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tzeit Jahren schon war es sein innigster Wunsch gewesen, seinen Lieblingsneffen und seine LieblingSnichte miteinander zu verheirathen, damit das Geld hübsch in der Familie bliebe, und sich der Name Diefenbach standesgemäß weiter vererbe. Und um den Beiden Gelegenheit zu geben, sich ordentlich kennen zu lernen, hatte er es so zu arrangieren gewußt, daß sie zu gleicher Zeit besuchsweise einige Wochen in seinem Hause zubrachten. Was nützte das nun alles . . . . ?

Wenigstens sollte jetzt zur Strafe ein kleiner Schreck die empörende Seelenruhe des Eigensinns aufrütteln!

Ich bezahle nie wieder Deine Schulden, mein Junge, merke Dir's."

Gleichmüthig legte der Assessor seine Zeitung hin.

Blos weil ich die Cousine nicht heirathen will, Onkelchen? Sieh mal . . . ." ein feines überlegenes Lächeln zitterte um seinen flotten Schnurrbart ....Du kannst doch wirklich nicht verlangen, daß ich mein ganzes Leben und meine goldene Freiheit diesem kleinen Mädel zu Füßen lege, nur weil es mir von meinem vieltheuren Onkel präsentirt worden ist. Aber mir fällt da etwas anderes ein . . . ."

Nun ....?" fragte der Major mit erneuter leiser Hoffnung.

Wenn absolut einer von den Diefenbachs heirathen muß .... heirathe Du, Onkelchen .... sei Du der edle Mensch!"

Laß die faulen Witze, wenn ich bitten darf!" war die gereizte Antwort auf diesen ungeheuerlichen Vorschlag.

Aber Onkel, ich bitte Dich, ich meine das sehr ernst . ." versuchte Willy nunmehr feurig seine Idee zu vertheidigen. Ein Mann wie Du in den besten Jahren Major a. D stramme Haltung .... Cavalier . ... das jüngste Mädel beißt da noch an ... . Kleinigkeit! Onkel, was meinst Du .... ?"

Aber Onkel meinte garnichts. Er rauchte wie ein Schornstein und las anscheinend dazu. Unzeitgemäße Scherze ignorirte er stets. Und während er so in die Zeitung hinein­blickte, wurde sein Gesicht mit einemmale merkwürdig hell. Doch er schwieg weiter.

Der Assessor machte noch einige vergebliche Versuche, das Gespräch in scherzhafter Weise fortzusetzen, dann trat er ans Fenster und sah gelangweilt in den Garten hinunter.

Ah ... da war sie ja, um die man sich beinahe eine Stunde gestritten hatte .... Lotte von Mirstein spazierte mit ihrer Mama vor dem Hause auf und ab.

Noch unter der Einwirkung des vorher Gesprochenen musterte er seine Cousine eingehender als sonst.

Ein ganz niedlich Ding war sie. So wie alle! Das heißt, nein: das blonde Köpfchen mit den klugen Grauaugen konnte man interessant nennen. Dumm benahm sie sich auch nicht im Gegentheil Eine hübsche graziöse Figur mit weichen Katzenbewegungen besaß sie ganz entschieden

Wie gesagt . ... sie war passable .... ihr größter Fehler bestand darin, daß gerade er sie heirathen sollte und mußte.

Ob sie wohl sehr unglücklich sein würde, wenn er in drei Tagen wieder abreiste, ohne ihr Herz und Hand angetragen zu haben? Vielleicht, hoffentlich wußte sie von Onkels Plan gar nichts.

Jetzt .... sie schaute zu ihm empor .... sie bemerkte ihn und wurde glühend roth.

So roth wie man wird, wenn man verliebt ist, dachte er mit mitleidigem Lächeln und trat vom Fenster zurück.

Drei Tage später reiste der Assessor wirklich ab.

In dem amüsanten Leben der Großstadt, das ihn bald wieder umfing, hatte er gar schnell den Onkel sammt seinen Plänen und Wünschen vergessen.

Da erinnerte ihn nach beinahe acht Wochen ein Brief recht wundersam daran.

Komme sofort zu mir," hieß es darin,habe Dir wichtige Mittheilung zu machen."

Aeußerst .neugierig trat Willy umgehend die kleine Reise an.

Was hatte der Alte vor .... ?

Herzlicher denn je vom Onkel empfangen, fragte der Assessor sogleich nach den wichtigen Mittheilungen, die auch nicht lange warten ließen.

Bei einem Glase Wein vertraute sie Onkel Diefenbach seinem Neffen an.

Junge .... Mensch .... ich hab mich nun doch noch entschlossen .... ich werde heirathen!"

Willys Fassung gerielh in Gefahr.

Onkel .... wahrhaftig . ? Du ... . Wen

denn ....?"

Lotten!"

Wie elektrisirt fuhr der Assesfor in die Höhe.

Das junge Ding . . . . ? Na, nimm mir's nicht übel, Onkel . . . ."

Sie thut Dir wohl sehr leid, he? Bist nicht sehr höflich, mein Junge," unterbrach ihn der Onkel gutlaunig spöttelnd und nahm bedächrig einen Schluck Rothen,na, macht nichts. Kannst Dir schon was erlauben, verdanke Dir ja sozusagen mein Spätsommerglück. Und darum sei ohne Sorge, Deinen Wechsel schmälere ich trotz meiner Heirath nicht."

(Schluß folgt.)

Literarisches

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Stint* und seine Pflegt. Von Sanitätsrath Dr. L. Fürst, Speeialarzt für Kinderheilkunde in Berlin. Fünfte, umgearbeitete und bereicherte Auflage. Mit 129 Abbildungen. Preis 4 Mk., in Original- Leinenband 5 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Das weit­verbreitete, als vorzüglich anerkannte Werk des auf dem Gebiete der Kinderheilkunde als Autorität geschätzten Verfassers liegt in neuer (fünfter) Auflage vor, völlig umgearbeitet und dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft entsprechend. Der Verfasser hat darin seine in 33jähriger Praxis gesammelten Erfahrungen über Hygiene und Kranken­pflege des Kindes niedergelegt; er hat es in gewohnter Weise ver­standen, exaete Wissenschaftlichkeit mit leicht faßlicher Darstellungsweise zu verbinden. Das Buch wird wie bisher jeder Familie in Freud und Leid ein zuverlässiger ärztlicher Berather sein und dazu beitragen, so mancher Mutter die Erziehung ihres Kindes zu körperlicher und seelischer Harmonie zu erleichtern.

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»atechiAm«» de* Mustk. Bon I. C. Lobe. SechSund- zwanzigste Auslage. In Original-Leinenband 1 Mk. 50 Pfg. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Das bekannte, populäre BuchKate­chismus der Musik" von I. C. Lobe hat bei den vielfachen Auflagen mehrmalige Verbesserungen erfahren, ohne welche es sich neben den neueren Erscheinungen auf gleichem Gebiet nicht hätte behaupten können. Durch Umstellung mehrerer Kapitel ist jetzt der Lehrstoff logischer ge­ordnet, d. h. er ist in der Reihenfolge dargeboten, wie er gelehrt werden soll. Ein weiterer Vorzug der neuen Auflage besteht in der Verbesse­rung der Ausdrucksweise Lobes, sowie darin, daß die Erklärungen der sogenannten Verzierungen nach heutigen Anschauungen richtig dargestellt sind. Gegen den Schluß hin ist das Buch nicht unbedeutend erweitert worden, namentlich durch eine vollständige Aufzählung der Musik­instrumente, welche in den verschiedenartig zusammengestellten Orchestern verwendet werden, wobei sogar solche Instrumente Erwähnung gefunden haben, die heute nicht mehr im Gebrauch sind. Nach dem Gesagten darf der verjüngtealte Lobe" mit gutem Gewissen allen Interessenten warm empfohlen werden.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.