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mir
vor mit
viel sich
Sie seufzte. Gewiß war sie ihm mit ihren Talenten, denen zu Liebe sie lhre Pflichten vernachlässigte, ebenso zu-
Wieder mußte Regine den Vergleich zwischen ihm und Felix ziehen, wie ihr Gatte bei der Gegenüberstellung mit dem Jdealmenschen Lossen stets verlor, so diente nun Alles, was der wirkliche, seiner erdichteten Herrlichkeit entkleidete Lothar sprach, nur dazu, Regine über die guten Eigenschaften ihre-, Mannes aufzuklären, für welche sie bis dahin blind gewesen. Nun sah sie ihn, wie er war: unermüdlich thätig m seinem Berufe, den er mit ganzer Seele liebte, klaglos die kleinen Mühen, muthig und gefaßt die größeren Schicksals- schläge ertragen. Sie fing an zu begreifen, daß es etwas Heiliges ist um die Arbeit- daß diese allein dem Leben sittlichen Werth verleiht und nicht ein vielseitiges Dilettiren in Kunst und Wissenschaft.
Felix redete, wie er lebte, sprach nicht heute Ueber- zeugungen aus, von denen er morgen keine Ahnung mehr hatte. Wie hohl und albern erschienen ihr Lossens tönende Worte, die mit seinem Wesen in so grellem Widerspruche standen!
Regine fühlte sich ganz klein neben ihrer schlichten eTneS ba8 irt ihrer Einsamkeit
üon so hoher Bedeutung erschienen, schrumpfte neben diesem einfachen Menschenkinde tüchtig zusammen P
„Me schön Du doch stickst, Lottchen," sagte Regine bewundernd und blickte auf die zierlichen Finger, die behende bunte Leidenfäden durch die Leinwand zogen. Auf dem Tische vor ihr lag ein Strauß fein schattirter Stiefmütterchen
Zu Hause fand sie einen Brief von Felix vor. „Eine frohe Botschaft habe ich Dir heute zu melden, Reginchen," I schrieb er, „es ist mir mit Mutters Hülfe gelungen, Dir bwe vorzügliche Wirth sch afterin zu engagiren, nämlich
Christinchens älteste Nichte. Sie war bis jetzt in Ditten beschäftigt und bringt die vortrefflichsten Zeugnissen mit; sie I schämt überhaupt das getreue Ebenbild ihrer Tante zu sein."
Diese Meldung wirkte auf Regine wie eine Enttäuschung. I Wieder, wie schon bei der Beaufsichtigung ihrer Kinder, schien sie mit ihrem guten Willen zu spät zu kommen.
I „Es ist recht einsam hier, ich sehne mich nach Dir und den Kindern," hieß es weiter. Wie nüchtern das doch klang!
I selbst empfand jetzt ein quälendes Verlangen, wieder mit Felix vereint zu sein. Sollte sie auch mit ihrer heiß erwachten Liebe zu spät kommen, sollte sie die seine ganz verscherzt haben? Das wolle Gott nicht!
//Ich sehne mich nach Dir," wenn Felix das schrieb, dann meinte er es auch wirklich; damit tröstete sie sich. I seinen seiner Briefe hatte sie so oft, mit so wechselnden Ge- flchlen gelesen, schwankend zwischen Furcht und Hoffnung. „Es ist recht einsam hier; der Arme! Aber bald würde er ja erlöst sein! die Zeit rückte heran, in der er nach Heidelberg aufbrechen wollte. Seltsam, daß er nichts Näheres über seine Reise schrieb!
Die Tage schwanden, Reginens Aufenthalt in Sylt neigte sich dem Ende zu. Wieder, wie sie so gerne zu thun pflegte, schaute sie von einer einsamen Stelle des Strandes dem Sonnenuntergänge zu, dessen Anblick sie jedes Mal tief bewegte. Doch, wie der rothe Feuerball eben ins Wasser
Bestrebungen, die ihn nicht hinderten, dieselben leichtsinnigen Streiche zu begehen, wie der beschränkteste Tölpel. Sie wollte am liebsten garnicht mehr an Lossen denken!
Aber diese schmerzlichen Tage der Ernüchterung hatten sie mehr gelehrt, als Jahre. Nicht nur über ihren Gatten, auch über sich selbst hatten sie ihr die Augen geöffnet.
Regme suchte entschlossen nach Ablenkung. Hier, wo sie im Verhältniß zur häuslichen Abgeschlossenheit gesellig lebte, konnte es ihr nicht schwer fallen, solche zu finden. Sie fing an, ihre Umgebung, der sie bisher wenig Beachtung geichenkft genauer zu studicen. Da war zuerst ihre gute, kleine Freundin und Cousine, Lottchen Rechow. Warum hatte sie sich nur zu Hause gegen diese allerliebste Frau mit ihrer herzerfrischenden Fröhlichkeit so ablehnend verhalten? ^zetzt lauschte sie ihrem Geplauder mit Vergnügen. „Mein R-chard will es so," „Richard denkt das auch," „mein Mann kann so etwas nicht leiden," das waren Sätze, die sich wie em rother Faden durch alle ihre Reden zogen. Ihr Gatte war die Hauptperson in ihrem Leben; sie hatte sich keine die Glückliche! ^"^ässigung ihrer Pflichten zu machen,
und nach diesem Vorbilde erblühten unter ihren geschickten Händen die nämlichen Blumen auf ihrer Decke. „Das ist ja wunderbar naturgetreu! Ich ahnte nicht, daß Du ein solches Talent für Kunststickerei hast!"
//Zn Hause kommt dasselbe auch selten zur Geltung" sagte Lottchen lächelnd, „dort scheu ich es ordentlich, mich in diese Lieblingsbeschäftigung zu versenken, weil ich darüber gar zu leicht Wichtigeres vergesse. Erst kommt die Arbeit dann das Vergnügen, das heißt für mich: das Stjcken, und für Letzteres bleibt dann selten Zeit übrig!"
Das früher so übersehene Lottchen war also schon lange zu dieser weisen Einsicht gelangt, die Regine erst jetzt nach ,o bitteren Kämpfen erlangt hatte!
„Lottchen," sagte sie ganz demüthig bittend/ „würdest Du mir wohl einen großen Gefallen erweisen?"
„Aber gewiß, herzlich gerne," versetzte diese freundlich.
„Ich möchte gerne von Dir wirthschaften lernen; ich bin
Herzens, beschäftigte Regmens Gedanken auch beim Heimwege. I Die kleine LZMWW'M:
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nicht fehlen. 9 8 ■ortan °"ch. al§ unpassend und höchst überflüssig verboten hatte.
— - - 1 uregme aber machte die Erfahrung, daß kein Mensch, so un
sympathisch und abgeschmackt er uns auch erscheinen mag, ÄLÄi I ly "* - *” **• E" ** -


