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'tfflMenn selten auch nur die Güte fand
Den Ort, Ivo die Dankbarkeit haust, ysr Es hat schon manchmal die offne Hand
Besiegt die geballte Faust. Alb. Roderich.
Die schönsten Augen.
Novelle von Tarl Teschner.
(Schluß.)
„Vermnthlich haben diese Feinde ihn tückisch erwürgt, oder vergiftet!" sagte Bella grollend. „Noch gestern war er ja so gesund, wie ließe sich denn ein so rasches Ende erklären?"
„Leise Kind, leise!" beschwichtigte die Alte ängstlich. „Es ist gefährlich, solche Worte zu sprechen. Ein Mord ist hier bald geschehen."
„Nun ist mein Beschützer tobt!" klagte Bella mit bebenden Lippen. „Ich habe hier keinen Freund mehr, Noth und Verlassenheit werden mein Loos sein. Kaum weiß ich wohin. Aber gleichwohl, morgen früh muß ich fort. Noch diese Nacht behalten Sie mich, gute Neva!"
Die Alte schüttelte traurig den Kopf.
„Sie können nicht gehen, Kind . ."
„Warum nicht?"
„Sie sind 'nun bewacht. Man ließe Sie nicht über die Schwelle des Palastes . . ."
„Oh! — Ich bin keine Sclavin ... ich bin nur hierher verlockt . . ."
„Der Rajah Dholib hat befohlen, Sie seien gekauft. Es steht Ihnen nur noch frei, entweder sich als Wittwe das Haar abschneiden zu lassen und in ewiger Verbannung in einer Hütte zu leben, oder zu den anderen Frauen in sein Senana zu gehen. Dort gebricht es Ihnen an nichts, Sie haben schöne Kleider und Schmuck, können Stunden lang vor dem Spiegel sitzen, im Bade zubringen, in den Gärten wandeln, Süßigkeiten naschen, haben nichts zu arbeiten den ganzen Tag. Der Rajah ist ein ganz unwirrscher Mensch, der gleich den Scimetar zieht und einen niedersticht, aber wenn Sie klug sind, können Sie ihn weich machen wie Wachs und schmiegsam wie eine Liane. Sie sind ja schön!"
„Nicht weiter!" rief Bella entrüstet. „Ich will solche Worte nicht anhören! Sie beleidigen mich! — Der Rajah
soll kommen und ich werde es ihm ins Gesicht sagen, daß ich ein freies Mädchen bin, und er soll mich ziehen lassen! Ich verachte sein goldenes Sclavenloos, wie die schändliche Schmach einer unglücklichen indischen Wittwe!"
Neva blickte mit fast spöttischem Mitleid auf die kühne Sprecherin.
„Armes Kind," sagte sie, „was nützt es Ihnen, sich zu erzürnen! Sie werden den Rajah nicht zu Gesicht bekommen, bis Sie sich seiner Gnade gefügt haben. Man wird Sie zwingen . . ."
„So will ich gleich hinaus!" erwiderte Bella, von Angst ergriffen. „Lieber in dunkler Nacht mich verirren, als hier noch länger verweilen . . ."
Sie wollte forteilen. Neva faßte sie sanft an der Hand. „Versuchen Sie es nicht, Kind, um Ihrer selbst willen! Die Wächter würden Sie packen oder niederstechen! Es ist unmöglich, mit Gewalt durchzudringen! Ich rathe Ihnen aus ehrlichem Herzen, bleiben Sie hier ruhig, besinnen Sie sich über das, was Sie für Ihre Zukunft erwählen wollen! Die Stille der Nacht wird Ihr Gemiith sänftigen. Ich bin zu schwach, als daß ich Ihnen anders helfen könnte wie mit Trost!"
Sie zog sich zurück. Bella blieb allein. Stolzer Zorn, Angst, weher Schmerz rangen in ihrer Seele. Lange verharrte sie regungslos, vor sich hinstarrend, mit krampfhaft verschlungenen Händen auf ihrem Sitze. Dann sprang sie auf und ging auf den Balkon hinaus. Sie blickte in die Tiefe.
„Nein, lebendig sollen mich die Schurken nicht haben," flüsterte sie zwischen den Zähnen. „Wenn Sie kommen, mich zu holen, stürze ich mit dahinunter auf die Steinplatten..."
Sie ging wieder ins Zimmer zurück, setzte sich in den Divan und versank in düsteres Brüten. Ihre Gedanken quälten sich ab, einen rettenden Ausweg zu finden, doch Alles, was sie ersann, erschien hoffnungslos. Der volle Mond zog herauf und machte die Nacht fast taghell. Sie blickte vor sich hin, bis die Ermüdung über sie kam und ihr die Augen zufielen. So entschlummerte sie, ohne ihr Lager aufgesucht zu haben. Und der entsetzliche Traum kam wieder, sie sah den Mann mit gezücktem Stahle vor sich . . . Plötzlich schrak sie aus dem Traume empor, wie von etwas Unheimlichem berührt. Sie öffnete die Augen. Ein Schatten bewegte sich an dem offenen Eingänge des Gemachs. Da schrie sie auf und sprang von ihrem Sitze. Der Schatten machte ein Zeichen mit dem Arme. Sie erkannte jetzt deutlich einen Mann von hoher Gestalt.


