Ausgabe 
11.12.1897
 
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Uetzer den Schmuck des Weihnachtsbaumes.*)

Nur noch wenige Wochen trennen uns vom Weihnachts­feste, das in hoffnungsvoller Freude von frohen Kinderherzen erwartet wird. Unzählige geschäftige Hände schaffen schon an Vorbereitungen, und die Schaufenster der Kaufläden zeigen die mannigfaltigste Auswahl hübscher Geschenke und glänzenden Schmuckes zur Zierde des Weihnachtsbaumes. Dem Wohl­habenden wird da die Wahl leicht gemacht, seinen Baum zu schmücken. Die sparsame oder minderbemittelte Hausfrau oder jene, welche weit entfernt von Städten auf dem Lande wohnt, wird durch Selbstanfertigen des Christbaumschmuckes einen Theil der oft sehr großen Weihnachts-Ausgaben zu erübrigen suchen, um damit durch größere oder bessere Geschenke ihre Liebsten überraschen zu können. Und gerade den Landbewohnern ist die Anfertigung des Christbaum­schmuckes so leicht gemacht,- bietet ja Wald und Flur, Küche und Haus unzählige Gelegenheit, sonst nutzlos und unbeachtete Gegenstände in zweckdienlicher Weise verwerthen zu können. Die zierlichen Zapfen der Kiefer, Lärche und Tanne geben mit Bronce bemalt allerliebsten Schmuck, Eicheln, Haselnüsse ebenfalls und auch die Samennäpfchen der Eicheln sind sehr paffend. Aus den Schalen der Welschnuß lassen sich ganz drollige Sachen herstellen, z. B. ein Käfer. Der Kopf wird aus einem Wachskügelchen geformt, mit zwei kleinen Perlen als Augen und kleinen Stecknadeln als Fühlhörnern besteckt, das Innere der Schale füllt man mit Watte und befestigt die aus gespaltenen Zündhölzchen oder Draht gefertigten Füße mit etwas Leim. Durch entsprechende Bemalung der Schale mit Feder und Tinte oder Pinsel und Farbe gibt man ihm das nöthige Aussehen. Daß sich auch durch vielfache Verwendung von verschiedenen Broncen überraschende Effecte erzielen lassen, ist selbstverstänlich. Ueberhaupt spielt der Verbrauch derselben bei der Herstellung von Schmuck eine große Rolle.

Wer sich das Broncepulver in trockenem Zustande kauft, benutzt zum Anmachen mit Vortheil dünnflüssigen Copallack. Mit diesem kann man die Sachen zuerst bestreichen und dann mit Broncepulver bestreuen oder dasselbe gleich strich­fertig darunter mischen. Letztere Art sichert ein schnelles Arberten und dauerhaften Bestand. Auch kleine Körbchen und Nester lassen sich aus Nußschalen Herstellen, und sollten dieselben auch größer gewünscht werden, so gibt eine halbirte Eierschale beste Gelegenheit dazu. Trockenes Baummoos bildet dann die Einlage und Erbsen die Eier. Uebrigens lassen sich die Eierschalen, wenn man die Eier vorsichtig aus­bläst, so daß die Schalen möglichst unversehrt bleiben, durch Bekleben mit Papiersternchen, Goldstreifen, Stoff- und Woll restchen zu den verschiedenartigsten Sachen z. B. Ampel, Laternen u. s. w. verwenden. Aus Kastanien kann man durch Bemalen und Vergolden Miniaturäpfel Herstellen und selbst kleine Kartöffelchen lassen sich dazu verwenden.

Zahllose Gebilde kann man mit etwas Fleiß und Nach­denken aus Papier mit der Scheere verfertigen. Wir erinnern nur an die Ketten, Netze, Sterne, Guirlanden, Gitter, Lampions usw., die sich ohne besondere Mühe machen lassen, und deren Herstellung selbst Kindern bekannt ist und Freude macht. Kleine Düten aus alten Visitenkarten mit farbigen Papierfranzen bieten Gelegenheit, verschiedene Näschereien unterzubringen, und aus schwedischen Zündholzschachteln erhält man allerliebste Postpacketchen, die, mit Adresse und Marke versehen, sich zierlich ausnehmen, die gleichzeitig auch mit kleinen Sachen, Hemdknöpfchen, Brosche, Ringe u. dgl. gefüllt werden können. Nicht zu vergessen sind die aus farbigem Papier zu verfertigenden Blumen, Körbchen, Bonbonnieren.

*) Aus demPraktischen Wegweiser", Würzburg, einer sehr empfehlenswerthen Familienzeitschrift. Abonnement vierteljährlich 30 Pfg,

Aus Wollresten, Perlen, Gelatine, Staniol, Draht und Papier können buntfarbige Schmetterlinge hergstellt werden. So finden alle möglichen Sachen Verwendung, das Staniol von Chocolade, die Gelatine der Einmachgläser, der Draht von Selterswafferflaschen, Seidenrestchen von Kleidern, Cigarrenbändchen usw. Selbst die von den Bällen als frohe Erinnerung aufbewahrten Cotillonorden sind ein billiger Schmuck für den Weihnachtsbaum. Vielleicht gefallen Manchen aus weißer Watte gefertigte Schneeballen, mit Gummilösung betupft und Silber- oder Goldflimmer bestreut. Mit etwas Phantasie und Fleiß wird die Herstellung solcher Gegenstände in unzähligen Variationen möglich sein, ohne besondere Aus­gaben machen zu müssen. Die langen Abende bieten die nöthige Zeit und die practische Hausfrau wird selbst aus unscheinbaren Sachen mit geschickten Händen reizende Sachen zu schaffen wissen. Daß sie auch Weihnachtsbäckereien selbst fabrizirt, ist ja selbstverständlich- es finden sich passende Recepte in jeder jetzt erscheinenden Nummer desPraktischen Wegweisers".

EinGrund"gelehr ter. Ausflügler:Oh, mein Gott, Herr Professor, unser Boot sinkt! Wir gehen zu Grunde!" Professor:So? Dann wird sich's ja zeigen, ob es auf dem Grunde wirklich Rhizokarpeen oder Wasierfarne gibt, was ich immer bestritten habe."

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Die zersteute Durchlaucht. Fürst:Wie viel Kinder haben Sie?" Dame!Ich bin noch gar nicht verheirathet." Fürst:Ach, Sie sagten doch vorhin, Sie hätten einen Schwager!" . * * *

Differenzen." Gattin:Karl, mein Hut sieht schon sehr schäbig aus." Gatte:Ja, ich kann Dir keinen anderen kaufen." Gattin:Na, Gott sei Dank, so schäbig wie Du ist er doch noch nicht!"

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Die Naive.Sagen Sie 'mal, Herr Doctor, was ist das beste Mittel, wenn man von einer Kreuzotter gebissen wird?"Aussaugen!"Läßt sich's aber das Thier ohne Weiteres gefallen?"

Literarisches

Der Berliner Thierschutz-Verein, Königgrätzer Straße 108, versendet gegen baar oder Nachnahme (kleinere Beträge in Briefmarken) franco:MuSrirten Aalender", Jahrgänge 1895 bis 1898. 1 Stück 10 Pfg., 50 Stück 3 Mk., 100 Stück und io Freiexemplare (5Kg.)5Mk. Illustrirtes Ieseliiichlem", 1 Stück 20 Pfg., 50 Stück und 5 Freiexemplare (5 Klg.) 5 Mk.Unserer Näglein Uoth", 1 Stück 10 Pfg., 30 Stück (1 Kg.), 2 Mk., 150 Stück (5 Kg.) 7,50 Mk.Car, nnd der ßlindt", 1 Stück 10 Pf., 40 Stück (1 Kg.) 2 Mk., 200 Stück (5 Kg ) 10 Mk. Kildcrmapiie" des Berliner Thierschutz-Vereins, 60 Blatt. Ladenpreis 10 Mk., für Vereinsmitglieder und für Schulzwecke 6,80 Mk. franco. N-gelschnh.Plakat", 5 Stück 30 Pfg., 70 Stück 2,60 Mk., dito auf Pappe gezogen und wetterbeständig gefirnißt, 20 Stück (5 Kg.) 7 Mk., diio auf gewöhnlichem Druckpapier 600 Stück (5 Kg.) 3,60 Mk. Slallardnung", 5 Stück 30 Pfg, 70 Stück 1,60 Mk. Wir bitten alle Herren Landräthe und die Kreisausschüsse, die Magistrate, Schul- inspectoren, Pfarrer und Lehrer sowie alle Humanitären und landwirth- schaftlichen Vereine um möglichste Einführung obiger Büchlein und Plakate in Schule und Haus. Wir bitten die Herren Geistlichen, Rectoren und Lehrer, Umfrage über den Bedarf bei ihren Herren Collegen zu halten, womöglich einem der Herren die Gesammtbestellung für eine Schule, für eine Gemeinde oder vielleicht auch für eine Anzahl benachbarter Gemeinden zu übertragen und die Bestellungen thunlichst aus Hunderte abzurunden (5 Kg. - Packete). Es würden dadurch viele Portokosten erspart. Bestellungen und Geldsendungen sind zu adressiren: Berliner Thierschutz-Verein. H. Beringer. Berlin SW., Königgrätzer- straße 108. Der Vorstand des Berliner Thierschutz-Vereins zur Be­kämpfung der Massenthierquälereien im Deutschen Reiche.

Redaction: 8. Echeyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) in Gießen.