Ausgabe 
11.2.1897
 
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Ws Liedes

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als fürchte er ihre Nähe. Sie überlegte noch einen Augen­blick und schaute flüchtig zu den Gestalten einiger Spazier­gänger hinüber, die in der Ferne herankamen.

Wenn es Dir recht ist, könnten wir auch ein wenig weiter gehen zu einem einsameren Platze. Ich habe mit Dir zu sprechen."

Wieder gab er keine Antwort, sondern erhob sich nur und blieb, als sie nun weiterging, ein wenig hinter ihr zurück. So kamen sie, an der Böschung des Walles hinuntersteigend, zu einer abseits gelegenen Bank- wie von oben, konnte auch hier der Blick frei hinaus in eine freundliche Ferne schweifen.

Wie schön die Welt heute ist!" sagte Frau Ina, indem sie sich niederließ. Es war ihr, als müsse sie sich Muth machen durch diese Worte und durch einen Blick in das durchsichtige, blaßgoldene Himmelsgewölbe, auf das verjüngte, sich regende Leben um sie her.

Georg folgte ihren Blicken nicht- er wandte das Gesicht zu ihr hin mit dem Ausdruck eines fragenden Staunens, als könne er nicht verstehen, wie ein Mensch von der Schönheit der Welt zu reden vermöge. Dann schüttelte er langsam den Kopf und wandte seine Augen wieder von ihr hinweg, um sie nun starr in die Ferne zu richten. Aber er sah nichts von dem Glanz des ersterbenden Tages, nichts von dem Hellen Wiederschein der Wasserlachen, die aus gelbgrauen Wiesenflächen gleich klaren Augen der Landschaft zu ihm emporleuchteten, nichts von den schwellenden Knospen um ihn her, von dem grünen Schimmer auf den wintersdunklen Tannen, von dem bläulichen Frühlingsdunst auf den Bergen am Horizont.

Er hatte sich zu ihr gesetzt, aber wieder hatte er ver­mieden, ihr nahe zu kommen. Und auch jetzt überließ er es ihr, das erste Wort zum Beginn ihres ernsten, vielleicht über beider Leben entscheidenden Gesprächs zu finden.

Ich hatte gehofft, Du würdest heute zu mir kommen," sagte sie ruhig und freundlich, ohne einen Ton des Vorwurfs. Du weißt doch wohl, was ich gestern erlebt habe?"

Er nickte und machte einen vergeblichen Versuch zu sprechen. Dann benetzte er die trockenen Lippen mit der Zunge und brachte nun endlich ein paar Worte hervor. Ich weiß eS und wäre gekommen."

Aber wann? Ich habe mich so nach Dir gesehnt!" Heute Abend, ja, vielleicht heute Abend. Ich weiß es nicht genau."

Und wenn Du gekommen wärst, was hättest Du mir gesagt?"

Von Dir wollte ich hören." Das war Alles, was er mühsam, nach erneutem Kampfe hervorbrachte. Sie blickte ihn schweigend, voll Mitleid an- das Herz that ihr so weh, wenn sie diesen Ausdruck untilgbaren Schmerzes auf seinen Zügen fand! Nach einer Pause erst begann sie wieder zu reden.

Du hast recht, und ich will Dir sagen, was Du ver- muthlich von mir hören möchtest. Ich glaube nicht an das Gespenst, das ich gestern gesehen habe. Für. ein paar Stunden bin ich schwach gewesen- die Herrschaft über meinen Körper und meinen Geist war mir für kurze Zeil verloren gegangen. Jetzt aber bin ich wieder ich selbst und nun sehe ich so klar wie immer. Es giebt keine Geister. Was mich gestern erschreckt hat, war vermuthlich ein absichtlicher Betrug, dem ich noch einmal auf die Spur zu kommen hoffe. Ich glaube nicht an den Spuk und ich fürchte mich nicht mehr davor."

Betrug?" Er blickte fast zornig zu ihr hinüber, mit brennenden Augen und gerunzelter Stirn.

Betrug oder Täuschung oder Einbildung, ich weiß es nicht und ich frage auch heute nicht darnach. Daß es keine Macht über mich hat, das ist mir die Hauptsache. Und solche Macht, wie gestern, wird es nicht wieder gewinnen. Du hast einmal gefragt, ob ich auch dann noch an meiner Liebe zu Dir festhalten würde, wenn der Geist meines Mannes zwischen uns träte. Nun ist er ja gekommen- für ein paar

Stunden wenigstens habe ich an ihn geglaubt, ein Zufall ober mein Schicksal hat mir die Probe auferlegt, von der Du gesprochen hattest. Aber glaube mir, in allen Qualen und Zweifeln dieser Nacht ist meine Liebe zu Dir nicht chwächer geworden, und heute weiß ich wieder so fest und leftimmt wie je zuvor: der Tod hat kein Recht an das Leben. Mein Versprechen bindet mich nicht, ich bin frei vor mir elbst, und darum lasse ich nicht von Dir! Aber nun gieb mir auch Deine Hand, bleib' mir zur Seite, laß' uns nicht chwach und feige sein"

Schwach und feige?" Er war emporgesprungen, als hätte ein Peitschenhieb ihn getroffen. Heftig athmend, mit geballten Händen stand er vor ihr.Nennst Du die Stärke les Gewissens eine Schwäche? Mir ist sie es nicht, Gott sei es gedankt! Mir ist sie die einzige Waffe in dieser Noth und Versuchung. Ich bin, was ich bin, durch Geburt und Erziehung, und ich kann nicht mit einem Male in die vier Winde werfen, was mir theuer und heilig gewesen ist, solange ich denken kann. Ich müßte den Glauben an meinen Vater, an meine Muter, an meinen Gott verleugnen, wenn ich den Wortbruch gutheißen und rechtfertigen wollte. Ich kann es nicht und werde es niemals können- und darum"

Er hatte doch nicht den Muth, zu vollenden. Sie that es statt feiner.Und darum müssen wir uns trennen, nicht wahr?"

(Fortsetzung folgt.)

Der letzte Gruß.

Em Erlebniß von Oscar Elsner.

(Nachdruck verboten.)

Während meines Aufenthaltes in L., einer märkischen Stadt von damals 24000 Einwohnern, trat , ich in ein inniges Freundschaftsverhältniß zu einem der dortigen Geistlichen, dem Diakonns K. Er war eine frische, lebendige Persönlichkeit von etwa 30 Jahren, verheiratet und Vater zweier Kinder. Das politische Leben intereffirte ihn, er nahm lebhaften An­teil daran. Religiös stand er auf dem Boden positiven Glaubens, ohne sich aber selbstständigen Denkens und Forschens zu begeben. Ein Menschenfreund in des Wortes bestem Sinne, suchte er Noth zu lindern, Thrane» zu trocknen. Er hatte, wie man zu sagen pflegt, ein goldenes Herz.

Gewöhnlich am späteren Nachmittag machten wir einen Spaziergang in die Umgebung der Stadt, wobei oft die tief­sinnigsten Probleme des Menschendaseins besprochen wurden. Seine ungewöhnliche Vielseitigkeit und sein reger Geist machten ihn stets anregend.

Eines Tages im Spätherbst waren wir nach einem ent­fernteren Dorfe gewandelt. Die düstere Naturstimmung brachte uns auf die Erörterung des ThemasSterben Fortleben nach dem Tode". Was ist darüber nicht schon gesagt und geschrieben worden! Bezüglich des Fortlebens" äußerte ich gelinde Zweifel und berief mich u. a. auf die Argumente unserer großen wissenschaftlichen Materialisten. Mein Freund hörte alle- gleichmüthig an­bei ihm stand die Fortexistenz der Seele nach dem Tode des Leibes fest.

Im Verlauf dieses Gespräches waren wir auf dem Heimwege an den auf einem Hochplateau gelegenen großen Friedhof der Stadt gekommen, an dem die Landstraße vorüber führt. Der Mond ging eben auf und streute sein fahles Licht über die Landschaft. Düster ragten die alten Bäume des ummauerten Gottesackers empor, herbstlicher Wind fuhr durch die Wipfel. Vor dem großen eisernen Gitterthore blieben wir stehen. Da blinkten die metallenen Kreuze auf den Gräbern im Mondlicht tiefstes Schweigen lag über den Grüften.

Und alles sollte umsonst gewesen sein, alles Leben und Wirken, nichts sollte vom Menschen übrig bleiben als ein Grabhügel? Nein, nein, mein Lieber, es gibt eine Welt jenseits des Grabes." So sprach mein Freund.