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Das Geprassel der Flamme und der Eifer der Arbeit ließen es ihn überhören, daß die Thür sich öffnete und eine Mädchengestalt zu ihm hereintrat. Sie trug auf einfachem Tablett eine Flasche mit Bier, ein Glas und einen weißen Teller, auf dem eine kräftige Butterschnitte von landesüblichem Schwarzbrot, mit Wurstscheiben gleichmäßig belegt, sich lecker Präsentirte.
Jetzt war sie dicht neben ihn getreten und sagte lachend: „Wollen Sie denn mit Gewalt verhungern, Herr Köhler?"
Ueberrascht hatte er aufgeschaut - einen Augenblick noch loderte die Flamme vor ihm frei und mächtig empor, dann sank sie auf einen Druck am Hahn in sich zusammen und ward zum kleinen, kaum bemerkbaren Licht. In den Augen des jungen Mannes aber zeigte sich ein Glanz von Freude und Laune: „Ja, Fräulein Wernicke," sagte er, „ich bin ganz und gar lebensüberdrüssig."
„Du lieber Gott, warum denn das?"
„Ich habe eine unglückliche Liebe," entgegnete er mit vergnügtem Gesicht.
„Schon wieder?"
„O bitte, es ist immer dieselbe!"
„Das muß ja ein ganz hartherziges Frauenzimmer sein." „Ist sie auch."
„Wissen Sie, da würde ich sie laufen lassen." „Sie läuft aber nicht."
„Nein?"
„Nein, sie bleibt immer da. So oft ich ihr sage: „Nun ist es aber genug, nun scher' dich zum Teufel!" sie geht nicht! Wenn ich von der Arbeit aufgucke, gleich steht sie vor mir und lacht mich an. Wenn ich eine Brosche mache, oder eine Kette, oder einen Ring — beim Ring besonders, da ist sie sofort hier neben meinem Platz und sagt mir leise in's Ohr: „Du, das wäre 'was für mich." Dann sagt sie nämlich auch du zu mir- das thut sie sonst nicht. Früher ja, wie sie noch ein kleines Mädchen war, mit langen Zöpfen, da war es wohl so. Jetzt aber, seit sie confirmirt ist worden —"
„Na ja, da schickt sich's doch nicht anders."
„Ja freilich, Sie sagen ja auch nicht mehr du zu mir und Fritz, wie Sie es früher gethan haben. Ganz so wje meine unglückliche Liebe."
„Ich will Ihnen 'was sagen: Die Frauenzimmmer sind einander alle sehr ähnlich, so viel habe ich jetzt auch schon herans."
„Das meint man nur, solange man keine gern hat. Dann wird das anders."
„Wirklich?"
„Jawohl. Dann denkt man auf einmal, es gäbe in der weiten Welt keine, die so schön und so gut und so nett wäre wie die, — wenn sie es auch vielleicht gar nicht ist.
Und was man von den anderen denkt, das will ich gar nicht sagen."
„Lassen Sie's auch lieber! Ich könnte es ihnen wieder erzählen."
„Darauf würde ich pfeifen. Mir liegt nur daran, was die Eine von mir denkt, und wenn Sie der wiedersagen wollten, was ich von ihr halte, so rhäten Sie ein gutes Werk. Ich habe Sie schon darum biten wollen."
(Fortsetzung folgt.)
Winterliche Gesundheitspflege für ältere Leute.
Von Dr. Hans Fröhlich.
(Schluß.)
Von allgemeinen Speiseregeln seien noch folgende den Bejahrtesten der Menschheit empfohlen: Während des Essens trinke man wenig. Man vermeide sehr heiße und sehr kalte Speisen oder Getränke, namentlich in rascher Aufeinanderfolge. Eine Bauernregel sagt:
Kalt auf Hitz
Macht matt und Schwitz, Warm und warm Hält Kraft im Arm Und auch im Darm.
Man esse recht langsam. Mit vollem Magen gehe man nicht zu Bette, aber auch nicht mit sorgenvollem Kopfe zu Tische. „Zur Essenszeit scheuch Sorg und Leid!"
Wenn je, so sehnt man sich im vorgeschrittenen Lebensalter nach einem ruhigen Obdach, nach einem gemüthlichen Heim. Man findet keine Freude mehr an dem längeren Aufenthalte in Restaurationen und Vergnügungslocalen. Am liebsten weilt man in der trauten Häuslichkeit. Diese bildet für die Alten die behaglichste Zufluchtsstätte vor allen Schädlichkeiten und gesundheitswidrigen Einflüssen des rauhen Winters. Daher soll das Binnenklima der Wohnung nach den Grundsätzen der Hygiene genau geregelt werden. Es darf nicht zu kalt und nicht zu warm sein- im Wohnzimmer betrage es 18 Grad Celsius, int Schlafzimmer 12 Grad. Frieren die Insassen trotzdem, so mögen sie sich lieber wärmer kleiden oder in's Bett legen, als mehr heizen. Stets sorge man für reichliche Zufuhr von frischer Außenluft. Die Alten mögen weder zu dicht am Ofen sitzen, noch zu dicht am Fenster oder wenigstens letzteres nach unten mit dicken Decken verhängen und sich um den Unterkörper eine Decke hüllen. Abends ist es am besten, sie sitzen, geschützt durch einen Lampenschirm, im Halbdunkel und lassen sich etwas vorlesen oder spenden in leicht plauderndem Tone Kindern und Enkeln aus ihrem schier unerschöpflichen Born reicher Lebenserfahrung. Willige und aufmerksame Hingabe der Angehörigen wird au solchen langen Winterabenden ein verklärend Licht auf den Lebensabend der Alten werfen. Dann werden sie sich in ihrer Häuslichkeit auch zufrieden und wohlig fühlen und es wird 'sich an ihnen der Spruch des Altmeisters Goethe bewahrheiten:
Der ist am glücklichsten, er sei Ein König oder ein Geringer, dem In seinem Hause wohl bereitet ist!
Von großer Bedeutung für die Beförderung der Gesundheit ist auch im vorgeschrittenen Lebensalter körperliche Bewegung. Diese stärkt Körper und Geist, befördert den Kreislauf der Säfte, das Athmen und namentlich den Schlaf. Für die Alten gilt das Wort der früheren Aerzte: „Dein erster Gedanke beim Frühaufstehen sei Spazierengehen." Natürlich ist bei der winterlichen Witterung Vorsicht nöth'g. Man athme draußen nicht durch den Mund, sondern stets durch die Nase, damit die Lüft erst erwärmt wird, bevor sie in die Lungen kommt. Aber man halte sich nicht Tücher zum


