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zMDas Du an Lust und Freuden auch gewannst igyK* Im blühendsten und schönsten Erdentheile, vps Das Beste ist doch, wenn Du sagen kannst:
Cs ist mein Haus, wo ich am liebsten weile.
Alb. Roderich.
Die schönsten Augen.
Novelle von Carl Teschner.
(Fortsetzung.)
III.
Lady Agnes begleitete ihren Gemahl aus dem Truppcn- schiffe. Sie hatte nur Bella und ihre alte Dienerin Miß Briggs mitgenommen. Die Reise ging nicht ohne Unfall von statten. Im Arabischen Meere entging der gewaltige Dampfer der Vernichtung durch ein Cyklon. Es mußte in Aden Halt gemacht werden, um Ausbesserungen vorzunehmen. Mittlerweile geleitete der Oberst auf einem Postdampfer seine Gattin nach Calcutta und von da mit einem elegant eingerichteten Küstenschiffe nach Puri, der Hauptstadt des „heiligen Landes" Orissa. Diese Stadt ist dem Hindu, was dem Mohammedaner Mekka. Dort wird seit ungedenklichen Zeiten das größte aller religiösen Feste der Brahmanen, das „Wagenfest Jagganaths, des Gottes der Welt" gefeiert. Es gießt kaum einen frommen Hindu, der nicht wenigstens einmal in seinem Leben, sei es auch auf tausende von Meilen, nach Puri wallfahrtete, viele nur zu Fuße, ja es giebt deren, welche durch fortwährendes Niederlegen den Weg mit der Länge ihres Körpers messen und mit unsäglichen Müh- salen oft erst nach Jahren das ersehnte Ziel erreichen. Bella Krauzler sah die Tausende von Pilgern, vornehme wie geringe, die in Puri alle gleich sind; den fast haushohen sechzehnräderigen Wagen des Gottes, dessen Steinbild, um- fluthet von Menschcnmassen mitj wildemGeschrei, Schlagen der Gongs und Pauken, Schmettern der Trompeten, zu seinem „Gartensitze" gefahren wird. Früher kam es vor, daß besonders Fromme sich absichtlich von den Rädern des schweren Wagens zermalmen ließen, und noch jetzt werden Manche in dem rasenden Getümmel unter die Räder gedrängt. Der schauerliche Lärm, welcher geeignet ist, Todte zu erwecken und Lebendige zu betäuben, machte auf Bella einen abstoßenden Eindruck, und doch mußte sie staunen. Angesichts dieses
Fanatismus erkannte sie erst völlig die Größe der Absicht des Rajah Gora, westlicher Civilisation in seinem Lande Raum zu schaffen, während Lady Agnes dabei die Bedeutung der englischen Soldaten begriff.
Außer dem Bereich der vielen Tempel und Herbergen waltete tiefste Stille. Wie Schatten bewegten sich die olivendunklen Gestalten mit den nachtfunkelnden Augensternen, in weißen Gewändern und Turbanen, hin und wieder und eine solche Gestalt war es auch, welche das isolirte Regierungshaus umschlich, in dem Lady Agnes Quartier genommen hatte.
Nach mehreren Tagen meldete sich bei ihr der alte Geheimschreiber des Rajah. Sie empfing ihn allein. Er sagte ihr, daß er seit einer Woche harre, daß sein Gefolge in einer Herberge vor den Thoren eingelegt sei und daß der Rajah befohlen habe, einen Palankindienst zwischen Jeypur und Puri einzurichten. Lady Agnes erklärie sich bereit, in zwei Tagen die Reise nach der Residenz Goras anzutreten. Der Greis zog sich mit demüthigen Geberden zurück. Bald darauf hatte Lady Agnes eine geheime Unterredung mit Oberst Colt.
„Uebermorgen reise ich nach Jeypur, um den Rajah zu besuchen," sagte sie ruhig.
„Aber Agnes . . ."
„Nun?"
„Das ist ein sonderbares, gewagtes Unternehmen! Der Weg ist weit. Es giebt dahin keine Eisenbahn. Unsere Herrschaft über den Rajah ist nur nominell. Du könntest Dich in Gefahr begeben . . ."
„Wie, eine englische Soldatenfrau sollte sich fürchten?" entgegnete sie, und indem sie ihm lächelnd einen Finger vorhielt, fuhr sie fort: „Um diesen Finger, so klein er ist, wickle ich den ganzen Selbstherrscher von Jeypur! Uebrigens nehme ich meine Dienerinnen mit. Ich versichere Dir, die Reise ist zu unserem Vortheil- ich gehe mit einer Mission und hoffe, die Regierung wird Dich eines Tages dafür belohnen."
Der Oberst zuckte die Achseln, er wußte, daß seine Frau stets ihren Willen durchgesetzt hatte und daß all seine Opposition fruchtlos fein würde. Als Offizier tapfer, streng und schroff, war er zu Hause ein Sclave.
„Zerbrich Dir den Kopf nicht," scherzte Lady Agnes, „Deine Soldaten hätten dann einen kopflosen Führer."
Ihrer Gesellschafterin sagte sie nur kurz: „Miß Bella, bereiten Sie sich vor! In zwei Tagen reisen wir in's Innere des Landes."


