Dienstag den 16. März.
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■ ■rMMiUft Dich jugendlich erhalten, Leb' mit Jungen, lies die Alten!
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Wer endlos wählt und sich besinnt, Gewöhnlich das schlechteste Theil gewinnt. Wer vorschnell zugreist, dess' Verstand Sitzt statt im Kopfe in der Hand-, Nur ruhig Besinnen und rasch Erwählen Läßt viel gewinnen und wenig verfehlen. Bank.
Das Haus der Schatten.
Roman von Robert Kohlrausch.
(Fortsetzung.)
Sie trat vom Erkerfenster ins Zimmer zurück, betrachtete die Blumen und Arabesken im Teppich mit, einer neuen, ungekannten Aufmerksamkeit, ließ einen der schlanken Palmenwedel durch ihre Finger gleiten, rückte ein Bild an der Wand zurecht und ging dann so schnell, als habe sie etwas versäumt, von Neuem zum Fenster. Menschen, vereinzelt und eilig, durchschritten die Straßen, die Uniform des Telegraphenboten aber wollte nirgends erscheinen.
Mit einem Seufzer setzte Frau Henninger, nachdem sie eine Stunde fast in diesem hastigen Hin- und Wider verbracht hatte, sich an ihren Schreibtisch. Der Brief an den Bruder! Sie hatte ihre nächste Pflicht noch nicht erfüllt und verlangte schon, daß zu ihr selbst die Freude auf raschen, beschwingten Sohlen herbeieilen solle. Sie nahm Papier und Feder, und als sie einmal zu schreiben begonnen hatte, verschwand ihre Unruhe allmälig unter dem Gefühl der Liebe und des Mitleids für den verlorenen, ihr so nahestehenden Menschen, der ein junges, reiches Leben freventlich vergeudet hatte. Sie schrieb und schrieb und sagte ihm Alles, was ihm tröstlich sein konnte, mit kluger, liebevoller Vorsicht vermeidend, ihm erneute Sorge zu wecken. Eas wr dämmerig geworden, als sie den Brief beschloß und eine ansehnliche Geldsumme hineinlegte, ehe sie ihn versiegelte. Das Licht aber, das ihr dabei gedient hatte, löschte sie wieder;es war nicht völlig dunkel, und sie hatte das Gefühl, als könne sie den Tag und mit ihm die Hoffnung auf die ersehnte Botschaft länger festhalten, wenn sie noch in der Dämmerung blieb.
In dem sich mehr und mehr verdunkelnden Zimmer be
gann sie nun von Neuem ihr unruhiges Auf- und Niedergehen. Die Trachten der immer spärlicher auf der Straße erscheinenden Menschen konnte sie nicht mehr erkennen, aber sie redete sich ein, daß es noch nicht spät sein könne, — auch das Zifferblatt der Uhr war nur noch ein weißer Fleck im abendlichen Grau, — bis sie mit Schrecken den ersten Stern am Himmel erkannte, und bis die Lichter der Laternen ihr zu Füßen eines nach dem anderen langsam auflenchteten. Zum erstenmal an diesem Abend stieg ein Gefühl schmerzlicher Enttäuschung in ihr empor, sie warf sich traurig und ermüdet auf ihren gewohnten Sitz unter den Palmen. Und hier war es, wo sie durch das todtenhafte Schweigen des leeren, großen Gebäudes einen leisen, unklaren Ton zu vernehmen meinte; ei war so gedämpft, daß sie seine Ursache und Richtung nicht zu erkennen vermochte, doch schien es ihr, als wenn irgendwo auf einem der fernen Gänge eine Thür geöffnet und geschloffen würde.
Eine neu erwachende Hoffnung auf die Nachricht von Georg trieb sie zur Thür des Nebenzimmers, an der sie stehen blieb, die Stirn gegen die glatte Farbe des kühlen Holzes gelehnt, mit Anspannung aller Seelenkräfte hinaushorchend ins Haus. Zuerst war Alles ganz still; der kräftige Schritt des Telegraphenboten hätte jetzt zu ihr dringen müssen, wenn er wirklich ins Haus gekommen wäre. Dann aber, während sie trotz der Enttäuschung immer noch stehen blieb, und in das Schweigen der Gänge und Treppen hineinhorchte, meinte sie plötzlich doch wieder ein Geräusch zu hören, das allmälig sich näherte und ein wenig deutlicher wurde. Es klang wie ein vorsichtig schleichender Schritt, der ab und an Halt machte, dann aber wieder vorwärts sich bewegte, und dessen Ziel das schien ihr der Ton zu verrathen — die Thür ihres Zimmers war, diese selbe Thür, hinter der sie stand. , Doctor Jaksch!" fuhr es ihr durch den Sinn, und mit unwillkürlicher Bewegung legte sie die Finger ihrer rechten Hand um den Schlüssel, der sich an der Innenseite der Thür befand. Und zugleich lehnte sie ihren Körper fest gegen das Holz, um das Oeffnen zu hindern, bis sie das Schloß verriegelt hatte, wenn es nöthig wurde. „Ist Jemand da?" fragte sie laut und mit Nachdruck, aber keine Antwort kam, und eine ganze Weile blieb wieder Alles still. Dann erst begann da draußen von Neuem eine leise Bewegung; es klang, als wenn eine Hand über die Thür dahingleite, ein paarmal, als streichele der da draußen Befindliche das Holz, während auch der Ton seines lauten und raschen Athems die dünne Scheidewand durchdrang. Von Schrecken ergriffen, drehte jetzt Fran Henninger den Schlüssel im Schloß; aber


