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betrifft, so ist sie meinem Vater gegenüber nur eine Null. Ich habe mich bereits an sie gewandt, jedoch vergebens. Ohne Zweifel verbietet mein Vater ihr jeden Verkehr mit dem verlorenen Sohne, und sie wagt es nicht, seinem Verbote zu trotzen. Sein Wille gilt der armen, sanften Frau als Gesetz. Ich setze fortan meine Hoffnung nur auf mich selbst/ ich will ringen und streben/ ich will auf eigenen Füßen stehen oder zu Grunde gehen." (Fortsetzung folgt.)
mal tief und gründlich nach.
's ist ein argsauer Apfel, in den er beißen muß. — Sein Vater hat freilich gemeint, er hätt' sich die Marei gründlich angeschaut, — aber das ist gar net wahr. — Sie ist aus einem ordentlichen Haus und kein unebenes Mädel, und wenn 's denn durchaus eine sein soll, kann's die gerade so gut, wie eine Andere. Weiter hat er net gedacht. — Aber jetzt denkt er ernsthaft darüber nach, wie schön es doch sein möcht', wenn er sich so recht verlieben könnt, und seinen
„Und die Marei?"
„Na, die Marei! Aufgetischt hat sie, Schmke und Wurst, Geselchtes und Käs'. Aber unser Schinken ist zarter und unser Käs saftiger. Ja, ja."
„Na, und sonst?"
„Und sonst? — Heut' Abend gehst mal hm, — nach dem Abendläuten. — Die Sach' muß doch ihren Schick haben. — Paßt sich grad gut, heute auf den Samstag Abend."
„Heut Abend." — Der Toni seufzt noch mehr, und spürt das Kribbeln noch viel deutlicher. Und dann schleicht er in den Garten, hinter den Bienenstand und denkt noch
züchterei in Colorado gemacht worden,- ein neues Land ist der Platz für einen Mann, wie ich bin. Es ist nutzlos, länger hier zu bleiben und auf meines Vaters Verzeihung zu warten/ er wird es mir nie vergessen, daß ich ihm Trotz bot, er wird Dich niemals als seine Tochter aufnehmen. Wir wüffen daher alle Hoffnungen, ihn dereinst zu beerben, für immer entsagen und uns entschließen, unser Glück selbst zu begründen. Sicherlich sollte es uns möglich sein, die begangenen Jrrthümer wieder gut zu machen/ nicht wahr, Iris?"
Bestürzung, Zorn, Abscheu kämpften in den Zügen der Tänzerin um die Oberhand/ sie trat einen Schritt zurück und rief: „Ich soll nach Colorado! Niemals! Warum nicht lieber nach den Fidschi-Inseln? Eher wollte ich sterben, als dorthin gehen!"
„Iris! — Bedenke, was Du sagst!" flehte Robert innig/ „es ist meine einzige Hoffnung."
Wie ein ungezogenes Kind stampfte sie auf den Boden und rief: „Ich gehe nicht nach Colorado — ich trenne mich nicht von der Bühne!"
„Du willst mir nicht die Gemüthsruhe verschaffen, die nöthig ist, um mich emporzuarbeiten, Iris?" fragte er in bittendem Tone.
„Ich will die Bühne nicht verlassen!" wiederholte sie mit Heftigkeit/ „Du sollst mir nicht Alles rauben, was ich habe. Um Deinetwillen habe ich schon gerade genug geopfert!"
„Was hast Du denn um meinetwillen geopfert?" fragte Robert ernst.
Iris war furchtbar aufgeregt/ ihre großen schwarzen Augen flammten vor Zorn. „Erstens mein Glück — zweitens meinen Frieden!" rief sie. „Ich war glücklich, ehe ich Dich kannte, ich wollte, ich hätte Dich nie gesehen! Versprachst Du mir nicht, mich zu Rang und Reichthum zu erheben? Sagtest Du mir nicht, Dein Vater würde Dir Deinen Ungehorsam verzeihen? Wie schändlich wurde ich hintergangen! Achtzehn lange Monate warteten wir in diesem elenden Hause auf seinen Segen — und sein Geld/ jetzt giebst Du selbst zu, daß uns weder das Eine, noch das Andere je zu Theil werden wird. Ich hätte eine brillante Partie machen, einen Mann heirathen können, der selbst Geld besaß und nicht wie ein Junge von den Launen eines hoch- müthigen Vaters abhängig war."
„Vielleicht Arthur Kenhon?" höhnte Robert.
„Jawohl," erwiderte Iris mit unbedachter Offenheit, „Arthur Kenhon!"
Ein unheimlicher Blitz schoß aus Robert Grehlocks Auge/ allein er suchte sich zu beherrschen und antwortete mit möglichster Ruhe: „Ich gebe die Wahrheit Deiner letzten Bemerkung zu, gestatte mir indessen, vorzusühren, , was ich um Deinetwillen verloren habe: Freunde, Heimath, eine glänzende Zukunft, Vaterhaus, eine geachtete gesellschaftliche Stellung, und was der Kleinigkeiten mehr sind. Du solltest dies nicht außer Acht lassen, wenn Du mir die von Dir gebrachten Opfer herzählst."
Iris warf sich auf das Sopha, ohne der Röcke, Bänder und künstlichen Blumen zu achten, die darauf lagen. „Warum hast Du mich geheirathet, Robert? stieß sie unter Schluchzen hervor. „Es war ein entsetzlicher Mißgriff! Du lerntest mich verachten, und ich — ich — verabscheue Dich! Unsere trostlose Armuth allein reicht hin, dieses Leben unerträglich zu machen. Warum schreibst Du nicht noch einmal an Deinen Vater, oder an Deine Tante Pamela, deren Liebling Du als Knabe warst? Sie könnte ihn vielleicht bewegen, uns ein anständiges Auskommen zu sichern/
Scenen dieser Art hatten sich während der achtzehn Monate des ehelichen Zusammenlebens der beiden jungen Leute sehr ost abgespielt.
Beim Anblick der Thränen begannen die strengen Züge Roberts milder zu werden. „Meine Selbstachtung verbietet es mir, mich abermals an meinen Vater zu wenden," sagte er in sanfterem Tone/ „er hat mir meine letzten Briefe uneröffnet zurückgeschickt. Und was meine Tante Pamela an
Eine Freiergeschichte von L. Bürkner.
(Schluß.)
Der Alte der schmunzelt: „Siehst' mein Toni, man muß eine Sach' nur richtig überlegen. — So ein Hos ist keine taube Nuß, gelt? Und wenn nu soll geheirath' werden, da wirst Dir wohl auch Eine ausgesucht haben."
Der Toni ist ordentlich roth geworden und kaut an seinem Schnauzer. — Wenn's denn sein soll, denn auch gleich eine Saubere. — Die Schulzenmarei stünd' mir scho' an."
Der Rosenhofer.grient ordentlich: „Schau, schau der Toni. — Hab gemeint, Du könntest ein Mädel gar net ordentlich anschauen. — Das scheint aber doch net so zu sein. — Die Marei stünd' mir auch an. Und morgenden Tages mach ich die Geschicht' ab mit 'm Schulzenbauern."
„Vater, wenn's nur erst überstanden wär'," — seufzt der Toni, — „die Marei das ist gar eine Zungenfertige."
„Na," lacht der Rosenhofer, „da ist's mal bei Euch umgekehrt, da kann sie die Red' thun."
Anderen Morgens macht sich der Rosenhofer auf zum Schulzenbauer. Dem Toni ist's angst und bange während ber Zeit. — Es würgt ihn was am Hals, trotzdem er keinen Kragen an hat. — Und so sonderbar beklommen ist ihm, so warm und kalt und kribbelt ihm die Brust herauf und gar in den Fingern und Füßen.
Nach zwei Stunden kommt der Rosenhofer zurück. — Der Toni geht ihm schon ein Stück Wegs entgegen.
„Uff," stöhnt der Rosenhofer und trocknet sich die Stirn ab, — „das wär abgemacht. — Aber lieber drei Tag dreschen, als eine Heirath zurecht bringen."
„Warum?" fragt der Toni ärgerlich, „haben sie net gewollt?"
„Net gewollt? — Was werden sie net wollen! Innerlich gehüppt ist der Schulz vor Freud, — und so wird's die Marei wohl auch gemacht haben. — Wär auch net anders möglich, wenn der Rosenhofer als Freier kommt. — Aber ein Geizkragen ist er, ein zäher. — Um jede Kuh hat er gehandelt, wie ein Pferdejud, und um jede Doppelkron', die er rausrücken muß. — Der Knickser, der."


