Ausgabe 
14.1.1897
 
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Das Haus der Schatten.

Roman von Robert Kohlrausch.

(Fortsetzung.)

Er war so erschüttert, dgß er sie nicht zu küssen wagte- leise nur strich er mit der Hand über ihre Hand. Jetzt aber umklammerte sie ihn mit ausbrechender Leidenschaft.Nun bist Du mein, und ich bin Dein! Das Glück ist gekommen, und ich will es halten. Mit meinem Leben will ich es ver- theidigen, wenn sie es mir rauben wollen. Niemals, hörst Du, niemals darf etwas zwischen uns treten! Niemals darfst Du an mir zweifeln oder mich verlassen, wenn ich nicht sterben soll! Ich halte Dich, ich klammere mich an Dich an"

Es war wie eine Wiederholung des Tannhäuser-Bildes an der Wand, als sie die Arme in angstvoller Umschlingung immer fester um seinen Nacken legte. Plötzlich 'aber horchte sie auf, die Hände lösten sich, mit bleich gewordenem Antlitz machte sie sich von ihm los.

Hörst Du nichts? Dies seltsame Geräusch?" Es war derselbe Ton, der am selben Abend die kleine Versamm­lung in der Küche des hinteren Flügels erschreckt hatte. Hierher in die vorderen Räume aber drang er nur matter, gedämpft, und der Assessor, überwältigt von dem Anblick der geliebten Frau, vernahm nichts von beut leisen Beben und

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in geschmeidiger Rücken, geeignet zum Bücken, Spitzige Ellbogen, sich durchzudrücken, Eine dicke, zähe, lederne Haut, Ein Magen, der jede Lüge verdaut;

Ein beschränkter Kopf, ein weites Herz, Eine glatte Zunge, eine Stirn von Erz, Eine sanfte Stimme mit warmem Ton, Ein tiefer Respect vor der eig'nen Person

Ach, was für herrliche Gottesgaben Für einen strebsamen, fleißigen Knaben!

Mit ihnen muß er auf dieser Erden Doch sicher was ganz Besonderes werden, Hat er nicht etwa das Mißgeschick Und hängt zuvor wo an einem Strick!

S. Wagner.

Grollen zu seinen Füßen.Es war der Wind," sagte er, laß doch die Welt da draußen."

Ja, laß die Welt," sagte nun auch sie, durch seme Worte rasch beruhigt.Hier in dem alten Hause ist sie ja von heute ab sür uns. Komm, setz' Dich her und erzähle mir, wie es gekommen ist, daß Du mich gern hast, was Du von mir gedacht hast, als wir uns kennen lernten, ganz genau muß ich das Alles wissen."

Sie zog ihn neben sich auf einen kleinen Divan, über dem die Palmenwedel ein grünes Dach bildeten, und hier saßen sie nun, Hand in Hand, von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft plaudernd und goldene Träume spinnend. Jetzt küßte er sie auch zum ersten Mal. Als er sie wieder frei gegeben hatte, sagte er:WeißtDu, wem ich es zuerst sagen möchte? Dem Papa Busenius oben im Giebel. Ich glaube, Keiner wird sich so darüber freuen wie er."

Thu's," gab sie lächelnd zur Antwort.Ich kenne ihn ja nur wenig, aber da die Menschen ihn einen Narren schelten, so ist das Beweis genug, daß er nicht ist wie die anderen."

Sie schelten ihn einen Narren, ich nenne ihn einen Weisen," rief der Assessor lebhaft.Oft meine ich, einen der Propheten aus der Bibel zu hören, wenn ich bei ihm sitze und mit ihm plaudere."

Nur seine Sonderlingstracht gefällt mir nicht," sagte die Frau.Warum sich auch äußerlich von den Menschen unterscheiden, wenn man innerlich anders ist als sie? Meist redet denn doch die liebe Eitelkeit bei solchen Absonderlich­keiten mit."

Bei ihm gewiß nicht! Aber ich will ihn nicht ver- theidigen- Du wirst ihn kennen lernen, und dann ist keine Vertheidigung mehr nöthig."

Er wollte noch etwas hinzufügen, aber ein Pochen an der Thür, die zum Corridor führte, unterbrach ihn. Frau Ina erhob sich, und auf ihrHerein" betrat ein stattlicher, hochgewachsener Mann das Zimmer. Sein Gesicht war regelmäßig und von reiner Hautfarbe, nur unter den Augen lagen bläuliche Ringe. Der blonde Vollbart war kurz zu­gespitzt, der ins Röthliche spielende Schnurrbart sorgsam mit dem Eisen nach oben gebogen und auseinandergekämmt. Ein tadelloser schwarzer Anzug von modernstem Schnitt um­gab die Gestalt.

Ist es erlaubt, gnädige Frau?" fragte der Eintretende. Ich suche einen Ausreißer und finde ihn hier. Wi"d er Ihnen nicht lästig mit seinen häufigen Besuchen? Schicken Sie ihn fort, wenn es so ist, oder sagen Sie cs mir, daß