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schast zu halten, noch heute Abend mit nach Blackport abzureisen."

Ein Kampf mit den Verwandten war unvermeidlich, allein Dick war entschlossen, denselben männlich für die Waise durchznkämpfen.

Was zwischen dem jungen Arzt und den Steeles ver­handelt wurde, erfuhr Polly nie- sie erhielt nur den Auf­trag, ihre Sachen zu packen; sie eilte nach ihrer Dachkammer und begann, ihre wenigen irdischen Besitzthümer in ein Köfferchen zu legen, das man ihr zur Verfügung gestellt. Sie war im Begriff, die enge Straße, die lärmende Kinder­schaar und die endlose, unbezahlte Sclavenarbeit hinter sich zu lassen- doch ach! nicht das Weh ihres Herzens nicht die ewige Sehnsucht, und Verzweiflung, von der sie schon so lange gefoltert war. Diesen Gefühlen konnte sie nicht entrinnen; sie sank vor ihrem Bette auf die Kniee und schluchzte, als ob ihr das Herz brechen wollte.

19. Capitel.

Sir Gervase.

Sie hatte ihn einen Dummkopf genannt, ihn iusultirt, für einen Kramer von Blackport gehalten und draußen im Platzregen stehen lassen, während ec ihr Pferd hielt. Und es war der Baronet ihr englischer Freier!

Kein Wunder, daß ihr sein Gesicht so bekannt borge- kommen war- besaß ihr Großvater doch mindestens ein halbes Dutzend Photographien von ihm. Sie war stumm vor Aerger und Verdruß über sich selbst. Zum Glück ver- rieth er durch keine Miene, daß er ihre Bekanntschaft bereits gemacht hatte, sondern begrüßte sie wie eine völlig Fremde. Willkommen im Aankeeiand und in unserer Eremitage!" stammelte sie endlich mit tiefem Erröthen.

Ich danke Ihnen- ich habe mich schon lange auf das Vergnügen dieses Augenblicks gefreut. Endlich wird mir das Glück zu Theil, meine schöne Cousine, von der ich schon so viel gehört habe, zu erblicken."

Wie steif und förmlich!" dachte Eihel bei sich selbst, wenn er mir nur nicht zu langweilig ist."

Sir Gervase ist nicht zu Fremden, sondern zu Ver­wandten gekommen," sagte Godfrey Grehlvck-wir müssen ihm zeigen, daß die Gastfreundschaft der neuen Welt durch die der alten nicht übertroffen werden kann: wir leben nicht ganz und gar wie Eremiten hier."

Der junge Aristokrat warf lächelnd ein, daß man sich eine solche Einsiedelei wohl gefallen lassen könnte.

Sobald sich eine Gelegenheit dazu bot, begann Ethel den Engländer mit kritischer Aufmerksamkeit zu betrachten. Er erschien ihr ganz und gar wie gewöhnliche Sterbliche- zicmlich hübsch von Person, war er in seinen Manieren einfach und durchaus nicht affectirt- er sprach wenig, seine Augen aber verriethen eine scharfe Beobachtungsgabe. Dies ist nicht der Mann," dachte sie,dem man mit einer Falschheit im Herzen oder einer Lüge auf den Lippen entgegen­treten möchte."

Verschiedene Gäste aus den Hotels und Villen von Blackport speisten au diesem Tage in Godfrey Greylocks Hause. Auch Doctor Vandine befand sich unter den Eingeladenen. Er hatte noch keine Ahnung von der Ankunft des Baronets, bis er den Salon betrat und von Miß Pamela den Güsten vorgestellt wurde.

Der joviale ^utmüthige Dockor wurde plötzlich steif und kalt wie ein Stein- das Wesen und Benehmen des Baronets flößte ihm bald wieder Beruhigung ein. Seinem Aussehen nach hätte dieser Pair leicht für einen Ladenbesitzer von Blackport oder für irgend einen anderen anspruchslosen amerikanischen Gentleman gehalten werden können.

Nun, darf ich gratuliren?" flüsterte Vandine mit be­trübter Miene Ethel zu.

Es ist durchaus keine Eile nothwendia," antwortete sie trocken.

Bei Tische erhielt Doctor Dick zu seiner unaussprech- lichen Freude seinen Platz neben der schönen Erbin angewiesen

Die Laune des Augenblicks gab dem Mädchen ein ihren Tischnachbar mit außerordentlicher Artigkeit zu be­handeln. Nie war sie ihm so freundlich, so anmuthig er­schienen. Ihr träumerisches Lächeln, das ihren Haaren ent« strömte Parfüm, die graziösen Bewegungen ihres Halses und ihrer mit Juwelen bedeckten Finger bezauberten und verwirrten ihn vollständig. Sie war sich des Unheils, das sie stiftete, entweder nicht bewußt oder innerlich zu sehr er­regt, um darauf zu achten.

Godfrey Greylock blickte unwirrsch drein, Miß Pamela warf ihrer Nichte besorgte Blicke zu- Sir Gervase aber der sich mit seinem Wirthe ruhig über englische Politik unterhielt, widmete seiner schönen republikanischen Cousine wenig Beachtung- augenscheinlich war es ihm völlig gleich­gültig, an wen sie ihre Artigkeiten verschwendete.

Bah!" dachte Ethel, indem sie ihn verstohlen beob­achtete-er hat einen guten Appetit, aber kein Gefühl- er ist wie alle Anderen seiner Familie langsam, schwer­fällig, conventionell. Er ist nach Amerika gekommen, um Geld zu heirathen, um den sinkenden Wohlstand der englischen Greylocks mit dem Reichlhum des amerikanischen Zweiges der Familie wieder aufznbauen- es ist eine Convcnienz-Ehe, was er sucht nichts weiter - sein Herz wird nie um eines Weibes willen brechen."

Auf der anderen Seite des jungen Doctors saß ein invalider Richter aus einem der Hotels, der ihn mit end­losen Fragen über alle möglichen und unmöglichen Krank­heiten und Krankheits-Symptome belästigte.

Vandine, der sich lieber mit seiner Nachbarin unterhielt, sagte endlich ungeduldig:Mein werther Herr, Sie gefährden nur Ihre Verdauung, wenn Sie bei Tisch von solchen Dingen reden. Sie verweilen zu viel bei Ihren Beschwerden, denken Sie nicht so viel an dieselben- manche Krankheit verdankt Ihren Ursprung einzig und allein der Einbildung." Dann wandte er sich zu Erhel und flüsterte ihr leise zu: Dieser Mann ist mit fixen Ideen vollgepfropft! Der Himmel helfe ihm und Allen seinesgleichen!"

Ethels Gesicht nahm schließlich einen ernsten Ausdruck an.

Ideen?!" erwiderte sie mit leiser Stimme- ich kann dieses Wort nie vernehmen, ohne mich eines ernsten Anfalls dieser Art zu erinnern, mit dem ich selbst behaftet war- ich litt selbst einst, obwohl in ganz verschiedener Weise, an diesem wesenlosen Nebel."

Sie?" rief Vandine.

Ja," antwortete sie lächelnd-doch dürfen Sie nicht etwa glauben, daß ich mit Hypochondrie behaftet war. Meine Schwäche war ganz eigenthümlicher Art. Als ich noch ein kleines Kind war, sagt Mama, hatte ich eine Krank­heit und war lange Zeit von Fieberphantasien heimgesucht. Die Bilder, die sich während jener Periode meines armen Kopfes bemächtigten, die Gesichter, die ich in meinem Delirium erblickte, quälten mich später noch Jahre lang, wie Er­innerungen an wirkliche Dinge."

Seltsam!"

Nicht wahr? Als Arzt tvissen Sie sich die Sache vielleicht zu erklären. Da war besonders eine Gestalt, die mich wie ein häßl'ches Gespenst der Nacht meine ganze Kindheit hindurch verfolgte. Es war eine in Lumpen ge­kleidete alte Hexe mit drohend geschwungenem Krückstock, eine unheimliche Creatur, deren graues Haar in wirren Strähnen um ihr Gesicht hing, und deren Auge in boshafter Wuth funkelte- sie schien mich beständig zu verfolgen."

Es ist klar, daß Sie nicht völlig von Ihrer Krankheit genesen waren," entgegnete Doctor Dick-Ihre Phantasien entsprangen einem krankhaften Zustande des Gehirns!"

Wahrscheinlich- doch erschien mir Alles so wirklich, so ganz wie Dinge, die ich einst gesehen und gekannt hatte! fuhr Ethel träumerisch fort.Da war ein zerbrochener Stuhl und ein kahles, schmutziges Zimmer, in welchem ich