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gebrannt, um mit der nicht unerheblichen Versicherungssumme etwas Neues, Besseres anzufangen?

Wenn der Mann wirklich gethan, was man ihm schuld gab, dann hatte er jedenfalls nicht bedacht, daß verlorenes Hab und Gut leichter zu ersetzen ist als ein verlorener guter Name, und er die einzige Tochter des Besten beraubt hatte, was ein Vater seinen Kindern hinterlassen kann. Doch ein Verdacht ist noch lange kein Beweis: Gertruds Vater ein Brandstifter, ein Ehrloser nein, es konnte ja nicht sein, mochte auch der Schein sich nicht ganz wegleugnen lassen. Und an diesem unseligen Verdachte sollte nun das Glück zweier Menschenherzen scheitern, nachdem es kaum seine ersten Knospen getrieben!

Den Kopf schwer in die Hand stützend hatte sich Eschen­burg in einer versteckten Laube niedergelassen, um die bereits der junge Flieder gar lustig sproßte. Ueberall, wohin das Auge schaute, das Ohr hörte, wonniges Frühlingserwachen, nur in ihm selber Charfreitagsstille und Charfreitagstrauer, obgleich Ostern vor der Thüre stand. Wie so anders hatte er sich das kommende Fest gedacht, das ihn und die, welche er lange still im Herzen getragen, als glückliches verlobtes Paar hatte finden sollen! Nun hatte ein ungeahntes Schicksal seine Hoffnungen zerstört, wie oftmals ein unerwarteter Nacht­frost die ganze junge Lenzespracht. Nicht daß er hätte glauben müssen, Gertruds Neigung habe einem losen Blatte geglichen, das der Wind verweht, nein, ihr Herz war ihm wohl auch heute noch nicht völlig entfremdet, aber seit der Unglücksstunde, in welcher jenes dunkle Gerücht, das über ihren Vater umlief, ihr zum ersten Male zu Gehör ge­kommen, hatte sie das kaum geknüpfte glückverheißende Ver- hältniß jäh abgebrochen und jede von ihm versuchte Annähe­rung entschieden zurückgewiesen: ein Mädchen, dessen Vater man eines verübten Verbrechens für verdächtig hielt, konnte ja nach ihrer Ueberzeugung niemals die Frau eines Mannes werden, der mehr als jede andere berechtigt war, für sich und die Seinen von der ganzen Gemeinde vollste Ehre und Achtung zu fordern.

Und an dieser Ueberzeugung Gertruds hatten weder Zeit, noch Bitte und Vorstellungen bis heute etwas zu ändern vermocht. Welche auffällige betrübende Wandlung aber war mit ihr selber vorgegangen. Ihre herzgewinnende Freundlich­keit und harmlose Fröhlichkeit hatte einer herben Verschlossen­heit Platz gemacht, und jener Zauber, womit das Glück einer jungen Liebe noch jüngst ihr ganzes Wesen verklärte, war einer ängstlichen Scheu gewichen. Ob sie insgeheim vielleicht selber an die Schuld ihres Vaters glaubte? Der Himmel mochte verhüten, daß sie dazu Grund hatte!

Ein Geräusch in nächster Nähe ließ Eschenburg aus seinen trüben Sinnen auffahren: auf dem Friedhöfe nebenan schüttete soeben der alte Todtengräber ein Grab zu. Wie dumpf die Schollen aus den Sarg polterten! Der Lauscher hätte hinüberstürzen und dem Todten, bevor sich das Grab über ihm schloß, zurufen mögen:Valentin Bose, haft Du es gethan? Hast Du es nicht gethan?" Thörichtes Ver­langen! Die Todten gaben keine Antwort mehr.

Guten Abend, Curt. Ich bringe Dir Gertruds Gruß und Dank," hörte er statt dessen eine wohlbekannte Stimme neben sich sagen, während eine in Trauer gekleidete Frauen­gestalt gleichzeitig an seiner Seite auf der Gartenbank Platz nahm.

Wie dem Angeredeten bei Nennung jenes Namens das Blut in das eben noch bleiche Antlitz schoß!

Du kommst schon, Elisabeth?" fragte er betroffen. Ich glaubte, Du würdest Dich der Einsamen annehmen."

Das hätte ich sicher auch gern gethan," entgegnete die Schwester,doch Gertrud selber schickte mich fort, da sie wegen ihrer Aufnahme bei einer alten Verwandten in W. heute noch zu schreiben vor hatte. Laß mich ausreden, Eurt," bat sie, als der Bruder sie unterbrechen wollte,- wie diese Dachen nun einmal stehen, ist es sicher das Beste,

Gertrud sucht sich sobald wie möglich eine andere Heimath, denn."

Aber Bose hat er nicht gethan, eS wird, es muß sich ausklären!" fiel jener der Sprecherin heftig in das Wort.

Das hoffe ich ja auch, und Gott mag dazu helfen," entgegnete Elisabeth beschwichtigend,doch so lange das nicht der Fall ist, werden wir Beide den Verdacht von dem Todten nicht abwälzen können, und ebenso lange, fürchte ich, wirst Du Dich der Hoffnung auf Gertruds Besitz entschlagen müssen. Ich bin aber überzeugt," schloß sie zuversichtlich, während sie liebkosend über des Bruders Haar strich,Gertrud ver­sagt sich Dir nur aus allzu großer Liebe. Sie gönnt Dir das vollkommenste Glück und verzichtet lieber auf das ihre, aus Besorgniß, Du könntest Deine Wahl später einmal doch bereuen, was freilich auch ich nicht für ausgeschlossen halten wie mich das aber schmerzen würde, dies, denke ich, brauche ich Dir nicht erst zu sagen."

Eschenburg erhob sich unerwartet.

Du meinst es gut, Elisabeth, und möchtest mich gern trösten, ich weiß es," sagte er bewegt, die Hand der Schwester ergreifend,sei beöankt und habe Geduld mit mir. Wohl geht diestille Woche" mit heute zu Ende, doch giebt es noch andere, die länger währen als sieben Tage."

* * *

Und nun graute int Osten der junge Oftermorgen.

Ob die beiden hübschen Mädchen, die, jede mit einem Henkelkruge versehen, in dieser frühen Morgenstunde zu der nahen Waldquelle wanderten, es wohl nöthig hatten, um einem jungen Burschen zu gefallen? Gewiß nicht. Aber vielleicht galt es, jenen einen zu fesseln, der sich ebenso auf Frauenschönheit verstand, wie er selber mit seinen dunklen Gluthaugen, dem kecken Schnurrbart mtb schneidigen Wesen allen jungen Schönen des Ortes die Köpfe verdrehte. Lange genug freilich hatte es geschienen, als ob für Franz Ramming, ersten Modelleur an der großen neuen Porzellan­fabrik, die ganze junge Mädchenwelt gar nicht vorhanden wäre, doch seit sich jener wie alle Welt wußte im Herbst bei der bildhübschen Gertrud Bose einen Korb geholt, durften auch andere sich rühmen, von dem gefeierten Künstler nicht länger übersehen zu werden. Zu was auch lebenslang der Einen nachtrauern, wenn man unter einem Dutzend Anderer die Wahl haben konnte? Da waren gleich in erster Reihe diebraune Else", des Thermometerfabrikanten einziger Kind, und Helma, die schmucke Tochter des reichen Mediein- händlers, die den verschmähten Freier wegen seines Miß­geschicks für ihr Leben gern getröstet hätten. Welcher von den beiden, die er bislang gleich ausgezeichnet, der Heißbegehrte wohl seinen Ring geben würde? Die sorgenvolle Frage be­schäftigte auch jetzt die zweie vollauf, während sie im ge­botenen Schweigen des Osterwasserzaubers Seite an Seite ihren einsamen Weg verfolgten, denn so innig befreundet Beide von Jugend auf auch waren, so stand doch fest, daß Keine der Anderen jenes Glück gönnte, welches sie für sich selber ersehnte.

Mit einem Male standen die Mädchen wie auf Commando horchend still und faßten einander unwillkürlich bei der Hand: hatte es nicht wie ein entfernter Schrei durch die lautlose Morgendämmerung erklungen? Schwarz und unheimlich lag da vorn der Wald, wo unter moosigem Gestein die Quelle hervorsprudelte, deren schönheitspendendes Wasser man schöpfen wollte: sollte dort etwas vor sich gehen? Vielleicht, daß der Gendarm Einen beim Waldfrevel erwischt, ober ber Forst- gehülfe hatte wohl gar einen Wilberer abgefaßt, ber sich bei Tagesgrauen einen Ofterbraten hatte holen wollen?

Klopfenben Herzens horchten bie Gefährtinnen eine Weile, boch Alles blieb still.

Ob man sich weiter wagte ober bem Ziele so nahe toteber umkehrte? Am Ende hielt sich hier in ber Nähe Einer versteckt, der es darauf abgesehen hatte, die frühen Wasserschöpferinnen zu erschrecken: Scheu und furchtsam