Ausgabe 
10.4.1897
 
Einzelbild herunterladen

1897.

m

WWW !# iMr

i H l' UEÖ

W s

ris

M

lk aäl?

Jäte®

»MN MW mhLj|liu,u..

'ffimam man nichts Unrechtes thnt, Das ist schon ganz gut; Es heißt aber auch nun

Etwas Rechtes thun. Alb. Roderisch.

Dreisach ist der Schritt der Zeit:

Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,

Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, Ewig still steht die Vergangenheit.

Ihre erste Liebe.

Novelle von E. von Bischdorf.

(Fortsetzung.)

Er vermochte e-3 nicht, ihr Vorwürfe zu machen, als er ihre Angst und Reue sah. Aber er faßte doch den festen Entschluß, seine Kinder künftig unter einer zuverlässigere Oberaufsicht, als die der Mutter, zu stellen.

Hans Max ist nun bald schulpflichtig," sagte Felix bald nach jenem Vorfälle zu seiner Frau,wie wäre es, wenn wir jetzt schon eine Gouvernante in das Haus nehmen würden, die sich mit den Kindern beschäftigen könnte, da Dir Deine Zeit dazu ja doch zu kostbar ist?"

Es klang doch etwas Bitterkeit aus den letzten Worten. Regine hätte ihm gerne entgegnet, daß jener Tag ihr zur Lehre gedient habe- daß die Mutter gewöhnlich die ersten Anfangsgründe im Schreiben und Buchstabiren zu lehren pflege und daß sie mit Freuden dieses Amt übernehmen würde, aber ein falscher Stolz hielt sie zurück.

'Die Erzieherin kam, und Regine machte es sich zur Pflicht, den Unterrichtsstunden beizuwohnen. Sie war an­genehm überrascht, in ihr ein vielseitig gebildetes, begabtes Mädchen zu entdecken, das bald ein lieber Verkehr für sie wurde. Nach langer Entbehrung genoß sie wieder die Freude anregenden Gedankenaustausches. Am Abende wurden die Klassiker herausgesucht und mit frischer, beiderseitiger Be­geisterung gelesen. Selbst Felix ließ dabei oft seine Zeitung fallen und hörte den Damen aufmerksam zu, ohne daß Regine es beachtete.

Bald nachdem das Haus sich um diese neue Bewohnerin bereichert hatte, sollte es eine andere dafür hergeben. Christinchen ward von Woche zu Woche müder und schwächer. Noch

that sie ihre Arbeit, ging auch allsonntäglich in die Kirche und nahm dort ihren alten Platz ein neben denHohen- rationen" des Städtchens, wie sie es nannte. Aber sie selbst sprach über die Veränderung, die mit ihr vorging.

Ich weiß nicht, was das mit mir ist," meinte sie still lächelnd.Es ist mir so, als wollte es nun Abend werden- als ständ' ich auf einem Berge und sähe wohl Alles noch, was mich sonst gefreut und geärgert hat, aber tief unter mir, als ginge mir das Alles nicht mehr an und könnt' mir nicht mehr stören in meiner Friedlichkeit in mir ist's immer so still, wie Feiertag's \

Bald brach der große Sonntag wirklich für sie an. Er kam wohlverdient nach einem Werktagleben voll pflicht­getreuer Arbeit und küßte die Stirne der Alten mit ver­klärendem Schimmer.

Es schien, als wäre der gute Geist des Hauses mit ihr zu Grabe getragen worden. Sie Alle hatten am Sarge der treuen Dienerin geweint, Felix, Regine, die Kinder. Aber wie groß die Lücke war, die ihr Tod gerissen, das begriffen sie doch erst allmälig. Niemand schien mehr zu wissen, was er zu thun habe. Es fehlte eben die rechte Leitung.

Regine suchte so schnell als möglich eine neue Wirth- schasterin zu gewinnen, und es gelang ihr auch, ein wahres Prachtexemplar aufzutreiben, dessen Leistungen nach den Reden alles bisher Dagewesene überstiegen. Mit der Zeit mußte sich freilich selbst Regine überzeugen, daß hinter den großen Worten wenig steckte. Mamsell trug die neuesten Moden und las Schauerromane aus der Leihbibliothek- der­weilen trieben die Mägde allerhand Kurzweil, und es war erstaunlich zu sehen, wie schnell das wohlgeordnete, festgefügte Getriebe des Haushaltes zerfiel.

Regine schickte sich endlich an, selbst nach dem Rechten zu sehen. Aber beschämt gestand sie sich, das Wenige ver­gessen zu haben, las sie unter Christinchens Leitung in der ersten Zeit ihrer Ehe gelernt- langsam zog sie sich wieder zurück trotz ihres Mannes Bitten und ernsten Vorstellungen, um sich vor den Leuten keine Blößen zu geben durch ihre Unkenntniß, und ließ die Dinge gehen, wie sie wollten.

Kaum ein Jahr war nach Christinchens Tode vergangen- einen besseren Ersatz für sie hatte man nicht gefunden, und kein Fremder hätte mehr auch nur noch einen schwachen Schimmer der ehemaligen Musterwirlhschaft in Hellingsthal entdeckt. Da sagte sich Reginens Schwiegermutter zu kurzem Besuche an- sie war seit der Taufe des Jungen nicht dort gewesen, und Regine erschrak heimlich. Was würde die