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auf eines der anderen Thiere zu, das mit allen Zeichen des Schreckens flüchtete. Consuela klatschte vor Freude in die Hände. Sie lachte laut und belustigt auf, wobei sie ihr Haupt an meine Brust lehnte. Ich benützte diese Gelegenheit und flüsterte ihr leise und innig zu, daß ich sie liebte, sie zu meinem Weibe begehre, daß ich ohne sie nicht mehr zu lehen vermöge. Sie hörte beseligt zu, dann sagte sie auf die Maus deutend: „Wollen Sie wirklich meine Maus sein, Don Alonso?" „Warum nicht, Geliebte. Machen Sie aus mir, was Sie wollen." „Gut denn, ich bin die Ihre, Don Alonso." Damit reichte sie mir die Hand, die ich inbrünstig an meine Lippen führte. In diesem Augenblick hörte ich ein ängstliches Pipsen. Der schwarze Panther hatte die Maus mit seiner Tatze erwischt, und ehe wir ihm wehren konnten, hatte er das Thierchen verschlungen, worauf die anderen Bestien sich philosophisch zur Ruhe niederlegten. „Die arme Mausl" sagte Consuela mitleidig. Dies Mitgefühl that mir wohl, und wenn ich auch sonst abergläubisch bin, Consuelas Mitleid für die arme Maus zerstreute meine Bedenken. Aber seit dieser Stunde war mir der schwarze Panther die gefährlichste Bestie. Glauben Sie mir, Doctor, ich habe in meinem Leben wohl an fünfzig Löwen und Tiger dressirt und niemals Furcht gefühlt. Vor dem schwarzen Panther war ich immer auf der Hut. Die Bestie kann einem nicht ins Auge blicken, sie bleibt, noch so gesättigt, immer blutdürstig. Und sie ist denn uns Allen auch ver- hängnißvoll geworden, mir, meinem Weibe und meinem Schwiegervater. Doch das ermüdet Sie. Als Consuelas Vater in der Manege erschien, eilte sie ihm jubelnd entgegen: „Väterchen, heute ist keine Probe. Heute ist mein Festtag. Wir haben uns verlobt, ich und Alonso."
„Sapristi" knurrte der Alte, indem er die Fäuste in die Hüften stemmte. „Diese Art von Festtagen stehen nicht in meinem Kalender. Don Alonso, Sie sind eine Flibustier, bei der Madonna von Sevilla, Sie gehen scharf ins Zeug." Ich machte einige komische Gliederverrenkungen, die andeuten sollten, daß ich nichts für mein Schicksal könne, während Consuela ihrem Vater alle möglichen Kosenamen gab. „Per Dio,“ grunzte er jetzt ganz behaglich, „wenn Ihr Euch liebt, mir soll's Recht sein. Meinen Segen habt Ihr, vorausgesetzt, daß Alonsos Vater, der hochgeborene Herzog de Melio, nichts gegen Eure Heirath hat." Mir jagten diese Worte einen Todesschrecken ein, indessen beeilte ich mich zu lügen: „Der Herzog liebt mich, er ist nicht stolz auf seinen Adel, er wird uns seinen Segen nicht versagen, verlasse Dich darauf, Consuela!" Der alte Thierbändiger grunzte einige unverständliche Worte, dann beeilte er sich, den Befehl zu geben, daß der Dressurkäfig aus der Manege gerollt werde. Als dies geschehen war, lud er den inzwischen erschienenen Director und dessen Gemahlin zu einer kleinen Festlichkeit ein, die er zu Ehren der Verlobung seiner Tochter mit dem Marquis Alonso de Melio im vornehmsten Restaurant der Stadt veranstalten werde. Ich fuhr nach Hause und machte Toilette, dann holte ich in einer Equipage meine Verlobte und deren Vater ab. Nach bem ersten Toast, den der Director ausbrachte, nahm mich der alte Thier bündiger bei Seite, um mir mitzutheilen, daß er seiner Tochter die Hälfte seines Vermögens, eine Viertel Million Francs als Mitgift gebe. „Vielleicht", setzte er stolz hinzu, „trägt dies dazu bei, die möglichen Bedenken des alten Herzogs zu beseitigen." Mir fiel ein Stein vom Herzen/ ich wußte, wie sehr mein Vater eine reiche Heirath seines Sohnes ersehnte. Sein Vorurtheil gegen den Stand meiner Erwählten und ihres Vaters glaubte ich mit Erfolg bekämpfen zu können, ich kannte ja damals den beinah lächerlichen Standesdünkel meines Vaters nicht, zudem war ich majorenn und Herr des kleinen Vermögens meiner ver storbenen Mutter. Der Director hatte die Liebenswürdigkeit, das Auftreten meines zukünftigen Schwigervaters an diesem Abend zu inhibiren, uns aber für die Vorstellung selbst eine Loge zur Verfügung zn stellen. Ein glücklicheres Menschen
paar wie wir gab es nicht an diesem Tage. Am Abend sagte dann Consuelas Vater, der mit stillem Behagen unser Glück bemerkte: „Eine Verlobte, Consuela, ist immer zerstreut, also taugt sie nicht zu einer so gefährlichen Arbeit, wie wir sie zu leisten pflegen. Ich decretire also, daß meine Tochter auch aus Rücksicht auf meinen zukünftigen Schwiegersohn in Nancy nicht auftritt." Consuela widersprach, aber schließlich gab sie meinen Bitten und Vorstellungen - nach. „Meine armen Löwen, die mich so sehr lieben, wie werden sie sich nach mir sehnen," sagte sie betrübt und eine Thräne schimmerte in ihren herrlichen Augen. Ich küßte sie hinweg, und da lächelte sie wieder so wonnig wie die Sonne an einem heiteren Maienmorgen. Damals liebte sie mich aufrichtig, aber Alles vergeht, auch die Liebe und Alles Erhabene wird erbärmliche, aufreibende Gewohnheit, denn Alles, was entsteht, ist Werth, daß es zu Grunde geht."
Wir lebten so glücklich wie Kinder, die von der Schulbank befreit, sich im Freien tummeln, mehrere Wochen und bauten Luftschlösser. Als ich jedoch eines Tages Consuela andeutcte, daß ich aus Rücksicht auf meine Familie wohl fordern müßte, daß Consuela in Zukunft ihrem Berufe entsage, da sträubte sie sich und es kam zu einer leidenschaftlichen Scene zwischen uns. Ich mußte nachgeben, denn meine Verlobte erklärte mit einer wilden Energie, die mich entsetzte, daß sie unter keinen Umständen sich in dieser Beziehung die Hände binden werde. Sie sprach von Ruhm, von der Freude, die sie empfinde, wenn die Bestien ihr gehorchten auf Wort und Blick, vom Haschischrausch des Beifalls, der ihre Seele nähre. Ich beschwichtigte sie in der stillen Hoffnung, daß ich als Gatte durchsetzen werde, was mir als Verlobter nicht möglich war. „Wer weiß," hatte sie mir leidenschaftlich zugerufen, „ob Dein ahnenstolzer Vater die Mesalliance überhaupt billigt. Und dann . . ." Ich fuhr bei diesen Worten zusammen, denn ich hatte Tags vorher nach langem Zaudern meinem Vater brieflich, in flehentlichen Worten Kenntniß von dem fait accompli meiner Verlobung gegeben, um seine Verzeihung und um seinen Segen gebeten. Als ich nach der Scene mit meiner Braut nach Hause kam, fand ich ein Telegramm meines Vaters vor, das ebenso vernichtend für mich als bezeichnend für meinen Vater war." „Mein Sohn hat die Frau zu heirathen, die ich ihm gebe oder aufzuhören mein Sohn zu sein . . ." Ich knirschte vor Wuth mit den Zähnen. Ich sah mich vor einem Bruch mit meiner Familie, denn ich kannte den starren Sinn meines Vaters. Was nun thun? Kurz und gut, ich war männlich genug, Consuela das Telegramm zu zeigen und ihr die Entscheidung zu überlassen. Sie stampfte wüthend mit dem Fuß auf, als sie das Telegramm gelesen, dann blickte sie mich mit jenem seltsamen, unergründlichen Blick forschend an — mir wurde ganz heiß dabei, — schließlich sagte sie: „Ich halte auch jetzt noch das Wort, das ich Dir gegeben, das Deine zu halten, stelle ich Dir anheim, denn Du hast zwischen mir und diesem da zu wählen." Mit diesen Worten warf sie das Telegramm auf den Tisch. „Ich habe gewählt," rief ich feurig aus, indem ich sie umarmte. Sie duldete und erwiderte meine Küsse mit all der leidenschaftlichen Gluth ihres Temperaments und entfachte einen Brand in meiner Seele, den selbst diese kalten, kahlen Gefängnißmauern nicht zu ersticken vermögen. Von dieser Stunde an war sie wie umgewandelt,- während sie früher kokett und spröde that, sodaß oft Zweifel an der Tiefe ihrer Zuneigung in mir entstanden, war sie jetzt stnnbethörend verführerisch und in den Aeußerungen ihrer Liebesleidenschaft so verschwenderisch, wie nur eine Spanierin sein kann. Die Bedenken des Vaters gegen die Heirath ohne Einwilligung des Herzogs zerstreuten wir. „Hm," meinte der Alte, „es ist ja richtig, die Zeit heilt Alles, so sei es denn. Wir beschleunigen die Hochzeit und sind dann Alle aus dieser verdammten Mausefalle heraus." Ich theilte meinem Vater in ehrerbietigen Worten mit, daß ich das meiner Braut gegebene Wort ritterlich, wie es sich einem Melio geziemt, halten werde und nochmals um seinen


