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Das Kind der Tänzerin.

Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.

(Fortsetzung.)

Polly schwieg lange; vielleicht war cs die Hoffnungs­losigkeit Dicks, was ihr den Mund verschloß. Endlich sagte sie mit leiser, aber fester Stimme:Wer die Dame auch sein mag, Doctor, Sie sind ihr ebenbürtig. Und wer ihr Freier auch sein mag, sie kann, sic tvird nicht grausam gegen Sie fein!"

Diese Worte klingen sehr schmeichelhaft, Polly," er­widerte Dick lächelnd;aber Du hast eine viel zu hohe Meinung von mir. Ich bin vollkommen überzeugt, daß sie sehr grausam gegen mich sein wird, wenn ich Narr genug bin, ihr Gelegenheit dazu zu geben; kommt es aber dazu, so wüßte ich nicht, wie ich das Leben ertragen sollte."

Oh!" rief Polly,oh, wie leid thun Sie mir."

Du gutes, braves Kind!" versetzte Dick, gerührt von ihrem Tone.Komm nun, ich will Dich nicht weiter mit meinen Sorgen quälen; laß uns nun von Dir selbst reden. Beim Himmel! Du wirst immer schwächer und hagerer! Polly, dieses Leben ist zu hart für Dich. Kommt Dir der Aufenthalt in des Doctors Hanse nicht sehr eintönig vor?"

Allerdings," erwiderte sie zögernd.

Sage mir doch, hat man noch nie von Lohn mit Dir gesprochen?"

Nein," stammelte Polly.

Er vergaß einen Augenblick sein eigenes Weh über die Entrüstung, die fist seiner bemächtigte.Das geht denn doch über Alles! Nenn Jahre lang bist Du die Sclavin dlefer Familie gewesen und hast nichts dafür erhalten als

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as Leben gleicht einem Buche; Thoren durchblättern es flüchtig, aber Kluge lesen es mit Bedacht, weil sie wissen, daß sie es nur einmal lesen können.

Weit hieltst Du Thüren und Fenster offen, Das große Glück ist nicht eingetroffen;

Verzag' deshalb nicht und hoffe noch. Vielleicht kommt es durch's Schlüsselloch.

Alb. Roderich.

Dein kärgliches Brod und Tante Emilies abgelegte Kleider! Diese Menschen haben nicht den geringsten Begriff von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Polly! Es ist Zeit, daß wir Deiner Sclaverei ein Ende machen; Du bedarfst einer Veränderung und Du sollst sie haben!"

Polly sah wehmüthig und flehend zu Dick auf, daß sein Herz bei dem Anblick der verlassenen Waise weich wurde. Dies ist die einzige Heimath, die ich je hatte," antwortete sie;was würde aus mir werden, wenn ich dieselbe verließe?"

Dick Vandines Gesicht nahm einen ernsten Ausdruck au. Polly, ich kann Dir etwas bieten," sagte er;es ist aller­dings nicht viel, doch ist es weit besser, als die endlose, unbezahlte Sclavenarbeit in diesem Hause. Hier würoest Du eine Leiche sein, ehe Du Dein zwanzigstes Jahr erreichtest. Was denkst Du davon, diese Stadt gegen einen Landort wie wie Blackport zu vertauschen?"

Blackport?" keuchte sie,der Ort, wo Sie wohnen?"

Ja," antwortete er mit gutmüthigem Lachen.Du wirst dort Sonnenschein in Hülle in Fülle, sowie auch ge­sunde Seeluft finden, gerade die Dinge, deren Du am meisten bedarfst. Ich logire in einem altmodischen Gasthpf, der von einer sonderbaren, aber höchst achtungswerthen Frau gehalten wird. Vor zwei ober drei Tagen hörte ich zufällig Miß Poole sagen, daß sie eines Mädchens bedürfe, um den Gästen anszuwarten, ihr beim Nähen behülflich zu sein und dergleichen. Wie ich bemerkte, ist die Stelle keine glänzende, jedenfalls aber weit besser als die jetzige. Wenn cs Dir recht ist, so kannst Du mich noch heute Abend nach der Herberge begleiten; ich selbst bringe Dich dahin, mein armes Kind. Mercy Poole wird Dich gut behandeln und Dir Deinen redlich verdienten Lohn zahlen. Die Arbeit kamt nicht hart sein, denn der Gasthof ist nie überfüllt."

Wenn Dick dem Mädchen die glänzendste, luxuriöseste Stellung angeboten hätte, so hätte ihre Ueberraschung, ihr Staunen ntcht größer sein können. Mit ihm zu gehen, unter einem Dache mit ihm zu wohnen, ihn täglich sehen zu dürfen, Lohn zu erhalten und sich eine kleine Summe zu ersparen, damit sie eines Tages die Mittel hätte, die un­vergessene und noch tieftrauenbe Nan aufzusuchen ihr Glück war zu groß. Thränen liefen über ihre Wangen nieder. Es ist mehr, als ich zu glauben vermag," flüsterte sie; ich fürchte, die Steeles werden mich nicht gehen lassen."

Meinst Du?" erwiderte Doctor Vandine lachend; überlaß das mir, Polly! Alles, was Dtt zu thun hast, ist, Deine Siebensachen zusammenzupacken und Dich in Bereit-