Samstag den 16. Januar

1897«

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jM/ie Bildung macht nicht glücklich aber die Ein - bildung. &

Wer Kinder läßt vom Gesinde erziehen,

Nachdem sie entwachsen der Windel, Der murre nicht, ist ihm emporgedieh'n In ihnen ein rechtes Gesindel. G. W.

Ein Verliebter will liebenswürdiger sein als er kann, und darum sind fast alle Verliebten lächerlich. M. F.

Das Haus der Schatten.

Roman von Robert Kvhlrausch-

(Fortsetzung.)

Das gelbe, von oben herabsallende Licht jedoch verlieh ihr eine blasse Todtcnfarbe, so daß der erschreckte Beschauer keinen Stein, sondern das erbleichende Antlitz eines sterbenden Menschen zu erblicken meinte. Eine Draperie von schwarzem Sammt war um die Schultern der Büste gelegt, und dieser Gegensatz von Stoff und Stein erhöhte noch den Eindruck des Grausenhaften, den der plötzliche Anblick hervorrief.

Kalt überlief es den Assessor, indem er den nie gesehenen Raum und seinen traurigen Inhalt betrachtete. Es war ihm, als greife von dort eine eisige.Todtenhand in das warme Glück seiner Liebe hinein, als wehe ihm Grabeshauch ent­gegen und vernichtete die Blüthen auf, seinem Wege. Seme Lippen vermochten nicht zu reden, ein Zittern erschütterte seine Glieder, und unverwandt blickte er auf das steinerne Bildniß. Jetzt aber unterbrach eine gedämpfte, ruhige Stimme wieder das Schweigen.Es ist d;e Büste des Regierungs­raths Henninger, eine gute Arbeit von Professor Küsthardt. Ich habe den Verstorbenen nicht gekannt, aber man sagt, sie sei ähnlich. Ursprünglich sollte sie aus dem Kirchhof aufge­stellt werden, aber Frau Henninger wollte sich nicht davon trennen. Sie nahm sie hierher in diesen Erinnerungsraum als Zeichen einer Treue, die über das Grab hinausreicht.

Sie wandte sich nicht um, die Wirkung ihrer Worte zu erforschen: die Büste betrachtend, sprach sie gleichmäßig weiter, ohne einen Blick auf das Gesicht ihres Zuhör'ers zu werfen, das sich mW und mehr entfärbte unter dem Einfluß lhrer grausamen Rede. . . r. .,

Sie hat ihm diese Treue geschworen und wrrd sie ,hm

halten, wie ich sie kenne. Sterbend hat er den Eid von ihr gefordert, und sie hat ihn geleistet."

Geschworen? Einen Eid? Was reden Sie, was be­deutet das?"

Jetzt wandte sie sich zu ihm, und em matter Ausdruck des Staunens erschien auf ihrem Gesicht.Ich dachte, Sie wüßten das Alles von ihr.selbst. Sie hat ja doch sonst so großes Vertrauen zu Ihnen. Ich müßte mich also der Jn- discretion anklagen, aber die ganze Stadt weiß von diesem Eide: die Einen tadeln sie darum, die Anderen beklagen sie, aber Alle wissen, daß sie ihrem Manne auf seinem Sterbe­lager Treue geschworen hat über das Grab hinaus bis in alle Ewigkeit, und daß der Sterbende verheißen hat, als Geist wieder vor ihr zu erscheinen, wenn sie den Eid brechen sollte."

Auch jetzt erhob sich ihre Stimme nicht zu größerer Kraft- der Ton ihrer Worte erinnerte an das gleichmäßige Nieder­fallen großer und schwerer Regentropfen, die eine melancholische Musik machen." .

Das ist nicht wahr!" schrie der Assessor auf.Das kann nicht wahr sein, oder sie hätte^s mir gesagt!"

Es wird das beste fern, Sie fragen sie selbst. Da ist

Frau Henninger war ins Zimmer getreten, lächelnd, mit einem Scherzwort auf den Lippen. Ein einziger Blick aber zeigte ihr den enthüllten Erinnerungsraum mit der Büste des Todten, zeigte ihr die lnchenhafte Blässe auf dem Gesichte des lebenden Mannes, den sie liebte.

Rasch trat er ihr entgegen, nach Worten suchend. Aber wie er ihr in die Augen sah, die groß und fragend und doch mit dem Ausdruck eines mächtigen Vertrauens auf ihr gerichtet waren, da vermochte er nicht auszusprechen, was er gemeint hatte, ihr sagen zu müssen.

Nicht heute," stammelte er.Fragen Sie mich nicht! Ein ander Mal, - später, nicht heute!"

Ohne Abschiedsgruß verließ er das Zimmer. Mit einem langen, schmerzlichen Blicke schaute Frau Henninger ihm nach. Dann trat sie auf die Gesellschafterin zu und fragte-Was haben Sie ihm gesagt?"

Nur von dem Eide habe ich ihm erzählt, den Lre dem Verstorbenen geleistet haben. Ich meinte nicht, ihm etwas Neues damit zu sagen."

Es war kein Eid, Sie wissen das gut genug!"- Sre hatte es heftig hervorgestoßen, gleich aber gewann sie die Selbstbeherrschung wieder und fügte ruhig hinzu:Doch es ist nun einmal geschehen, und nichts mehr zu ändern. Gehen