Ausgabe 
15.5.1897
 
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Wie er zurückeilte in

Wittwenhaus in Neuhof leer steht!"

Am folgenden Morgen fand man die Baronin todt in ihrem Bette. Ein Gehirnschlag glaubte man anfänglich, doch bald entdeckte man neben ihr eine leere Morphiumpulver­schachtel und einen Brief, den man dem ahnungslosen Doctor Borrmann auf den Frühstückstisch legte. Sie schrieb:

Du Lieber, Bester, der Du Alles entschuldigst, weil Du Alles verstehst, Du wirst auch Deiner Therese ver­zeihen, wenn sie eine Last abwirft, die für ihre Schultern zu schwer geworben; diese Last war das Leben!

In der Wüste, die ich mit brennenden Füßen und wunder Seele durchwandern mußte, glaubte ich plötzlich ein grünes Raseneiland voll rieselnder Quellen und blühender Bäume zu erblicken; es war ein Trugbild, wie es ost den verschmachtenden Wanderer narrt. Eine Fata Morgana, die schon Manchen in den Tod gelockt.

Die Fenster in Neuhos zeigen alle dieselbe Richtung, jene Richtung, wo er mit seinem jungen Weibe wohnt. Würdest Du wünschen, daß ich meine Selbstqual verlängerte, indem ich täglich mit brechendem Herzen mir so ein Glück ausmalte? Schufterle liegt winselnd zu meinen Füßen. Es ist, als ob er ahne, wohin ich gehe. Willst Du Für­bitte für ihn einlegen, bei Tante Minchen? Bis zum letzten Augenblick hielt er ja bei mir aus. Vergiß mich. Mein nutzloses, freudenleeres Dasein sei auch in Deiner Erinnerung ausgelöscht. Liebe und Glück war mir versagt, nun schmachte ich nach Vergessen, und dieses liegt in meiner Macht mir zu geben."

unter ihren Fenstern erzählten sich flüsternd, wie reich be I frSnst bei Bürgermeisters Hau», wie lang die AtlaSschleppe der Braut gewesen. Hatte er wohl aus voller, freier Brust I feinJa" gesprochen, nicht der falschen Liebesschwüre ge- I dacht, die noch vor Kurzem einer Anderen gegolten? Nein, I nein, keine Wolke trübte ihm diese selige Stunde. Die Glücklichen, sie schritten ja sorglos auf Rosen dahin, mit denen man ihnen den Weg gestreut, während sie selbst einsam I und verlassen im heißen Wüstensand verschmachten mußte.

Schlürfende Schritte wurden draußen laut, söüchtern klopfte es an die Thür. Die alten Nachbarn, die sich warm­herzig der verwaisten Familie angenommen, war gekommen, I bie gnäbige Frau um etwas Altes, am Liebsten wohl I Linnenzeug zu bitten. Beim August sei bie Noth gar groß. Die Kinber hätten kaum ihre Blöße zu bebecken, für bte Leiche finbe man nichts zum Anziehen, auch kein Groschen Gelb sei im Hause. ,

Schweigenb räumte Therese irgenb em Schubfach aus. Bei ähnlichen Anlässen hatte sie schon früher immer gegeben, ohne nachzusehen, was es war. Unb nun liefen bte bar- I fitfjigen Kinber in ben wunb-rlich gemusterten Camisols ber alten Baronin umher, trugen bie Weiber ihre spitzenbesetzten, vergilbten Nachthauben. Eine traurige, spukhafte Maskerabe am hellen Tage. o .. . .

Unb so spukhaft war auch bas Leben, bas fte seit I Monaten hier geführt. Wie Moberbuft schlug es ihr überall entgegen, wehte sie es an, aus ben Truhen, Schränken, aus ben alten Anbachtsbüchern, bie noch immer aus bem wackeligen Tischchen am Kopfende ihre Bettes lagen.

Hatte die alte Frau Trost und Erbauung für ihre ein­samen Stunden sich dort geholt? Sollte man es versuchen gleich ihr? Doch nein, jene hatte ein langes, reiches Leben hinter, ein beschauliches Alter vor sich. Mit den alten, abgegriffenen Büchern in den zitternden Händen dankte sie wohl dem lieben Gott für genossenes Glück, betete um neues | für Kinder und Enkel.

Wofür sollte sie danken, um was bitten?

Düster faltete sich ihre Stirn, und nun trat zwischen den Augen dieser unheilvolle Zug, der Walter an jenem sonnigen Frühlingsmorgen so bestürzt gemacht, mit erschreckender | Deutlichkeit hervor.Viele Thränen, früher Tod," sagte man in den Spinnstuben.

Draußen spannte sich ein wolkenumhangener Herbst­himmel trübe aus, welke Blätter fielen von den verkümmerten Ahornbäumen, die ihre Fenster verdunkelten, und wurden von den spielenden, halbnackten Kindern in den Staub des Hofes getreten. Und so unthätig sollte sie weiterleben, mit ihrem unruhigen Herzen, mit den bittersüßen Erinnerungen, die sich nicht bannen ließen, vielleicht noch ein ganzes, langes Menschenleben hindurch das eintönige Dasein einer müden Greisin führen. Mußte sie das? Brauchte man sie auf ber Welt? War sie zu irgend eines Menschen Glückseligkeit nothwendig?

Sie schüttelte den Kopf, fieberhaft erregt begann sie hin und her zu gehen, doch das Zimmer war so klein, bald setzten die engen Wände ihrer Wanderung ein Ziel.

Nun stand sie wieder am Fenster. Hielt vor dem Gesindehaus nicht ein Wagen? Soldiner Pferde, Soldiner Livräen. Unb der junge, blonde Mann, der hinaussprang und in das Haus ging? Für die Leute war er der Doctor, ber gekommen, als Gutsarzt ben Tobtenschein auszustellen, für sie selbst bas Verhängniß, bas in ihr Leden getreten.

Ihre Kniee wankten, vor ben Augen bunkelte es ihr, aber mit kalten, bebenden Händen hielt sie sich am Fenster­brett fest. Noch einmal mußte sie ihn sehen. Die Zeit schien ihm knapp. Nach wenigen Minuten wieder trat er schon heraus.

Würde sein Blick ihr Fenster streifen, er sich jener Stunde erinnern, wo er hier neben ihr gestanden, zum ersten Mal ihr tief in die Augen geschaut?

Entstehung und Verhütung der Blutvergiftung.

Bon Dr. Otto Gotthilf.

(Nachdruck verboten.)

Eine Vergiftung des menschlichen Organismus kann aus verschiedene Art und Weise zu Stande kommen. Man kann an Vergiftung zu Grunde gehen durch Einathmung von schad- lichen Gasen, wie Kohlenoxydgas, ferner durch Einnehmen von flüssigen und festen giftigen Substanzen z. B. CyankaU, ober durch Einführung von Gift unter die Haut, tote es bettn Schlangenbiß geschieht. Merkwürdiger Weise wirken viele Gifte nur dann, wenn sie in den Magen kommen, wahrend sie ganz unschädlich sind, sobald sie durch eine Wunde tn bte Blutbahn eintreten; andere wieder verhalten sich umgekehrt. Das Schlangengift, welches von jeder Wunde aus so intensiv wirkt, kann doch ohne alle Übeln Folgen verschluckt werden, unb das sonst so giftige Ammoniak wird, in das Blut em« geführt, durch die chemischen Substanzen desselben m un­giftigen Harnstoff verwandelt. Unser Organismus ist eoen ein unaufhörlich thätiges chemisches Moratorium, das amy viele Gifte unversehends in Arbeit nimmt und tn unfdjaWK?' Stoffe umgestaltet. Natürlich wird auch hierbei unser Körpe um so zuverlässiger seine Schuldigkeit thmi, je besser s chemischen Bestandtheile, seine Säfte beschaffe» fmb. auch bei den unglücklichen Zufällen einer Vergiftung mutz w wieder eine von früh auf durchgesührte Befolgung der nellen Gesundheispflege aufs schönste belohnt machen.

Alle diese Arten von Vergiftung Pflegt man aoer Bolksmunde nicht all Blutvergiftung zu bezeichnen,

Therese stand wieder aufrecht.

sein neues, blankes Heim," murmelte sie mit blassen Lippen, wo Diejenige ihn erwartet, ber er ein Recht gegeben, ihm nahe zu sein für immer. So lange ich glaubte, daß sein Herz wirklich einmal für mich geschlagen, versuchte ich weiter zu leben. Doch heute, heute, wie sich bie Gedanken mir verwirren! Was liegt ihm, ber ganzen Welt baran, ob bas

Run sprach er mit dem armen August flüchtig, einige geschäftlichen Worte schienen el nur zu fein, bann winkte er dem Kutscher, und fort ging eS.

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