Ausgabe 
11.5.1897
 
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1897.

ritv-ta- bei 11. Mal,

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Fata Morgana.

Novelle von H. Rens.

(Fortsetzung.)

Mein Lieb, mein Leben, nicht diese nutzlose Selbst­quai," bat er zärtlich.Laßt uns doch froh werden unserer jungen Liebe. Warum Schatten heraufbeschwören, wo wir doch noch im goldenen Frühlicht wandeln."

Er hatte sich vor ihr auf die Kniee geworfen und seinen Kopf ihr in den Schooß gelegt.

In leisem, zärtlichen Spiel glitten ihre Finger durch sein blondes Haar.

Ach, könnte ich doch mein Glück laut hinausjubeln in bic Welt," dachte sie.Ob ich mit Onkel Doetor davon spreche?"

Da erklangen im Laubgaug wuchtige Schritte und kaum daß der Doetor aufgesprungen, schob sich Christians vier­schrötige Gestalt in den Eingang.

Mit Verlaub," sagte er, die Mütze in der Hand zu­sammendrückend.Aus Neuhof ist ein Bote gekommen. ®em August seinen Aeltesten, den gnädige Frau so um Dstern herum als Ochsenjungen in den Dienst genommen, den hat die Krankheit nun auch erwischt. Das Fieber soll chn nur so schütteln und dabei brennt's ihm im Kops, als er auf Muttern ihr Kohlenb.cken sitzen möchte. Die Krausen sagte, daß wir den Herrn Doetor wohl noch im Garten finden würden. Da bin ich zuerst in die Stadt hinein."

vielleicht kann mich der Mann gleich hinüberfahren, leben Sie wohl, gnädige Frau!"

Er war gegangen, und sie lauschte lächelnd seinen ver­hallenden Schritten. Welch ein Wiedersehen würden sie

jOM it dem Klagen, mit dem Zagen, Wie verdirbst Du's auch so oft! Lerne Trübes heiter tragen, Und Dein Glück kommt unverhofft!

Was lehrt das Leben? Gieb Mir bündigen Bescheid!" Hingeben, was Dir lieb, Hinnehmen, was Dir leid.

Geibel.

Heyse.

morgen feiern, mit wie viel tausend unruhigen Pulsschlägen sie seines Kommens harren?

Endlich ging auch sie ins Haus. Die Dienerschaft, die noch aus der Hoftreppe plaudernd zusammengestanden, zerstob bei ihrem Nahen, alle Fenster waren dunkel, nur ans des Onkels Krankenzimmer fiel ein matter Lichtstreif über den Weg.

Sie ging an diesem und ihrem Schlafzimmer eilig vorüber. Nur heute nicht ruhen, mit dieser Glücksfülle im Herzen nur nicht schlafen.

In der alten, trauten, großen Wohnstube, in der der verklärte Geist der Mutter sie noch umschwebte, dort wollte sie ihn ausklingen lassen den holden Traum der ersten, ver­späteten Liebe.

Weit öffnete sie die Fensterflügel, silbern spiegelte sich die Mondscheibe im stillen See, und ein leiser Windhauch trug Rosen- und Jasminduft zu ihr hinein ins Zimmer.

Sie war in die Kniee gesunken und genoß tiefathmend den geheimnißvollen Zauber dieser ambrosischen Sommernacht.

Still und stiller wurde die Natur, selbst das Quaken der Frösche in den schlammigen Teichen verstummte allmäiig, und nur die Stimme des Wächters, der im Städtchen die Stunden abrief, klang über den See deutlich zu ihr hinüber.

Welch farbenprächtiges Zukunftsbild dabei in ihrer Seele erwachte, sie mit nie geahnter Seligkeit erfüllte. In einer jener elenden Gaffen, über welchen gerade jetzt der Mond stand, würde sie später, an feiner Seite, gestützt und getragen von seiner Liebe wohnen. Als bescheidene Doetor- frau wollte sie für ihn sorgen, ihm ein köstliches Heim schaffen, in dem er gern ausruhete von den Mühen seines Berufs. Hingebende Zärtlichkeit sollte er finden. Ach ihr ganzes Leben mußte ja fortan nur Dankbarkeit sein dafür, daß er sie liebte.

Sie hatte die Hände auf das hämmernde Herz gedrückt, wie in leisem Flüstern bewegten sich die Lippen, während die Augen groß und feucht in den offenen Himmel hinein zu schauen schienen.

So vergingen die Stunden. Die Nachtigall schwieg, langsam erwachten andere Vogelstimmen, leise röthete es sich im Osten, feurige Strahlen, Vorläufer der Sonne, durch­zuckten den Horizont. Ent kühler Luftzug trieb Nebel und Wolken auseinander, allmälig lichtete sich die Finsternis;, immer deutlicher traten einzelne Gegenstände hervor, nun traf funkelnd der erste Sonnenstrahl das goldene Kirchthurm­kreuz ; ein neuer Tag war angebrochen.

Therese eihob sich von ihren Knieen.Er liebt mich ja, das muß mir genug sein," sagte sie mit fester Stimme.