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Ist dies nicht der Fall, so hilft einzig und allein ein heißes Fußbad, darauf tüchtiges Abreiben der Füße und Einwickeln derselben in eine wollene Decke, die auch im Bette darum bleibt.
Arzneiliche Schlafmittel irgend welcher Art sind nur in den hartnäckigsten Fällen anzuwenden, und dann nur auf ärztliche Verordnung.
Alle Leute, welche schon längere Zeit an Schlaflosigkeit leiden, haben eine wahre Höllenängst vor der Fluth von Gedanken, welche in der Nacht ihr Gehirn martern und jede Schlafneigung immer wieder verscheuchen. Ihnen gilt der Ausspruch Hufelauds: „Alle Sorgen und Tageslasten müssen mit den Kleidern abgelegt werden, keine darf mit zu Bette gehen!" Aber wie dies ausführen? Da muß man allerdings etwas Energie anwenden. Wenn irgendwo, so helfen hier die Lehren, welche der große Königsberger Philosoph, Immanuel Kant, dargelegt hat in seinem Büchlein: „Die Macht des Gemüths durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein." Um alle unnützen Gedanken aus dem Kopfe zu schlagen, empfiehlt er folgendes: „Es ist kein anderer diätetischer Rath, als beim innern Wahrnehmen oder Bewußtwerden irgend eines sich regenden Gedankens die Aufmerksamkeit davon sofort abzuwenden, wo dann durch das Abbrechen jedes Gedankens, den man inne wird, allmählich eine Verwirrung der Vorstellung und dadurch Abspannung und Ermüdung entsteht." In der That haben dadurch, wie ich bestimmt versichern kann, verschiedene Personen an sich schon wunderbare Erfolge erzielt. Kommen Nachts die Gedanken geflogen, dann wird schnell irgend ein beliebtes, unschuldiges Schulgedicht leise hergesagt, und zwar nur solche Verse davon, auf die man sich gar nicht erst zu besinnnen braucht, die also keine Gedankenarbeit erfordern. Dann wird keine Pause gemacht, sondern gleich immer wieder dasselbe memorirt, oder was einem sonst gerade an Versen in Gedichten und Liedern, an Gebeten und dergleichen in den Sinn kommt. Dadurch entsteht sehr bald eine Gedankenverwirrung, eine Abspannung und Ermüdung der Gehirnthätigkeit, welche den erlösenden Schlaf herbeiführt.
Mit Ausdauer und Energie vermag man auch die hartnäckigste chronische Schlaflosigkeit zu heilen. Nur dürfen die Patienten sich nicht von melancholischen Gedanken und Lebensüberdruß niederdrücken lassen, sondern müssen froher Zuversicht und frischen Muthes bleiben. Daß dies auch bei diesem Leiden möglich ist, hat Friedrich der Große bewiesen. Als er im Juli 1786 so sehr an Schlaflosigkeit litt, äußerte er zum Herzog von Kurland: Da er gut zu wachen verstehe, so empfehle er sich ihm für einen etwa offenen Nachtwächterposten.
Weshalb ist aber der Schlaf für Erhaltung von Gesundheit und Leben so unumgänglich nothwendig? Durch die fortwährende Thätigkeit von Körper und Geist im wachenden Zustande werden die Spannkräfte in Muskeln und Nerven, namentlich im Centralnervensystem verbraucht, es tritt eine gewisse Abnützung ein, welche sehr bald zur gänzlichen Unbrauchbarkeit des Organismus führen würde, wenn nicht im Schlafe eine Ergänzung der verbrauchten Kräfte stattfände. Während nämlich die im Schlafe ausruhenden Muskeln und Nerven in dieser Zeit fast gar keine Stoffe verbrauchen, geht doch auch im Schlafe, ebenso wie die Verdauung, die Neubildung dieser Stoffe und Kräfte gleichmäßig vor sich, so daß also allmählich eine Wiederherstellung und sogar Aufspeicherung von Spannkräften für die nächste Arbeitsperiode stattfindet. Wie am Tage fließt auch in der Nacht das Blut, „der Lebenssaft" fortwährend durch alle Gewebe des Körpers, bringt ihnen stets neues Nahrungsmaterial, obgleich sie während der Ruhe fast nichts davon verbrauchen, und — was noch von großer Wichtigkeit ist — spült auch alle abgenützten Bestand- theile und schädlichen Zersetzungsproducte die sogenannten Ermüdungsstoffe hinweg. Daher ist ein gesunder, ruhiger tiefer Schlaf für Jedermann'durchaus nothwendig, wenn die Gesundheit nicht nothleiden und die Arbeitskraft nicht vorzeitig verbraucht werden soll. Und zwar ist der Schlaf um so not
wendiger, je intensiver die Thätigkeit des Gehirns im Wachen durch Geistesarbeit oder Gemüthserregungen in Anspruch genommen wird, wie dies namentlich bei Gelehrten, Schriftstellern u. s. w. der Fall ist, während Muskel- und Handarbeiter mit weniger Schlaf auskommen.
Es gibt also Nichts, was so erhaltend und stärkend aus die Kräfte des Geistes und Körpers und dadurch lebensverlängernd wirkt als der Schlaf, aber auch umgekehrt Nichts, was mehr erschöpfend und angreifend wirkt als andauernde Schlaflosigkeit. Dieser zu entgehen oder, wenn sie eingetreten ist, sie zu vertreiben, ist daher eines des wichtigsten Kapitel der Gesundheitspflege.
Wer an Schlaflosigkeit leidet, muß zunächst mit sich ernstlich zu Rathe gehen und sich fragen, ob nicht er selbst durch seine Lebensweise die Schuld daran trägt. Wer, wie namentlich viele corpulente Personen, Morgens spät aufsteht und dann noch eine längere Mittagsruhe hält, der kann sich allerdings nicht wundern, wenn er Abends nicht gleich einschläft und auch in der Nacht öfters aufwacht. Seine Ermüdung und Abspannung ist eben nur sehr gering und sein natürliches Schlafbedürfniß daher bald befriedigt. In diesem Falle besteht das einzige und unfehlbare Heilmittel in gänzlicher Unterlassung des Mittagschlafes, frühem Aufstehen und reichlicher körperlicher Bewegung.
Auch die Schlafzimmerluft spielt bei der Schlaflosigkeit eine große Rolle. Was für eine verpestete Luft in den meisten dieser sür unsere Gesundheit so überaus wichtigen Zimmern herrscht, merkt man am besten, wenn man Morgens vor dem Lüften von draußen in einen solchen Raum tritt. Man bedenke doch: jeder einzelne Schläfer athmet während der Nacht durchschnittlich 300 Liter Kohlensäure nebst Wasserdampf und mehr oder weniger riechende Zersctzungsstoffe aus Haut und Lungen aus, und hält sich 7 bis 8 Stunden ununterbrochen in diesem seinem eigenen Lungenschmutz wie dem seiner Schlafgenoffen auf. Ein wirklich gesunder und erquickender Schlaf kann daher nur eintreten, wenn das Schlafzimmer möglichst groß und hoch ist, wenn sich nicht zu viele Personen darin befinden, und wenn der entstehenden Luflverderbniß durch beständige Lufterneuerung vorgebeugt wird. Möchten doch alle an Schlaflosigkeit Leidenden stets auch auf diese Verhältnisse ihr Augenmerk richten!
Literarisches
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Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in ®*c®
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