476 —
„Gott sei Dank! Das wäre überstanden!" Die Gräfin streifte die perlgrauen Handschuhe ab und schleuderte sie mit einem Ausdruck des Ekels von sich. „Pfui! wie viel schmierige Koffern haben sie gedrückt! Zu allem Ueberfluß auch noch dieser ungebildete Hausknecht! Rüdiger, es war entsetzlich, diese zehn Tage haben mich Nerven gekostet!"
(Fortsetzung folgt.)
G-m-innÄtziges.
Wie kann man Zwetschen so lange frisch erhalten, daß dieselben eventuell zu Weihnachten den Baum zieren können? Man pflückt, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, schreibt, zu diesem Zwecke dieselben an einem trockenen Tage vorsichtig mit den Stielen, läßt sie drei Tage ans Stroh ausgebreitet in einem trockenen, ungeheizten Zimmer liegen. Darauf schichtet man die Zwetschen in ein Fäßchen oder großen Steintopf zwischen Weizenmehl so, daß sie sich nicht berühren. Dann deckt man das Fäßchen oder den Topf gut zu und bewahrt ihn an einem trockenen Orte auf. Zu Weihnachten öffnet man das Gefäß, nimmt die Zwetschen heraus, wäscht sie ab, legt sie in ein Sieb, hält sie in gehöriger Entfernung über Dampf von kochendem Wasser und die Zwetschen haben ihre frühere blaue Farbe und ihren Geschmack wieder erhalten. Auf diese Weise habe ich schon mehrere Jahre hindurch die Meinigen mit frischen Zwetschen am Weihnachtsbaum überrascht.
* * ♦
Das Liegenlassen von kranke« Kartoffel« auf dem Felde rächt sich meist bitter, denn sie bilden nicht nur für Engerlinge und Larven einen geeigneten Schlupfwinkel, wo diese sicher der Verpuppung entgegengehen, sondern sie leisten auch der Erhaltung und Vermehrung der Feldmäuse Vorschub, indem diese hierdurch hinreichende Futterstoffe finden. Daneben muß besonders des Umstandes gedacht werden, daß durch angefaulte Kartoffeln eine Uebertragung des Kartoffel Pilzes für die nächste Ernte vorbereitet wird. Wer daher der Ausbreitung dieser Krankheit entgegenarbeiten will, der lasse keine verfaulten oder angefaulte Knollen auf dem Felde liegen, sondern sammle sie auf Haufen, wo sie dann durch Uebergießen mit Kalk unschädlich gemacht werden.
* * ♦
Jetzt sind Veilchen i« Töpfe zu pfla«ze«. Wer viel Veilchen im Garten hat, hebe, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, schreibt, eine Anzahl davon aus, Pflanze sie in Töpfe und bringe sie im Winter an's Stubenfenster, wo sie dann blühen werden. Die bepflanzten Töpfe sind vorläufig an einer geschützten Stelle im Garten aufzustellen, wie z. B. zwischen den Sträuchern einer Gehölzanlage, in einem leeren Mistbeetkasten oder an irgend einem passenden Orte. Man kann sie hier etwas mit Laub umgeben oder auch leicht mit diesem bedecken, damit die Erde und Töpfe nicht festfrieren. Das Aufstellen am Zimmerfenster geschieht im December und auch später noch. Die Monatsveilchen haben jetzt schon Knospen und blühen in einigen Wochen sehr willig am Fenster.
* *
*
Joco«-e-S«ppe. Die Leber und den Magen einer Truthenne schneidet man ebenso wie einige Champignons und einen kleinen Blumenkohl in kleine Stücke, bringt Alles mit etwas Butter in einer Kasserole auf's Feuer und läßt es sich bräunen. Unter fortwährendem Umrühren fügt man Pfeffer, Salz und etwas Mehl hinzu, gießt die nöthige Menge Fleischbrühe oder kräftige Auflösung von Liebigs Fleischextract bei und läßt die Suppe eine Weile kochen. Eine Viertelstunde vor dem Anrichten bringt man einige Löffel Reis in die
Suppe, die man schließlich mit geriebenem Parmesankäse servirt. ______________
Humoristisches.
Curioser Widerruf. In einer ostschweizerischen Gemeinde wurde ein Bürger anläßlich der Steuerrevision etwas höher geschraubt. Darüber ergrimmt, äußerte er sich unter Anderm öffentlich: ,,D' Hälfte vo de Gmeindröth sind Narre." Das ließ sich natürlich die gestrenge Obrigkeit nicht gefallen, stellte den Sünder zur Rede und verlangte, daß er die bösen Worte zurücknehme. Er that es auch mit den Worten: ,,D' Hälfte vo de Gmeindröth sind kei' Narre."
* *
*
Boshaft. „Gestern Abend wurde ich von einem heftigen Gewitterregen bis auf die Haut durchnäßt. Trotzdem brachte ich meiner Angebetenen noch ein Ständchen!" — „Wahrscheinlich — weil Sie nun doch eiinmal naß waren?!"
* *
*
Aus der Kaserne. Sergeant: „Was verstehen Sie unter Avantgarde?" — Recrut: „Dös iS a Kart, die man an die Wand hängt."
* *
*
Nack der ersten Ausfahrt. „Nun, mein Goldkind, wie bist De gefahren mit'm Rad?" — „Anfangs ist's gegangen gut, später bin ich aber gestürzt!" — „Nun, und der Hofmeister?" — „Js nicht gestürzt." — „So e' frecher Mensch!"
* *
*
Bauer (der vom Hausknecht aus dem Wirthshause hinausgeworfen wird, zum Wirth, der unter der Hausthür steht und leuchtet): ,,A' nobler Kerl bist D' halt do', Ochsen wirth, sonst thätst D' uns net leuchten!"
* *
Von der Schmiere. Schauspieler (zum Director vor der Vorstellung): „Ach, Herr Director, ich bitte um zwanzig Pfennig — ich will mir Wurst kaufen!" — Director: „Warten Sie bis nach der Vorstellung — sonst spielen Sie die Hungerthurmscene unnatürlich!"
Eit-r?avisch-s
Die Herbst- und Wintergarderobe der lieben Kleinen möchte jede auf Sparsamkeit bedachte Mutter gewiß gern selbst anfertigen und dabei das gut erhaltene Alte noch verwenden. Das ermöglicht sehr leicht das in seiner nutzbringenden Eigenart einzige, reich illustrirte Specialblatt „Kindergarderobe", Verlag John Henry Schwerin, Berlin. Die prächtigen Beilagen der „Kindergarderobe": „Für die Jugend" und „Im Reiche der Kinder" bergen eine Menge Unterhaltungs- stosf für die langen Winterabende durch Selbstansertigung von Spielzeug aus Resten und Abfällen des Haushalts, Vorführung reizend illu- strirter Märchen re. Grundprinzip ist Selbstanfertigung aller dargestellten Sachen und dadurch Erzielung großer Ersparnisse. Für nur 60 Pfg. vierteljährlich zu beziehen durch sämmtliche Buchhandlungen und Postanstalten. Gratis-Probenummern der „Kindergarderobe" durch erstere und den Verlag, John Henry Schwerin, Berlin.
* * *
Die musikalische Erziehung bildet heutzutage einen so wichtigen Factor in der modernen Bildung unserer Jugend, daß alle Eltern und Erzieher ihr Augenmerk darauf richten sollten, auch in dieser Hinsicht die rationellsten pädagogischen Hilfsmittel in Anwendung zu bringen. Als ein solches erweist sich als ganz besonders zweckdienlich und fördernd die „Musikalische Jugendpost" (Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart), ein Organ, das es vortrefflich versteht, den Kindern in erster Linie Lust und Liebe für die zu erlernende Kunst beizubringen. Die musikalische Jugend hat ihre helle Freude an den hübsch illustrirten Gedichten, Erzählungen, belehrenden und unterhaltenden Artikeln und den vielen mit Geschick gewählten Clavierstücken und Liedern. Selbst Erwachsene müssen dem frischen, gesunden Inhalt der „Musikalischen Jugendpost" Geschmack abgewinnen. (Preis Mk. 1,50 vierteljährlich.) Probenummern versendet die Verlagshandlung auf Verlangen kostenfrei.
Redaction: Ä. Echeyda, — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gieße«.


