Ausgabe 
11.9.1897
 
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In Nürnberg gab es Seifenschauer. Dort verkauften die Seifensieder in besonderen Ständen auf öffentlichem Markt. Die Seifenschauer gingen von einem zum anderen und drückten ihr Zeichen neben dem des Sieders auf, wenn sie die Seife für gut befanden. Erst dann durfte die Seife verkauft werden.

Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert stand die Seifenfabrikation in höherer Blüthe als jetzt. Man suchte eine Ehre darin, die beste Seife mit peinlicher Sorgfalt zu bereiten und verwendete nur die feinsten Materialien dazu. Da gab es im Handel zahllose berühmte Sorten von Seife: Nervenseife, Hauptseife, Damascener-, Neapolitaner, Frank­furter Seife, Bononische (aus Bologna) Seisenkugeln, auch Pestseifenkugeln, Seife,die Flüsse aus dem Haupte zu ziehen",das Gedächtniß zu stärken" u. s. w.Königliche Seifenballen" sollten das Gehirn stärken, Schwindel ver­treiben und vor Schlag und fallender Sucht behüten.

Die sogenanntegute Seife der Frau von Altheim" war ein Liebling der Damen. Sie war aus viel Mandelöl, Bohnenmehl, Citronen u s. w. sorgsam bereitet. Siegab schöne Hände, doch müssen stets Handschuh dabei getragen werden." Auch diegute Handseife der Gräfin von Hohen lohe" sollte glatte, schweeweiße Hände schaffen.

In südlichen Ländern nimmt man statt des Talgs Olivenöl zur Seifenbereitung. Am berühmtesten war zu jener Zeit die Venetianische Seife. Diese hielt man für unübertrefflich, wie ein altes Buch sagt, weil dieAsche dazu von den bösen, wilden Türken Herkommen, so müssen sie scharf und besonders sehn." Die Holzasche gewann man nämlich aus afrikanischen, egyptischen und kleinasiatischen Holzarten. Man nahm in Italien aber auch nur das feinste Oel zur Seife, besonders gern das Apulische, und setzte ihm noch Mohnöl zu.

Die vornehmste Venetianische Seife trug als Zeichen einen Halbmond oder eine Bärenklaue. Andere berühmte italienische Seifen wiesen das Bild einer Kugel, eines ge­flügelten Löwen, einer Kette, eines Tannzapfen, der Sonne, des Mondes, oer Sterne, eines Pelikans, Adlers, Greifen, einer Rose, einer Lilie u. s. w. auf. In Neapel soll der Seifen- und Oelzoll damals jährlich 104 000 Ducaten ein­gebracht haben.

Einen mächtigen Aufschwung nahm die Seifenindustrie, feit der bekannte Pariser Chemiker Chevreul (geb. 1786), der sich um die Erforschung der Farben und Fette hoch­verdient gemacht, die Natur der Fette und demnach das eigentliche Wesen des Verseisungsprocesses kennen lehrte. Von anderer Seite unterstützte die starke Entwickelung der Sodaindustrie diesen Aufschwung. Von da an schritt die Seifenfabrikation staunenerregend vorwärts.

Sie ist eines der wichtigsten und lohnendsten Glieder der chemischen Industrie geworden. Von hervorragender Bedeutung ist sie besonders in Frankreich, wo Marseille, Toulon und Lyon sorgfältig bereitete und mit wohlriechenden Substanzen vermischte Toilettenseifen liefern, England, dessen schwarze Pear - Seifenkugeln unübertrefflich sind, und Deutschland.

Im Allgemeinen gilt aber, daß die Seife jetzt gering- werthiger dargeste'U wird, als früher. Man verzichtet ganz auf die Erzeugung von Kernseife. Das Vermögen der Seife, viel Wasser aufzunehmen, ohne ihr Aussehen wesent­lich zu verändern, benutzt man, um recht billige Seifen herzustellen.

Daran hat das Cocosöl viel Schuld. Aus ihm wird in Unmengen alabasterweiße, durchscheinende, leicht schäumende Seife fabricirt, die aber werihlos ist, weil sie schlecht löst. Auch sonst kommen viele Verfälschungen mit weißem Thon, scharfen Oelen und Salzen vor. Die besseren deutschen Fabriken liefern aber solidere Maare als die französischen,

die mehr auf zierliche Form, augenfällige Färbung und verführerischen Wohlgeruch, als auf inneren, gründlich lösenden und doch die Haut nicht schädigenden (neutralen) Gehalt ihrer Seife achten.

Gemeinnütziges.

Steinpilz. Zeit der Bereitung 2 Stunden. 5 Personen. 3 Liter Pilze werden geschält (von kleineren benutzt man auch den Stiel mit), in große Würfel geschnitten, kurze Zeit in siedendes Salzwasser, dann mit einer geschälten kleinen Zwiebel in 50 Gr. kochende Butter gethan, etwas Mehl darüber ge­stäubt, Salz, Pfeffer, gewiegte Petersilie und 10 Gr. Liebigs Fleisch-Extract daran gethan. Man dünstet sie langsam weich und giebt zuletzt einige Löffel sauren Rahm an das Gemüse. Man servirt es gern zu Beefsteak, Coteletten und gekochtem Schinken.

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Süße Tomatensauce. Ein Dutzend reife Tomaten werden gewaschen, mitten durchgeschnitten und die Kerne weg- gethan. Dann durchdünstet man sie in einem Stück frischer Butter, etwas ganzem Zimmt und Citronenschale, passirt sie durch, kocht sie dann mit einem halben Liter Weißwein und dem nöthigen Zucker auf, bindet sie mit einem Kaffeelöffel in Wasser verrührtem Kartoffelmehl, rührt sie noch einige Minuten auf dem Feuer und giebt sie zu Mehlspeisen, Puddings rc.

Humoristisches.

(Aus denFliegenden Blättern".) Der Rechte. Herr (zum Lebensretter, der seine Tochter aus dem Wasser gezogen):Nehmen Sie sie zur Frau, edler Mann. . . Sie haben die nöthige Courage!" Moderne Anzeige.Verradelt bis ersten September. Dr. Kur­pfuscher." Uebertrumpft.Jetzt hab' ich meine« Mann bereits so gezogen, daß er nie mehr den Hausschlüssel verlangt!"Pah, da hab' ich meinen Mann noch besser gezogen^ der hat den Hausschlüssel stets bei sich und ist doch um neun Uhr zu Hause!" Zeitgemäß. Strolch (zum Gefängnißwärter):Bringen Sie mir, bitte, eine Postkarte mit Ansicht!" Im Dorfwirthshaus. Gast:Warum ist denn kein Stiefelzieher da?" Magd: , Da müss'n S' warten der geht jetzt im zweiten Stock 'rum!"

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Unverfroren. Bankier (einen Einbrecher ertappend): Halt, Schurke hab' ich Dich!" Einbrecher:Donner­wetter, jetzt bin ich eingegangen (schnell gefaßt) können Sie mir nicht die Adresse von einem tüchtigen Ver- theidiger sagen?"

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Mädchen-Freundschaft. Ella:Findest Du nicht, daß sich unsere Freundin Erna seit einem Jahre auffallend verändert hat?" Stella:Gewiß aber sehr zu unserem Vortheil!"

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Ballgespräch. Junger Mann:Fräulein, sind Sie schon einmal in einem Tunnel verwechselt worden?"

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Ein Schlanke!.Nandl, gieb mir 'gschwind a' Busserl mich friert's damisch in d' Füß'!"

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Unter Freundinnen. Johanna:O, Marie, denke Dir, Arthur hat sich mit mir verlobt!" Marie:Das überrascht mich nicht! Er sagte ja, als ich ihn zurückwies, daß er eine Dummheit begehen würde!"

Redaction: 8L Sch-Yda. Druck und «erlag der Brühl'schen Universttäts-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.