Ausgabe 
11.9.1897
 
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folger reine Wirtschaft gemacht habe, daß ihr guter Vater wieder im Amte, ihr Bruder Adjutant des Fürsten sei. Nun brach auch Bellas Herz in Jubel aus!

Das Uebrige ist in wenigen Worten gesagt. Arno Fendler traf am nächsten Morgen, fußend auf die amtliche Empfehlung des deutschen Consuls in Bombay, ganz offen seine Reisevorbereitungen/ brachte seinen Schützling unbehelligt über die Grenze und in die Heimath, und führte Bella bald zum Traualtäre. Inmitten des höchsten Glücks aber gedachte die vom allem Weh Erlöste, frei von allem eitlen Stolze, der letzten Segensworte des Missionars an sie:

Und wenn Dein Selbstvertrauen

Wie das auf Menschen bricht, So hab' auf Gott Vertrauen Nur Er verläßt Dich nicht!"

Seife.

Von Martin Beck.

------- (Nachdruck verboten.)

Justus Liebig sagte einmal, daß der Gebrauch an Seife die Culturhöhe eines Volkes bestimmen lasse. Statistischen Nachweisen zufolge wird in Deutschland die meiste Seife verbraucht/ den verwandten Engländern gebührt die zweite Stelle. Die Deutschen müßten also nach Liebig gegenwärtig die höchste Cultur besitzen.

Vom Seifenstandpunkt aus betrachtet, dürfen sie diesen Anspruch aber doppelt erheben: bei ihnen findet die Seife nicht^nur die größte Verwendung, sie sind auch die Erfinder der Seife. Sieht man die Reinlichkeit als wichtigste Vor­stufe zur geistigen Cultur an, so darf man behaupten, daß die eigenthümliche Bildungsfähigkeit und der rastlose Bildungs­trieb der Deutschen mit ihrer uralten Erfindung und dem ersten Gebrauch der Seife in einigem Zusammenhang steht. Die Seife als germanische Erfindung hat mit dazu beige­tragen, daß die Deutschen einVolk der Denker und Dichter" wurden.

Als ein bisher unbekanntes und von den Germanen stammendes Product erwähnt zuerst Plinius die Seife. Er sagt, daß man sie als äußerliches Medicament und als Haarverschönerungsmittel gebrauche. Vorzugsweise werde sie aus Buchenasche und Ziegentalg bereitet. Man beziehe dieses fremde Erzeugniß, die Seifenkugeln und die Haarseife aus den eroberten germanischen Grenzprovinzen. Bei den Germanen gebe es harte und weiche Seife. Sie seien auch in der Herstellung der Seife weit erfahrener als die ihnen benachbarten Gallier. Auch Galenus spricht von germanischer Seife, die als Reinigungsmittel gebraucht wird.

Später lebende Schriftsteller, z. B. die arabischen Aerzte, kommen häufig auf die germanische und gallische Seife zu sprechen. Sie empfehlen sie theils als äußerliches Arznei­mittels, theils zum Waschen der Zeuge. Das letztere hatte man bisher nur mit großer Mühe auf verschiedene andere Weise bewirken können.

Vorzugsweise trug man Wollstoff. Den hatte man an­fänglich nur in Wasser eingeweicht, gerieben und gestampft, um ihn von Schmutz und Fett zu befreien. Eine ähnliche einfache Methode giebts jetzt noch bei Völkern, die eine tiefe Culturstufe einnehmen. Da wird die Wäsche in ein Gewässer gelegt und von den Frauen mit Stöcken geschlagen. Im Alterthum versuchte man sich dann diese Wäsche durch An­wendung einiger natürlichen Säfte zu erleichtern, die seifen­artigen Stoff enthielten.

Dazu benutzte man hauptsächlich das Struthium oder die Seifenwurzel, die, wenn auch nicht häufig, so doch fast in ganz Europa vorkommt. Ihre kriechende Wurzel schäumt, wenn sie im Wasser gerieben wird.

Außer dieser Seifenwurzel benutzten die Alten noch den thierischen Gallenstoff und später das mineralische Laugen­salz zum Lösen des Fettes und Schmutzens in den Wäsche­

stücken. Dieses leistete weit bessere Dienste als Pflanzensaft und Thiergalle. Die Römer verwendeten es sogar bei ihren Gesundheitsbädern. Mit der Zeit entdeckten sie auch Mineral­quellen, die genügend reinigendes Waschwasser hergaben.

Die römischen Wollwäscher vermochten zuerst die deutsche Seife noch nicht so allgemein zu verwenden, wie sie es wünschten. Sie war zu theuer, da sie aus weiter Ferne durch römische Händler bezogen werden mußte. Und diese mußten sie von deutschen Hausfrauen zusammenkaufen, da die Seife nicht gewerbsmäßig hergestellt wurde. Außerdem litt die Güte der Seife durch den langen Transport.

Zum Reinigen der Wäsche wendete man deshalb lange Zeit hindurch andere Substanzen an. Hauptsächlich benutzte man die Walkererde dazu, die damals allgemein nurKreta", nach der Insel, von der man die meiste bezog, genannt wurde. Davon kommt die heutige Benennung Kreide her.

Die deutsche Seife versuchte man bald im römischen Staate nachzuahmen. Auch die Verbesserungen, die man bei den Germanen diesem Producte zuwendete, verfolgte man dort aufmerksam. Der an sich schön weiß ausfallende Ziegentalg gab der Seife eine angenehm weiße Farbe. Auch die ihm eigenthümlicke Härte und Festigkeit war ihr von Vortheil. Die Holzasche nahm mau nur von der Weiß­buche. Man benutzte also die vorzüglichsten Rohstoffe.

Den jetzigen Se-fenfabrikanten sind diese zu kostspielig geworden. Heutzutage nimmt man nur Rinds- und Schöps­talg zur Seifenbereitung. Denn es giebt jetzt tausendmal mehr Rinder und Schafe als Ziegen. Einst war das Ver- hältniß umgekehrt. Man hegte in alter Zeit in Deutschland viele Ziegen der Felle und Hörner wegen. Ruhig ließ man sie bei dem ungeheuren Waldreichthum den jungen Holzanflug benagen. Ueberall in Wald und Wiese gestattete man ihnen freien Spielraum. Das trug zu ihrer Vermehrung wesent­lich bei. Erst 1339 kommt zum ersten Male in einer Ur­kunde im Münsterischen ein Verbot der freien Ziegenhütung deshalb vor, weil das Holz durch sie zu stark beschädigt werde.

Und den Talg verwendete man früher nur zur Seifen­bereitung, da man die Kerzen bei der einstigen stattlichen Bienenzucht stets aus Wachs herstellte. Fettabgänge, Reste von Talglichten und dergleichen mischte man nicht unter den Talg wie jetzt. Auch das machte die frühere Seife so vor­züglich. Der Name Seife soll von dem lateinischen Wort sevum, Unschlitt, Talg, herrühren.

Der Seifenverbrauch der germanischen Länder war ein bedeutender. Das Tragen von Leinenhemden war noch nicht allgemein Sitte, obgleich dies die Germanen viel eher thaten als Griechen und Römer, die es erst von ihnen lernten. Die Wollkleider trug man auf dem bloßen Leibe. Das machte eine öftere Reinigung nöthig, die nur mit der Hand und unter Anwendung vieler Seife vor sich gehen konnte, denn die Walkmühlen, in denen man jetzt die Wollstoffe reinigt, treten erst seit dem zehnten Jahrhundert auf.

Die Seife der alten Germanen wird der gewöhnlichen festen Hausseife ähnlich gewesen sein, die auf dem Lande noch hier und da von Bauersfrauen zum Hausgebräuche aus Talg mit Aschenlauge und Kochsalz in Form langerRiegel" bereitet wird.

Bei der allmälichen Erhebung vieler wirthschaftlichen Hantirungen zu Gewerben wurde auch die Seifenproduction zu einem gewerblichen Betriebe gemacht. Denn nun konnten die Handwerker, die ihrer nothwendig bedurften, sich nicht selbst mehr mit ihrer Herstellung befassen. So entwickelte sich bald das Seifensiedergewerbe.

Das Mittelalter hindurch scheint in der Seifenproduction kein wichtiger Fortschritt gemacht worden zu sein. Man blieb nach wie vor bei der einfachen, aus bestem Material bereiteten und darum vortrefflichen Hausseife. Der Ver­brauch an Seife war aber immer bedeutend. Das Gesinde bekam außer dem Lohne noch ein Seifengeld znm Kauf der nöthigen Seife.