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einer guten Eh'
Ist wohl das Haupt der Mann, Jedoch das Weib das Herz, Das er nicht missen kann.
Was ist auf Erden wirklich Dein?
Nur Liebe kannst Du wirklich schenken
Und allen Denen, die Dich kränken,
Ein volles, herzliches Verzeih'». Frida Schanz.
Das Kind der Tänzerin.
Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.
(Fortsetzung.)
Sir Gervase geleitete mich in den Hausflur. Als wir die Thür der Bibliothek erreicht hatten, blieb ich unwillkürlich stehen. Er blickte mich an, verbeugte sich leicht und ging weiter, während ich die Hand auf die Thürklinke legt«.
Der bloße Anblick des Mannes, der tobt da drinnen lag, hatte mich stets mit Schrecken erfüllt. Was würde er, wenn er am Leben wäre, zu den seltsamen Dingen sagen, die sich an diesem Tage zugetragen hatten? Nicht für Alles in der Welt hätte ich die Thür geöffnet und den Todten betrachtet- allein ich flüsterte durch das Schlüsselloch: „Großvater! Wie ungern nenne ich Dich bei Deinem Namen! Allein ich muß — ich muß, weil es mein Recht ist. Ich bin nicht wie Nan und Du liebtest Nan — die Nachricht, daß sie nicht Deine Enkelin war, tödtete Dich. Vielleicht würden Deine kalten, strengen Augen mich vernichten, wenn sie es vermöchten, weil ich es wage, hierher zu kommen und den Platz einzunehmen, den sie durch ihre Flucht räumte. Vergieb mir, Großvater, denn ich bin Robert Greylocks Tochter!" Dann drückte ich mein Gesicht an die Ebenholz- thür und weinte bitterlich.
Da berührte eine Hand meinen Arm. Sir Gervase war zurückgekommen, um mich zu holen.
„Treten Sie in den Salon," sagte er- „Ihre Mutter ist dort. Ich habe ihr die ganze Geschichie mitgetheilt. Sie stellt sich zwar, als zweifle sie an Ihrer Identität- Sie werden aber bald finden, daß sie tief erregt ist. Es ist am besten, daß Sie allein mit ihr reden."
Meine Mutter! Ich erbebte und schauderte bei den
Worten. Er geleitete mich bis zur Schwelle des Salons und verließ mich dann. Es war unter diesen veränderten Umständen keine leichte Aufgabe für mich, Mr. Iris Greylock entgegenzutreten. Jahre lang war der bloße Gedanke an sie mir verhaßt gewesen. Mit unbezähmbarem Widerwillen öffnete ich die Thür und trat ein.
Sie stand unter einem Gaskronleuchter und betrachtete die vergilbten kleinen Babykleider, die Sir Gervase von der Harmony-Alleh mitgebracht hatte. Ihr Gesicht war blaß und sie schien an allen Gliedern zu zittern.
Als sie mich gewahr wurde, steigerte sich ihre Aufregung. Sie hinkte einige Schritte auf mich zu und sagte: „Ich kam hierher, um zu sehen, was ich von Sir Gervase zu erwarten hätte, der jetzt der Erbe ist, und siehe da, er theilt mir eine ganz unglaubliche Geschichte mit. Ich kenne ja diese Kleidungsstücke — denn ich stickte sie selbst- mit Meinen eigenen Händen zeichnete ich den Namen meines Kindes darein - auch dieser Ring gehörte in der That meinem armen Robert. — Aber Du," fuhr sie mit einem verächtlichen Blick auf mich fort, „Du, die Dienstmagd in der Katzen-Herberge, Du sollst meine Tochter sein? — Nie werde ich solchen lächerlichen Unsinn glauben! — Du bist ebenso wenig meine Tochter, wie die arme Ethel es war. Die ganze Geschichte ist eine schamlose Erfindung, die Du und Sir Gervase miteinander ausgeheckt, obgleich ich nicht einzusehen vermag, wie er zu solch' einem Betrug die Hand leihen kann."
Ich machte keinen Versuch, die Beschuldigung zurückzuweisen, sondern blickte ihr ruhig in's Gesicht und versetzte: „Sie schämen sich, mich als Ihre Tochter anzuerkennen? Nun, ich kann Ihnen versichern, daß ich ebenso wenig stolz darauf bin, Sie Mutter zu nennen!"
Sie eiröthete vor Zorn und erwiderte: „Du bist unverschämt! Ich wußte wohl, daß Robert das Kind wegbrachte. Du hast das verlorene Glied in der Kette der Umstandsbeweise sehr schlau ersetzt — in der Thal nur zu schlau, denn der Effect ist äußerst dramatisch. Ich sage Dir aber, daß ich keine Tochter habe — sie ist schon lange tobt!" Sie hinkte näher unb blickte mch forschenb an. „Warum haben sie mir Ethel nicht gelassen?" rief sie wilb aus. „Ethel war gerabe mein Ideal von einer Tochter- sie paßte mir vollkommen. Was lag daran, wie ich zu ihr kam, da sie doch eine so große Aehnlichkeit mit der Familie Greylock hatte, daß selbst die Klügsten von ihnen nicht entdeckten, daß ihr Blut nicht blau war? Sir Gervase hätte nie eine Ahnung von dem Betrug bekommen, wenn die elende Hannah Johnson mich nicht verrathen hätte."


