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ES war zum letzten Male. Kaum hatte sie geendet, als ein Hin und Her, ein Laufen und Schreien oben auf Deck begann. Plötzlich ertönte der entsetzliche, lähmende Ruf, der schrecklichste, den es auf See giebt — „Feuer!" —
Es entstand ein wildes Chaos. Evelyn und ich eilten in die Cabinen, legten die bereitgehaltenen Korkgürtel an und stürzten nach oben.
„Zurück!" donnerte des Capitäns Stimme uns entgegen, — „es ist nicht Platz für Alle, die Frauen und Kinder in die Boote, jeden Mann, der es wagt, vorzudringen, schieße ich nieder!"
Ich küßte Evelyn zärtlich, sie vorwärts schiebend.
„Geh, Evelyn, es ist die einzige Rettung für Dich — der Korkgürtel wird mich tragen, irgend ein Dampfer wird mich morgen früh finden. Geh mit Gott, mein Liebling, er wird uns wieder vereinen!"
„Nein," sagte sie ruhig; jede Todesfurcht schien von ihr gewichen- „wo Du bleibst, bleibe auch ich, können wir nicht zusammen gerettet werden, so sterben wir zusammen, wie Gott will."
Keine flehentliche Bitte konnte ihren Entschluß ändern. Ich schloß Evelyn fest in meine Arme und im nächsten Moment nahmen uns die rauschenden Wogen auf. Auf und nieder ging's, hundertmal schien es, als wollten uns die Wellenberge hinabziehen in die unendliche Tiefe, aber die Korkgürtel hielten uns auf der Oberfläche.
Kein Stern leuchtete durch die finstere Nacht, der Mond war hinter schwarzen Sturmwolken verborgen, ich konnte Evelyns Gesicht nicht sehen, aber ihre fieberhaft um mich geschlungenen Arme hielt ich mit aller Kraft fest.
„Fürchtest Du Dick, Evelyn? Sei unbesorgt, die Gürtel tragen uns sicher!"
„Geliebter, ich fürchte nichts!"
Eine Welle kam und riß uns mit sich fort, eine andere warf uns zurück, ich fühlte die Arme meines unglücklichen Weibes schwächer und schwächer werden — da riß eine Riesenwelle Evelyn aus meinen Armen. Ich versuchte fie zu halten — nichts als ihr gelöster Korkgürtel blieb in meinen Händen — da, dort — mit aller Kraft erreichte ich sie- an ihrem schönen, langen Haar, welches das Wasser gelöst, zog ich sie zurück in meine Arme.
Vergebens waren alle meine zärtlichen Worte, vergebens meine Liebkosungen, — sie lag ohnmächtig in meinen Armen, nur der matte Schlag ihres Herzens zeigte mir, daß noch Leben in dem steifen Körper.
Stunde um Stunde verrann, fester nur schloß ich die Unglückliche in meine Arme, da die Wogen mir den Gürtel entrissen, hatte der meinige unser beider Gewicht zu tragen. Meine Kräfte drohten zu erlahmen, eisige Kälte durchzog meinen Körper — ich fühlte, daß nur noch eine kurze Spanne Zeit mich von dem Moment trennte, wo Alles vorbei sein würde.
„Evelyn, Evelyn!" rief ich immer wieder, doch keine Antwort erfolgte, nicht einmal den schwachen Herzschlag vermochte ich mehr zu spüren.
Endlich ward es Morgen. Der Sturm hatte sich gelegt, die Wogen waren ruhiger geworden, der erste Schein der Dämmerung brach hervor, er gab mir neue Kraft, neue Hoffnung. Liebevoll richtete ich das Haupt, das ich in der grausigen Nacht so treu an meiner Brust gebettet, empor — das Weib, das ich während all' der schrecklichen, endlosen Stunden in aller Angst und Noth so zärtlich an mich gepreßt, war nicht daS meine, sondern eine fremde, tobte Frau! —
Ausziehende Fischer fanden mich bewußtlos und nahmen mich auf in ihr Boot- — ich wurde gesund gepflegt, doch das Leben hat keinen Werth mehr für mich seit jener Maiennacht!"
Genr-innützigeG.
Kalbsbraten ä la Languedocienne. Ein saftiger Stück Kalbfleisch bestreut man auf allen Seiten mit Salz, Pfeffer und Mehl, bringt es mit etwas Butter in einer Kasserole auf's Feuer und begießt es während des Bratens fleißig mit einer Marinade, die man aus Olivenöl, zerstoßenen Sardellen, dem Saft einer Citrone und aufgelöstem Liebigs Fleischextrat hergestellt hat. Sobald das Kalbfleisch gar ist, servirt man es mit Allem, was sich in der Kasserole befindet, nachdem jedoch vorher die Sauce möglichst entfettet wurde.
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Nierenschnitten. Uebrig gebliebene Kalbsniere wird mit Kalbsbraten, Petersilie, Zwiebel und Citronenschale fein gewiegt, mit einem Ei, Salz, Muskatnuß und etwas saurem Rahm zu einer streichbaren Masse angerührt und auf rasch in Milch getauchte Semmelschnitte gestrichen, in verklepperten Eiern umgewendet und in heißem Schmalz gebacken.
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Weichschalige Eier. In Krankheiten des Eierstocks, besonders aber in dem Mangel an kalkhaltigen Stossen des Futters hat das Nebel seinen Grund. Das beste Mittel ist, dem Futter ein Gemisch aus zwei Drittel Kreide und ein Drittel phosphorsauren Futterkalk zuzumischen.
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Die Geflügelwanze vertreibt man am einfachsten dadurch, indem man den sorgfältig gereinigten Stall, in welchem der alte Mörtel abgeschlagen werden muß, mit Petroleum bestreicht.
Hunrspiftisches.
Aus der In st ructions stunde. Unteroffizier: „Was hat der Soldat auf's Commißbrod?" — Rekrut schweigt. —• Unteroffizier: „Weiß Keiner, was der Soldat auf's Commißbrod hat?" — Alle schweigen. — Unteroffizier: „Anspruch hat der Soldat auf's Commißbrod — Ihr Esel!"
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Schlau. „Johann, Sie haben den Kalender nicht gestellt!" — „Ach, ich wollte den Herrn Baron nicht daran erinnern, daß heute der erste und mein Lohn fällig ist!"
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O diese Fremdwörter! „Der Kleine sieht ganz aus wie seine Mutter!" — „Ja, ausseh'n thut er wie seine Mutter — aber die Temperatur hat er vom Vater!"
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Völlig nüchtern. Frau (zu ihrem eben heimgekehrten Gatten, Morgens früh 3 Uhr): „Gustav, Du bist betrunken!" — Gatte: „I—ch? Ich bin—n ganz nüchtern, nur ein bi—ischen aufgeregt! Wo sind meine — meine — Pantoffel denn?" — Frau: „Stehen bei der Commode." — Gatte (nachdem er eine Weile planlos umhergesucht): „Wo-o-° ist denn die Com—m—obe?"
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Abwehr. Vater (Gedichte seines Sohnes lesend): „Wo Du das Zeug nur her hast?" — Sohn: „Oho, ich bin geborener Dichter!" — Vater: „Da muß ich bitten! Schiebt der den Unsinn gar seinen Eltern in die Schuhe!"
* * * Spruch.
Willst die Weiber kennen, Bester, Schau' nicht auf die Vogelnester Auf den Hüten im Gelock, Schau' Dir an den Saum am Rock.
RedacNon: A. Schryda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schehda) in Sicßm.


