Der schwarze Panther.
Novelle von Wilhelm Fischer.
(Fortsetzung.)
III.
Am nächsten Morgen setzte ich cs beim Untersuchungsrichter durch, daß Don Alonso die denkbar möglichsten Freiheiten zugestanden wurden. Es war dies um so leichter, als der Untersuchungsrichter nicht an die Schuld des Selbst- denuncianten glaubte. Wie er mir sagte, war er entschlossen, den Unglücklichen auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen, was ich mit Mühe im Interesse meines Clienten verhinderte. Dann eilte ich, ihn aufzusuchen. Don Alonso begrüßte mich herzlich. Ich theilte ihm die Vergünstigungen mit, welche ich beim Untersuchungsrichter für ihn erwirkt hatte und offerirte ihm eine Cigarette, die er sofort in Brand setzte. Er dankte mir für meine Fürsorge in überschwenglicher Weise, dann meinte er schmerzlich läckelnd:
„Ich glaube, Herr Doctor, es ist besser, ehe ich meinen armen, geplagten Kopf mit juristischen Thesen und Anthithesen überlade, ich erzähle Ihnen, ich beichte Alles, was mit Con- suele und mir im Zusammenhang steht. Dann mögen Sie rathen, helfen urtheilen und verdammen. Wer die Ursache kennt, wird die Wirkung, und mag sie zermalmend sein, begreifen, und Alles begreifen, heißt Alles verzeihen."
Ich erklärte ihm, daß ich vollkommen seine Ansicht theile und bat ihn, in seiner Erzählung fortzufahren.
„In Nancy angekommen," Hub er nach einer Weile des Besinnens an, „fand ich in meiner Wohnung einen Brief meines Vaters vor, in dem mir der alte Herr mittheilte, daß sich seine Verhältnisse bedeutend gebessert hätten. Um mich an seiner Freude theilnehmen zu lassen, habe er mir fünfhundert Francs an der Banque de France angewiesen. Die Summe kam mir gelegen; ich machte vor lauter Freude einen Lustsprung nach dem anderen — dann eilte ich, die Summe zu erheben. Für Consuela und ihren Vater miethete
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iel Tausende sind für alle Gaben
Der Schönheit, der Kunst und des Lebens blind: Sie können für nichts Interesse haben, Wenn sie nicht auch — interessirt daran sind. M. E.
ich alsdann in der Nähe des bereits fertiggestellten Circusgebäudes eine prachtvoll ausgestattete Wohnung. Nach wenigen Tagen traf der Circus mittelst Extrazuges aus Metz ein. Unser Wiedersehen war ein äußerst herzlichstes. Consuela hing sich sofort in meinen Arm und überließ ihrem Vater die Sorge für die Effecten und die Thiere. Sie erzählte mir in Heller Freude, die mich beglückte, von ihren Erlebnissen der letzten Zeit, wobei ihr das kokette Geständniß entwischte, daß sie sich doch ein klein wenig nach mir gesehnt hätte. Sie war mit einem Wort entzückend. Am Abend feierte ich denn auch an der Seite Consuelas und ihres Vaters im Kreise der Artisten den Einzug der Gesellschaft in Nancy. Ein herrlicher Abend, in vollen Zügen sog ich das Abenteuerliche ein, das mich umgab. Ich war so aufgeräumt in biefem Milieu de Boheme wie vordem in keiner Gesellschaft, zu der mich mein Madrider Tanzmeister zurechtgedrillt hatte. Die Menschen um mich herum kamen mir vor wie kleine Kinder, so harmlos war ihr Gespräch, so natürlich ihr Betragen. Kein Falsch an ihnen, kein Jn- triguantenthum. Und das bestach mich. Meine gute Laune ging auch auf Consuela über. Sie war ausgelassen und heiter. Wir waren bald ein Herz und eine Seele. In einer anderen Umgebung wäre dies natürlich ausgefallen; man hätte über unsere Beziehungen, so keusch und rein sie auch waren, die ungeheuerlichsten Muthmaßungen angestellt. Hier fiel es keinem der Anwesenden ein, Betrachtungen über die Art der Berechtigung meiner Anwesenheit anzustellen. Später begleitete ich Consuela und ihren Vater nach ihrem neuen Heim, das sie entzückend fand. Wir trennten uns mit der Verabredung, uns am nächsten Morgen um zehn Uhr zur Probe im Circus zu treffen. Als ich um die verabredete Zeit erschien, fand ich Consuela in der Manege vor dem Zwinger stehen, die Bestien liebkosend. „Pascha, Brutus, hierher," rief sie, nachdem sie mir zur Begrüßung die Hand gereicht hatte, „macht Eure Reverenz vor Don Alonso, meinem Freunde." Da kam ein Stalljunge mit einer in einer Mausefalle gefangenen Maus vorüber. „Lassen Sie die Maus in den Käfig," rief sie, und sich zu mir wendend: //Paffen Sie auf, Don Alonso, ein königliches Schauspiel." Der Stalljunge öffnete die Falle. Die Maus huschte in den Käfig. Die Löwen, Tiger, Leoparden sprangen entsetzt auf, als sie das kleine Ungethüm in ihrem Zwinger gewahrten. Neugierig, halb erstaunt, halb erschreckt lugten sie nach der Maus, die sich zitternd duckte. Der Löwe Pascha tappte vorsichtig auf das Thierchen zu und gab ihm einen leichten Stoß mit der mächtigen Pratze. Entsetzt flüchtete die Maus


