Ausgabe 
11.2.1897
 
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Aber wo sind die Beweise dafür?" entgegnete ich. ..Die Sehnsucht des Menschen, für alle Unbilden, alle Bitter­nisse, die er auf Erden erleidet, dereinst entschädigt zu werden sie allein zaubert ihm ein Paradies jenseits dieser Erde vor, die er niemals verlassen kann. Kam je ein Leichnam aus der Gruft gestiegen, der Meldung that von der Ver­geltung?" , , _ ..

Sie haben aber auch", wandte er ein,keine Bewerfe für die Nichtexistenz einer Geisterwelt. Ob freilich eine Be­rührung derselben mit der materialistischen Welt möglich ist, wer will das behaupten? Man sagt aber, und zwar ist das ein alter Volksglaube, daß im Augenblicke des Todes, wenn die Seele die irdische Hülle verläßt, sie sich fernen Lieben, an denen das Herz des Sterbenden im Leben gehangen, offen­baren kann." , , . ,

Theurer Freund", sagte ich da,mir kommt soeben ein Gedanke. Lassen Sie uns vor dieser Stätte des Todes eine Verabredung für die Zukunft treffen: Derjenige, der von uns zuerst stirbt, möge in der Scheidestuade dem Ueberlebenden ein Zeichen geben wenn dies möglich ist."

Einverstanden", rief er, und am Kirchhofsthor bei nun ganz Hellem Mondenschein wurde die Abrede getroffen und mit Händedruck bekräftigt.

Herbst und Winter vergingen, Ostern nahte heran. Wir hatten unsere Spaziergänge fortgesetzt, so lange die Witterung dies nur gestattete, und hofften nun dem Frühling entgegen. Da, am Charsreitag erkrankte mein Freund. Er hatte bei scharfer Luft eine Fahrt über Land zu einem Kranken gemacht und sich dabei heftig erkältet. Fieber trat ein, und allmählich zeigten sich die Erscheinungen des Typhus. Ich besuchte meinen Freund an den Nachmittagen, die sonst unseren Spaziergängen gewidmet waren. Wir sprachen in den ersten Tagen, so lange der Geist des Kranken noch klar war, über die allerverschiedensten Dinge nur von dem Tode und unserem angesichts der Todesstätte getroffenen Abkommen war niemals die Rede.

Am Abend vor dem Himmelfahrtstage, Anfang Mai, kam ich, von meiner nunmehr einsamen Nachmittagswanderung heimkehrend, an K.s Wohnung vorüber. Ich hatte ihn in den letzten Tagen wohl-sehen aber nicht sprechen können, da das Fieber ihm die Klarheit des Geistes genommen. Der Zustand war immer schlimmer geworden die Katastrophe stand bevor. Ich wollte eben das Haus betreten als sich die Hausthür öffnete und der ordinierende Arzt des Kranken, eine mir genau bekannte Persönlichkeit, auf der Schwelle erschien.

Wie steht es mit unserem Freunde?" fragte ich mit bebender Stimme.

Schlecht," war die Antwort,ich habe die Familie auf das Schlimmste soeben vorbereitet. Er liegt bereits in der Agonie in einigen Stunden ist es zu Ende."

Und gibt es keine Rettung, bester Doctor?"

Keine!" Er reichte mir die Hand zum Abschied und verschwand.

Es war acht Uhr Abends. Unter diesen Umständen in die Familie des Sterbenden einzudringen verbot sich von selbst, und ich ging nach Hause. Doch soviel ich mich auch mühte, meine ob des Schicksals meines Freundes heftig erregten Nerven zu beruhigen es gelang nicht. Träge zog der Abend sich hin. Endlich forderte die Natur doch ihr Recht, und ich begab mich gegen elf Uhr zur Ruhe und schlief auch bald darauf fest ein.

Nach wenigen Stunden fuhr ich jäh empor. Mir klang's im Ohr als hätte Jemand meinen Namen gerufen. Ich saß aufrecht im Bett und blickte mich verwundert um. Heller Mondschein durchfluthete das Zimmer die Fensterkreuze zeichneten sich deutlich am Fußboden ab. Und wie mein Bitt! nun ungefähr auf die offene Thür fällt, die in das Empfangs­zimmer führt da da Entsetzen sträubt mir das Haar steht in dem Thürrahmen, hell vom Mondlicht um­

wallt, mein Freund K.! Er blickt mich freundlich-traurig an, und seine Rechte erhebt sich und winkt mir zum Abschied! Ich springe vom Bett auf und zünde, heftig zitternd, ein Licht an da ist die Erscheinung verschwunden. In demselben Augenblick schlägt es vom nahen Kirchthurm zwei Uhr.

Wie gedachte ich da der vor dem Friedhof getroffenen Verabredung! Daß mein Freund soeben verschieden war, daß er selbst mich das angezeigt, unterlag sür mich in dieser Stunde, die ich wachend zubrachte, keinem Zweifel.

Gegen Morgen klingelte es bei mir. Das Dienstmädchen meines Freundes stand vor der Thür:Eine Empfehlung von der Frau Pastorin K. und der Herr Pastor ist diese Nacht um Punkt zwei Uhr entschlafen."

Das ist eine sehr erklärliche Sache, wird vielleicht der Leser sagen. K.s Freund hat sich, nachdem er erfahren, daß K. nur noch wenige Stunden zu leben habe, in seinen Ge­danken ausschließlich mit dem unvermeidlichen Tode des Freundes beschäftigt. Dann ist er müde zu Bett gegangen, aber das erregte Gehirn verarbeitete den angesponnenen Gegenstand weiter und so kam es, daß der Schläfer plötzlich seinen Freund im Traume sah.

Dem steht entgegen, daß ich meinen tobten Freund in der That mit meinen leiblichen Augen in seinem gewöhnlichen An­zuge gesehen habe, aber auch wenn man das als Hallucination bezeichnen wollte, bliebe immer noch der Umstand unerklärt, daß ich gerade in dem Augenblicke erwachte und die Erscheinung erblickte, als mein Freund gestorben war.

Gemeinnützige».

Der Hühnerstall im Winter. Zur Erzeugung einer wärmeren Stalltemperatur ist es erforderlich, daß der Fuß­boden mit einer trockenen Streu bedeckt wird. Solche Streu ist aber auch nöthig gegen die Ausbildung des Kothes. Bon Streu oder Heu ist abzurathen, weil diese Einstreumittei die Fäulniß begünstigen und die Ausdüstungen vermehren. Be­sonders geeignet ist Torfstreu, weil sie den Fußboden warm hält und die Ausdüstungen bindet. Statt Torfstreu kann auch trockener Sand und trockene Erde genommen werden- doch verdient Torfstreu den Vorzug. Torfstreu saugt die flüssigen Bestandtheile der Kothauswürfe auf und verhindert so die Erzeugung von Gestank, der sich sonst in den Hühnerställen entwickelt. Wird der Boden mit Sand oder mit trockener Erde bestreut, so muß der Stall wöchentlich ausgemistet und gut gelüftet werden. Das Bestreuen des Stallbodens mit hitzigem Pferdemist kann nicht gutgeheißen werden.

Das Reinige« und Auffrischen von Pelzsachen. Man nimmt Roggenkleie, macht sie in einem Topf unter- stetem Umrühren so heiß, als es die Hand ertragen kann, schüttet die so erhitze Kleie auf den Pelz und reibt letzteren damit nach Kräften ein; hierauf bürstet man denselben mit einer reinen Bürste aus oder besser, man klopft ihn so lange, bis alle Theilc der Kleie entfernt sind; der Pelz erhält da­durch seinen früheren natürlichen Glanz und es werden selbst weiße Pelze wie neu. Dieses Verfahren, welches allgemein in Rußland gebräuchlich ist, verdanken wir dec Mittheilung eines Ingenieurs, welcher längere Zeit dort gelebt hat.

Literarisches

Reform der Frauenkleidung. Die stete Entwicklung der Frauenemancipation und die Thatsache, daß sehr viele Frauen nun­mehr in Berufen thätig sind, die früher nur den Männern reserviri waren, hat auch die Reform der Frauenkleidung vielfach zum Gegen­stand der öffentlichen Discussion gemacht. Die »fBietltt Mode har in ihrer großen Jubiläums-Preisconcurrenz (Preise im Gesammtwertye von 10,000 Kronen' Preise für eine neue Frauenkleidung, die allen Ansprüchen der Hygiene und practischen Verwendbarkeit genügt, aus­gesetzt. Das eben erschienene Heft 10 derWiener Mode" enthält die Bedingungen dieser Concurrenz, sowie das Programm der übrigen m- teressunten Preisausschreibungen.

Redaction: 8. Scheyda. Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schehda) in Ätejen.