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einer Sensationspremiere zu sein, nur daß sich neben den oberen Zehntausend auch jene Hunderttausende emfinden, d,e in der Person des theuren Dahingeschiedenen ost auch den Zusammenbruch ihrer Zukunft und ihrer Hoffnungen zu beweinen haben. Dies führt oft zu herzzerreißenden Scenen und zartempfindende Menschen kehren, von den quälendsten Eindrücken gefoltert, von den blumenübersäten Grabstätten heim. Der erste und zweite November gehört der Blumenindustrie, was Tausende von jugendlichen Händen das ganze Jahr über zu täuschend nachgeahmten Blüthen- und Blumenzweigen geformt haben, geht in Form von Kränzen und Bouquets als Zeichen der Erinnerung seinen Liebesweg. Die Sitte verlangt es, daß man nicht wie in früheren Jahren, die dem Alter oder der Jugend, der Braut oder dem Kinde angemeffenen Blüthen bringt, sondern man schmückt den Grabhügel mit der Lieblingsblume der Verstorbenen. Dies nimmt diesen Trauerspenden viel vom conventionellen grabesstarren Character und raubt nicht vollständig die Illusion eines wirkliches Besuches bei den geliebten Todten. — Wie viele Meter Crepe an solchen Tagen verwendet werden, ist unglaublich, jede halbwegs moderne Pariserin hat einen bestimmten Anzug für das Allerseelenfest und außer in schwarz, weiß-schwarz würde sie an diesem Tage die Straße nicht betreten. Für die Wittwenhaube oder selbst den Capotehut ist ein schmaler wstßer Crepeftreif, welcher das Haar umgiebt, die letzte nouveaute in Trauermode und den höfischen Sitten der spanischen Etiquette entlehnt. Das Trauerkleid hier in Paris ist von anspruchlosester Einfachheit, für die ersten drei Monate tiefer Trauer ist es nicht einmal bon ton, das frou-frou des Seidensutters rauschen zu lassen, es wird daher zum Jüitern der Trauerkleider eine weiche Seide gewählt, welche nicht knistert. Im Uebrigen hat da die Mode nicht viel zu sprechen, in jedem Falle wird sie nur discret angedeutet, denn ein Trauerkleid mit Aplomb trägt die sich immer in die Gelegenheit hineinlebende Französin nicht. — Doch wir wollen nach französischer Art uns mit einem raschen Gedankensprung von allem Traurigen loslösen, die Pariserin ist zu lebenslustig, um sich unnöthig der Schwermuth hinzugeben und würde es ewig bereuen, ihre schönen Jahre nicht auszunützen, was das übermüthige Chanson „La grandmere“, mit welchem Ivette Guilbert die Pariser unterhielt, am besten markirt:
Combien je regrette, Mon bras si dodu, Ma jambe bien faite Et le temps perdu!
In diesem plein air-Liedchen liegt der ganze Verismo des auf die Neige gehenden Jahrhunderts und macht die Neigung der Französin, durch alle erdenklichen Toilettebehelfe ihre Reize in's beste Licht zu stellen, um zu gefallen, erklär lich. Der letzte Sou wird hingegeben, um einem alten Hut durch eine neue Blume frisches cachet zu verleihen, dem Magen spart man Manches ab, der Toilette nie. Jedoch ich verliere mich hier in Betrachtungen, statt Ihnen vom dernier cri der Saison zu erzählen. Die russische Allianz wird von der Mode ausgenützt, wenn erstere nicht länger währen wird wie letztere, so könnte man mit Recht sagen: Tant de bruit pour une Omelette. Also vor Allem ist die russische Blouse mit Schößchen in allen Variationen en vogue, russisch-grün ist die Modefarbe, russisch-grün sind sogar die neuesten Pariser Lederstiefelchen. Selbst die Ueberjacke erfreut sich der russischen Fayon, d. i. die lose, überhängende Blouse mit langen, casaque-artigen Schößen und wird ebensowohl von „Doncet“, dem ersten Atelier, als auch im „Bon marche“ propagirt. Für Costüme wird das Schößchen glatt und kurz gehalten- erstere aus grauem, schwarzem oder russisch-grünem Tuch, Vorder- und Rückentheil ganz soutachirt, nebst einem Gold- gürrcl um die Mitte, sind die Specialität der Herbstsaison. Natürlich spielt das Pelzwerk eine große Rolle, und Revers und Kragen werden mit grauem Astrachan, Skunks, Chin
chilla oder Seal ausgeschlagcn. Für Matronen — denn hier in Paris existirt die femme entre deux ages nicht, das weibliche Geschlecht ist entweder jung oder alt — hat man als nouveautö sehr kleidsam Pelz- oder Tuchcapes mit anschließendem Rücken und Glockenärmel- besonders gern wird Sammt für Confectionszwecke verwendet und mit echte- Spitzen applicirt. Ob die Damen mit ihren russischen weichen SPiegelsammtmützen gut behütet sind, wird die Zeit, die Ver- drängerin der Mode, lehren, vorläufig stehen dieselben unter dem Zeichen innigster Freundschaft. Ein großes Capitel jedoch verdient die glückliche Errungenschaft zwangloserer Kleidungsstücke. Das Stahlcorset ist hier gänzlich verHnt, selbst ein stattliches embonpoint gewährt sich die ceinture, nur wie in alten Zeiten erlaubt sich die Uebersülle durch ein in die Taille genähtes Fischbeinleibchen ihr de trop zu cachiren. Ebenmäßige Gestalten sehen so biegsam und elastisch aus, daß man sie nur beglückwünschen kann, sich endlich vf>n der steifen stählernen Last emanzipirt zu haben. Die Französin verschmäht auch die sogenannten englischen Kleider, nur Straßencostüme, d. h. Rock und Ueberjäckchen, goutirt sie und bei diesen wird das glatte englische Genre durch Blousen oder Einsätze aus Mousselinechiffon, Tüll und Spitzen gemildert. Was ihre Toilette auszeichnet, ist das Weiche, Weibliche. Sie liebt es, den vollen Gegensatz des starken und schwachen Ge- schlechies hervorzukehren, und selbst die enragirtesten Vorkämpferinnen für Fcauenemancipation vergessen in ihrer Toilette nie ihre eigentliche Bestimmung, sie wollen Verbesserungen, den Fortschritt, den Aufschwung, aber sie verschmähen es keineswegs, anziehend zu sein und die Chance in der Liebe geben sie durchaus nicht preis. Vielleicht ist der Frauenfrage auch die neue Modespielerei, das Spazierstöckchen, zu danken, ohne welches keine Dame am Boulevard erscheint. Es ist dies ein Uebergangsobject für den an schönen Herbsttagen überflüssigen Schirm, die Juweliere leihen denselben ihre Kunstfertigkeit und schmücken sie mit kostbaren Handhaben, in welchen Smaragde, Rubinen und Brillanten eine große Rolle spielen. Aber auch ohne Handhabe, das Ebenholzstöckchen nur von einer goldenen Schlange mit Smaragdaugen umwickelt, ist es ein beliebtes kostspieliges youyou. — Di- Sensation des vergangenen Monats bildeten die Toiletten in dem immer interessirenden Stücke von Dumas „Die Fremde". Madame Barett« im „Theätre Fran$ais“ trägt eines der großartigsten Modelle als Herzogin von Septmonts: Es ist eine Toilette de Visite aus altblauem Velours, mit einem Arabeskendessin in schwarzer Schmelzstickerei bedeckt, welche sich in verführerischen Lmien über das ganze Kleid ziehen. Wanda de Boncza trägt in der Titelrolle ein Abendkleid aus gelbem Sammt, reich mit weißen Perlen gestickt, ein kostbares Spitzentuch deckt das Tablier. Um ihre Magerkeit zu cachiren, hat sie den Empirestyl gewählt, und ihre Toilette wurde entschieden mehr acclamirt als ihre künstlerischen Leistungen.
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In der Verlegenheit. Vater (der seinen Sohn im Atelier besucht): „Was hat denn der Gerichtsvollzieher bei Dir gethan?" — Junger Künstler: „Der — der hat mir Modell gesessen!"
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Immer amtlich. Tochter: „Papa, darf ich singen?" — Papa (Richter): „Ja, aber nur mit Ausschluß der Oeffent- lichkeit!"
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Schweres Dasein. Studioses Süffel (welcher bereits sein Militärjahr abgedtent hat, mühsam von einer Kneipe heimwärts taumelnd): „Der Mensch hat's doch nicht leicht. Dreimal muß er — als Kind, als Soldat und als Student
Redaktion; 8° Scheyd«. - Druck und «erlag der Brühl'schm «niversttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m ©ttficn-


