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allerdtngS solche echt menschlichen Beziehungen nicht aufkommen - denn man trennt sich schon, ehe man sich kennen gelernt hat, und dieser Umstand ist ein Krebsschaden der modernen Zeit. Von Kindern dulde man keinerlei Keckheiten gegen Dienstboten, auch haben dieselben keine Befehle zu ertheilen, sondern sich anständig und achtungsvoll, wie es Unmündigen Erwachsenen gegenüber gebührt, zu benehmen.
Dasselbe, was von den Herrschaften gesagt ist, gilt auch von den Dienstboten. Auch sie treten oft mit Illusionen in die neue Stellung und manche glauben, die Herrschaft zu täuschen, indem sie sich Kenntniffe andichten, die sie nicht oder mangelhaft besitzen. Ein rechtschaffenes Mädchen möge ohne Scheu sagen, was eS leisten kann, gebe sich nicht alS Köchin aus, wenn es kaum einen richtigen Kaffee zu kochen versteht, behaupte nicht, in der Kinderpflege bewandert oder im Plätten und Flicken tüchtig zu sein, wenn dies nicht der Fall ist rc. Es bedenke, daß die Wahrheit ja doch in wenig Tagen an's Licht tritt und es dann als Lügnerin dasteht. Hat das Mädchen auch noch schwache Kenntnisse, zeigt aber dabei Eiser und guten Willen, sein Wissen zu vermehren, so wird es sich die Zuneigung der Frau erwerben und sich einen dauernden Verbleib sichern. Nie soll es in gerechten Dingen den Gehorsam verweigern und an den häuslichen Einrichtungen der Herrschaft nicht mäkeln, denn jedes Haus ist eine Welt für sich, har seine besonderen Charactere, Gewohnheiten, Verhältnisse, und ist es zwecklos, dasselbe mit anderen zu vergleichen.
Ist ein Mädchen in einen geordneten achtbaren Hausstand eingetreten, in dem man Untergebene nicht als Maschinen ansieht, die man nach Kräften auszunutzen hat, sie nicht planlos von einer Arbeit zur anderen jagt, ohne daß die erste vollendet sei, nicht fortwährend poltert oder eisige Mienen aufsetzt, sondern Mitgefühl und Nachsicht zeigt, so sei dasselbe dankbar und froh, einen sicheren Hafen gefunden zu haben, sei bemüht, den Vortheil und das Interesse der Herrschaft zu wahren und lasse sich nicht verleiten, vielleicht eines höheren Lohnes willen bald wieder sein Bündel zu schnüren. In einem geregelten Hausstande wird sich ein Mädchen doch eher etwas ersparen, als in einer tollen Wirthschaft, denn daS Beispiel thut auch hier wie überall das beste.
Ebenso geziemt es Untergebenen, über die Vorgänge in ihrem Diensthause zu schweigen, über dessen Verhältnisse sich kein Urtheil zu erlauben und Mitgefühl und Theilnahme zu zeigen, wenn schwere Schicksale an die Herrschaft herantreten. Die Haupt Errungenschaften während der Dienstzeit eines Mädchens soll diese stets vor Augen haben: die Erweiterung ihres Wissens, welches ihr ja in ihrem späteren eigenen Hausstande zu gute kommt, und die Erwerbung eines kleinen Capitals. Dies ist bei weitem wichtiger, als daß ein Mädchen oft schon in ganz jungen Jahren sich ein sogenanntes „Verhältniß" zulegt, welches selten einen reellen Zweck hat und nur zu häufig zum Unglück führt. Kommen die Jahre und hat sich ein Mädchen etwas erspart, dann wird sich wohl auch ein brarer Mann stnden, der Tüchtigkeit zu schätzen weiß.
Ergänzen sich also in vorerwähnter Weise Herrschaften und Dienstboten, dann wird auch das frühere, schönere Ver- hältniß zwischen den beiden aufeinander angewiesenen Menschenklassen zuiückkehren und beide Theile werden sich wohl dabei fühlen. Auch ziehe die Hausfrau gerechter Weise in Betracht, daß die Dienstboten zumeist aus kleinen, untergeordneten Verhältnissen stammen, eine einfache Erziehung genossen haben, kurz, auf einer Culturstuse stehen, daß sie die leichte Faßlichkeit nicht haben können, wie die Hausfrau oder deren Töchter. Schwer ist es, einer Frau zu dienen, die wenig oder nichts vom Haushalte versteht und keinen richtigen Maßstab zur Beurtheilung der Leistungen ihrer Untergebenen hat. Sie kennt weder den Werth, noch die ungefähre Zeitdauer einer
Arbeit und verlangt oft Unmögliches. Einet unserer neueren Dichter sagt irgendwo:
„Ich halt' ein Glück, daS ich höher schützte
Als alles Gold in Perus Ebene: Ich hatte niemals Vorgesetzte Und nümals Untergebene!"
Wahrlich! Eine Ausnahmestellung, deren sich nur wenig Menschen erfreuen dürfen!
Für die Andern aber sei der Grundsatz maßgebend: „Wer gute und würdige Dienstboten haben will, der zeige sich selbst gut und würdig!" Dann wird er schon finden, was er sucht! Der Bevorzugtere, namentlich die Frau, sei nach, sichtig und großmüthig, gerecht und billig und lege der dienenden Klasse nicht blos Pflichten auf, sondern respectire auch deren Rechte, dann ist das Mittel gefunden, sich gute Tienst- boten, die ja gewiß Vieles zur Wohlfahrt und Zufriedenheit des Hauses beitragen, heranzubilden und nicht in der traurigen Lage zu sein, fortwährend andere Gesichter um sich zu sehen.
Mathilde Rieger.
Gsineinnrrtzig-S.
Verwahrloste Zwergväume. Die Zwergobftcultur wird nur in wenigen Fällen richtig betrieben. Namentlich wird in Bezug auf den Schnitt dieser Bäume viel gesündigt. Wir wollen hier nur Einzelnes herausgreifen und eine kleine Anweisung geben zum Schnitt bei solchen Zwergbäumen, die schlechtes Fruchtholz, d. h. lauter Weidenköpfe, hervorgerufen durch zu kurzen Schnitt, haben. Hierbei muß unter gänzlicher Entfernung der Weidenköpfe ein mäßiges Wachsthum an diesen Stellen hervorgerufen werden. Diese Arbeit darf jedoch nur nach und nach geschehen, da sonst immer wieder starker Holzwuchs an diesen Stellen entstehen würde, weil der Saft einmal seinen Weg dahin genommen Ejat; man verteilt die Arbeit deshalb am besten auf drei Jahre. Jedes Jahr entfernt man ein Drittel und zwar die stärksten Weidenköpfe zuerst, indem man dieselben auf Astring setzt, das heißt ungefähr 2 bis 3 Millimeter vom Ansätze am Aste stehen läßt. Es empfiehlt sich, den Schnitt bei solchen Bäumen spät im Frühjahre, wenn bereits die Saftbewegung eingetreten ist, auszuführen, damit möglichst viel Saftverlust entsteht. Von den sich an diesen Stellen im Laufe des Sommers entwickelnden Trieben läßt man nur den schwächsten stehen, entfernt die übrigen so bald als möglich und entspitzt den stehengebliebenen, sobald er eine Länge von ungefähr 10 bis 12 Zentimeter erreicht hat. Um diese Zweige baldmöglichst in Fruchtbarkeit zu bringen, ist es Hauptsache, durch Bildung eines kräftigen Verlängerungstriebes dem Safte Ableitung zu verschaffen, was man durch jährliches Zurückschneiden der Leitzweige auf eine kräflige Holzknospe erreicht.
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Um recht schönen Galat zu ziehen, muß der Same auf gutem Boden dünn ausgesäet werden. Wenn man olle 14 Tage eine kleine Aussaat davon macht, so hat man den ganzen Sommer hindurch jungen Salat. Wenn derselbe sieben bis acht Blätter hat, muß er behutsam ausgehoben und verpflanzt werden. Dies geschieht am besten nach einem Regen, andernfalls muß man ihn tüchtig begießen, damit er anwächst. Um den Salat recht zart zu erhalten, muß man den Boden häufig anfhacken und bei trockenem Wetter recht oft begießen. *
Strickzeug rein zu hatten. Um zu verhindern, daß das Strickzeug durch den Handschweiß nicht schmutzig un unansehnlich wird, räth man an, die Hände mit etwas Speck- stein einzureiben.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UuiversitütS-Buch- und
Steindruckerei (Pietsch » «ch°Yd«) m Ließen.


