Ausgabe 
10.8.1897
 
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Das Kind der Tänzerin.

Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.

(Fortsetzung.)

Im nächsten Augenblick hörte ich ihn die Treppe hinab­gehen. Ich sank neben dem leeren Korb nieder, verbarg mein Gesicht in der Schürze und ließ meinen Thränen freien Lauf. Ich sollte eine Schule besuchen Lehrerin werden! Der Ehrgeiz erwachte in mir. Das Leben zeigte sich mir von seiner heiteren Seile Ach, diese Aussicht war zu schön, um daran zu glauben!

Tage vergingen. Er sprach nicht wieder mit mir, er war nur selten im Gasthof und kam blos, um zu essen und zu schlafen- allein er lieh mir Bücher, und Mercy Poole fing an, mich mehr als Gast denn als Dienerin zu behandeln. Es war klar, daß er ihr seine Pläne in Bezug auf mich mitgetheilt hatte.

Mittlerweile herrschten Glück und Freude in Greylock Woods. Wie erfuhren im Gasthof Alles, was dort vorging. Mit unaussprechlicher Theilnahme vernahm ich, daß Miß Greylock ihre Gesundheit und ihren englischen Freier wieder­erlangt hatte und daß sie Sir Gervase heirathen und mit ihm nach der alten Welt ziehen sollte.

Golt sei Dank!" dachte ich, als ich Nachts in meinem Bette lag und den Sturmwind um den Gasthof heulen hörte. Ihr Glück ist jetzt gesichert. Sie ist zwar die unschuldige Theilhaberin an einem großen Betrug, aber ist sie erst die Gattin des Baronets, so kann ihr kein Leid mehr wider­fahren, denn er liebt sie und wird sie ihr ganzes Leben hindurch schützen und schirmen. Obwohl ich sie vielleicht nie

Him-ta- de« 10. August

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erbrich des Kleinmuths träge Fesseln!

4 Um Ziel und Preis mußt Du Dich müh'n! Es träumt sich Mancher fest in Nesseln, Jndeß ringsum die Rosen blüh'n.

Anna Nitschke.

Ist Dir auch die Kindheit ferne, Halt' die Stirne faltenrein, Und von Lerch' und Blumen lerne Du die Kunst, beglückt zu sein!

E. Rittershaus.

wieder sehen darf, wird es doch meine höchste Freude sein, zu erfahren, ob sie mit dem Manne ihrer Wahl glücklich lebt."

Eines Morgens erschien meine Schwester nein! so darf ich sie nicht nennen erschien die Erbin von Greylock Woods mit Sir Gervase in einem prächtigen Schlitten vor dem Gasthof. Die Beiden stiegen aus, betraten das Haus und fragten nach mir. Ich eilte nach dem Empfangszimmer.

Da stand Miß Greylock, in Sammet und kostbare Pelze gekleidet, und sah so schön und lieblich aus, daß ich unwill­kürlich auf der Schwelle stehen blieb und sie mit stummer Bewunderung betrachtete. Kaum hatte sie mich erblickt, als sie auf mich zueilte, mich umarmte und mich auf beide Wangen küßte.

Dann ergriff sie mich bei der Hand und führte mich mit Thränen in den Augen zu dem Baronet.Gervase!" sagte sie,das ist das gute, brave Mädchen, das sein eigenes Leben auf's Spiel setzte, um mir das meinige zu retten."

Daß er nicht nur ein Edelmann, sondern in der vollsten Bedeutung des Wortes ein edler Mann war, ersah ich auf den ersten Blick. Er ergriff meine beiden Hände, drückte sie freundlich und dankte mir mit einem einfachen Ernste, der mir zu Herzen ging.

Meine liebe Polly," sagte Ethel Greylock,ich komme, um Sie dringend zu bitten, meiner Trauung beizuwohnen. Blicken Sie nicht so erstaunt drein! Mein Glück würde nicht vollkommen sein, wenn Sie bei der Ceremonie nicht zugegen wären. Sir Gervase weiß, wie positiv meine Wünsche in diesem Punkte sind."

Der Baronet erklärte mit ruhigem Lächeln:Ich weiß es und bin überzeugt, daß Deine edle Freundin, der Du nur allein Deine Rettung verdankst, Dir diese Bitte uicht abschlagen wird. Ihre Gegenwart bei unserer Trauung wird mich nicht minder freuen als Dich."

Miß Greylock legte mir nun schmeichelnd die Hand auf die Schulter und bat:Nicht wahr, Polly, Sie kommen nach der Kirche, um meiner Trauung beizuwohnen? Bedenken Sie nur, wie ernstlich ich es wünsche, da ich den Baronet mitbringe, um meine Bitte zu unterstützen! Ich kann Ihnen versichern," fügte sie lachend hinzu,daß ich keine meiner anderen Freunde auf diese Weise auszeichnete."

Wie sie so in ihrer Schönheit und ihrem Glücke dastand, brannte ich vor Verlangen, sie in meine Arme zu schließen und an mein Herz zu drücken, wie in den Tagen, da wir Beide kleine Straßenvagabunden waren. Sie war meine