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die heiseren, auch jetzt nur ihm vernehmlichen Worte:Was ich will, haben Sie gefragt? Sie sollen es sehen!" Und mit einem Sprunge wie ein Panther auf ihn zustürmend, packte Neuert ihn an der Gurgel, griff in sein Gewand, riß es in Fetzeu ihm von den Schultern, um dann wieder seinen Hals zu umklammern in fester, würgender, tödtlicher Um- schlingung. Sinnlos, schäumend vor Wuth, schleuderte er ihm dabei in leisen, zischenden Worten dH seinen Haß, all' seine Eifersucht ins Gesicht.Dich ermorden will ich, Du Hund, dazu bin ich hergekommen. Hier vor ihren Augen, verstehst Du! Die Lumpen Dir vom Leibe reißen, die sie Dir geschenkt hat"

Der Vorsitzende war hinzugesprungen und hatte Neuert an der Schulter gepackt, die anderen Kämpfer drangen von allen Seiten auf ihn ein, ein verworrenes Rufen, wie fernes Brausen, klang aus dem Saale empor. Noch ehe jedoch der wilde, rasende Angreifer von seinem Gegner war hinweg gerissen worden, hatte dieser seine geballte Faust erhoben und ließ sie mit gewaltigem Schlage auf die Schläfe des Tod­feindes, der ihm heute erstanden war, niederfallen. Nun lösten sich die zusammengekrampften, zuckenden Finger des Schlossers, die Augen verloren ihren Ausdruck, und hinten­übertaumelnd sank er schwer zu Boden. Wie ein sieghafter Recke stand Köhler über ihm, die Hand noch erhoben, die blauen Augen im Feuer des Triumphs erglühend.

Als aber der Vorhang, sich langsam senkend, die strahlende Siegergestalt den Blicken entzog, da preßte Martha den Kopf an der Mutter Schuller, und zwischen Lachen und Weinen flüsterte sie:Mutter, Mutter, gefällt er Dir nicht auch ?"

Achtes Capitel.

Am nächsten Mittag reiste Georg ab, ohne die Geliebte noch einmal gesehen und gesprochen zu haben. Sie stand hinter der Gardine in ihrem Erker, als der Wagen vorfuhr, der ihn zum Bahnhof bringen sollte, und wartete vergeblich darauf, daß er zu ihrem Fenster emporblickte. Er sah vor sich nieder und stieg hastig ein, als fürchtete er, seinen Ent­schluß nicht ausführen zu können, wenn er noch einmal in die Augen sah, von denen er wußte, daß sie auf seinem Wege ruhten. Es war ein grauer, aber regenloser Tag, und indem Frau Ina auf die leer gewordene Straße hinunter­blickte, gingen ihr die Worte durch den Sinn:Zum Abschied- nehmen just das rechte Wetter!"

Es war ihr ein schmerzlicher Trost, am Nachmittag den Spaziergang zu wiederholen, den sie am Abend vorher mit Georg gemacht hatte, und sie empfand es beinahe als Freude, daß auch der finstere Himmel, an dem immer schwere Wolken langsam dahintrieben, mit ihr zu trauern schien. Sie kam zeitiger heim, als am vorigen Tage, doch war die Dämmerung unter dem Wolkenschleier bereits ebenso weit vorgeschritten, und Frau Ina konnte die Gegenstände auf Flur und Treppe nicht genau mehr unterscheiden. So schrak sie heftig zusammen, als sie den Corridor zu ihrer Wohnung betreten hatte, und nur das Ohr, nicht das Auge ihr die Anwesenheit eines lebenden Wesens in ihrer Nähe verrieth. Ein klägliches, wimmerndes Stöhnen drang zu ihr Her, das wie das Klagen eines verwundeten oder gepeinigten Thieres klang.

Trotz der Dämmerung schien Frau Henniger muthig auf die Treppe des zweiten Stockes zu, von der ihr die seltsamen, traurigen Laute zu kommen schienen. Und nun erkannte sie, daß es kein Thier war, das diese Klagelaute ausstieß; auf einer der untersten Treppenstufen saß die zusammengekauerte Gestalt eines grauhaarigen, bärtigen Mannes, der die Hände vor das Gesicht geschlagen hatte und ununter­brochen vor sich hin jammerte in unverständlichen, unarticulirten Tönen. Frau Henninger sprach ein paar milde, theilnehmende Worte zu ihm, doch schien er sie nicht zn hören, und erst als sie ihn leise an die Schulter berührte, blickte er ihr in das Gesicht. Jetzt wußte sie, wer es war- sie hatte den Taubstummen und sein Töchterchen, den Schützling der alten Caroline, mehrfach im Hause gesehen und stets ein inniges

Mitleid mit diesem Manne empfunden, dem der Himmel zwei Üöstliche Güter auf einmal versagt hatte. Sein Jammer, dem er keine Worte zu verleihen vermochte, traf ihr Herz, das gerade in diesen Stunden dem Mitgefühl weit geöffnet war, und sie winkte dem Taubstummen, ihr in das Zimmer zu eigen.

Hier machte sie Licht und bat ihn durch Geberden, ihr ein Leid zu vertrauen. Zuerst stieß er auch jetzt wieder eine thierischen, klagenden Laute aus, dann aber griff er, von vertrauter Gewohnheit geleitet, zu der Tafel, die er unter dem Rocke verborgen bei sich trug. Hastig begann er zu schreiben und reichte Frau Henninger dann, mit bebenden Fingern auf das Geschriebene deutend, die Tafel dar. Hannchen krank! Mein Kind krank! Im Fieber, kann terben! Er, der Hund, Jaksch, der Hund, kein Erbarmen! Hat versprochen, will für Hannchen sorgen. Läßt mir das Kind jetzt sterben. Gott möge ihn strafen!"

Gemischte Gefühle regten sich beim Lesen dieser Worte in Frau Inas Brust. Zuerst das Mitleid, zu gutem, hilf­reichem Thun sie mahnend- eine jähe Ueberraschung daneben, die zugleich eine eigene, dunkel gehegte Empfindung zu be­stätigen schien. Sie hatte sich's nicht gestehen wollen, daß ihre instinetive Abneigung gegen Jaksch, zu einem bestimmteren, wenn auch bisher nicht fest geformten Verdacht sich gesteigert hatte, zu dem Verdacht, ihr und dem Geliebten drohe Unheil von diesem Manne. Nun erfuhr sie, daß auch noch ein Anderer übel von ihm dachte, und ihn mit scheinbar ver­dientem Hasse verfolgte, und bei dieser Wahrnehmung bildete sich ihr eigenes Gefühl plötzlich zu einer heftigen, leidenschaft­lichen Empfindung des Zornes und des Mißtrauens aus. Ja, der Gedanke fuhr ihr durch die Seele, ob nicht auch bei der Geistererscheinung, die sie erschreckt hatte, die sie jetzt aber bestimmt für das Werk eines Betrügers hielt, der Doctor seine Hand im Spiel gehabt hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Hochgchängte Frucht.

Novelle von H. Erlin.

i (Nachdruck verboten.)

Er wollte nicht. Da war nichts zu machen. Und somit drohte der schöne Plan, den Onkel Diefenbachs fünfzigjähriges Junggesellenherz ausgeheckt hatte, in Nebel zu zerfließen.

Dieser arrogante Junge von Neffe......

Wenn er wenigstens verrathen möchte, was ihm eigentlich an dem reizenden Mädchen nicht paßte!

Aergerlich paffte der Onkel dicke Rauchwolken vor sich hin, bis er sich soweit beruhigt hatte, um das bereits fallen gelaffene Thema wieder aufnehmen zu können.

Also es ist Dein letztes Wort, Willy, Du>illst meinen Lieblingswunsch nicht erfüllen . . . .?"

Aber Onkel......" Assessor Willy Diefenbach

zuckte ungeduldig die Achseln.....mußt Du mich denn

gerade verheirathen? Mir ist Cousine Lotte wirklich gleich­gültig, wie ich Dir schon so oft bewies."

So! Und warum denn? Du liebstne Andere! Das wirds sein!"

Laut lachend sprang der Neffe auf.

Ja, Onkelcheu, die Andere so wie die Eine und um­gekehrt. Pah .... . ! . Er machte eine geringschätzeude Geste......Du weißt, wie ich über unsere besseren

Hälften denke. Mich reizt kein Spalierobst, nach dem ich blos die Hände auszustrecken brauche, um es zu besitzen."

Na, na, mein Sohn", zweifelte Major Diefenbach da lächelnd,es gießt auch recht hoch hängende Früchte!"

Mag sein! Aber Cousine Lotte gehört gewiß zum Spalierobst."

Gähnend warf sich der Assessor in einen Lehnstuhl und griff nach der Zeitung, während der Onkel, grollend über den abermaligen Mißerfolg seiner Bemühungen, Willy für die kleine Lotte günstig zu stimmen, in Nachdenken versank.