen haben."

Vater und Sohn?" wiederholte Busenius, während Schrecken und Staunen aus seinen Augen sprachen.Und der Vater entflieht vor dem Sohne?"

Weil er ein Hund ist, den man Niederschlagen muß, wo man ihn findet. Wollen Sie wissen, was er an mir gethan hat? Bon sich gestoßen hat er mich, als ich ganz klein war, und als er mich wiederfand, jetzt vor Kurzem, und als er mich erkannte, mich, seinen Sohn, da hat er mich bestohlen und ist mit den Papieren zum Gericht gegangen und hat mich denuneirt und hat mir die Polizei auf den Hals geschickt, um mich verhaften zu lassen, mich, seinen Sohn!"

Mit einer Art wilder Wollust wiederholte er die Worte, als bereite es ihm eine grausame Genugthuung, daß er, der Sohn, dem schändlichen Vater so als Richter und Rächer gegenüberstehe. Jaksch aber hatte, als er nicht mehr allein mit ihm war, die Fassung mehr und mehr wiedergewonnen, und etwas von dem kalten Hohn, mit dem er sonst zu reden verstand, war in seinen Worten, als er nun sagte:Ein schöner Sohn, der so zu seinem Vater spricht!"

Ein schöner Vater, der seinen Sohn dazu bringt!" rief Neuert mit zunehmender Wuth, und jetzt richtete er seine Worte nicht mehr an Busenius, sondern an ihn selbst, seinen Vater.

Wenn es nach Dir gegangen wäre, dann läge ich jetzt im Gefängniß, und Du wärest der stolze Herr geblieben, der Du wärest. Aber ich bin rascher gewesen, wie Deine Jagdhunde, und habe die Löcher in diesem alten, verfluchten Maulwurfsnest besser gekannt, wie sie. Ja, das Alles habe ich Dir noch erzählen wollen, damit Du auch weißt, wo ich gewesen bin diese ganze Zeit. Du hast Dir ja vielleicht Sorgen gemacht um Deinen Sohn! Hier, unter Deinen Füßen war ich, unter der Erde in dunklen Gewölben., und habe mir

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