SM -

Liebe.

Aon Anna Seyffert.

------- (Nachdruck verboten.)

Die von rosiger Seide umhüllte Lampenkuppel verbreitet ein trauliches Licht. Durch die tiefgrünen Blätter des Wein­laubes, das sich an Spalieren üppig hinaufrankt, geht von Zeit zu Zeit, wenn vom Wasser herauf eine frische Brise weht, ein leises Flüstern.

An dem Gartentisch, dessen Decke aus zierlicher Hand­arbeit angefertigt ist, sitzt ein Mann, Mitte der Dreißig. Ihm gegenüber, gegen die luftige Blattwand gelehnt, ein ganz junges Mädchen. Man kann sich kaum etwas Reizen­deres denken, als dieses liebliche Gesichtchen, auf welchem noch der Hauch reinster Kindlichkeit liegt. Die Wangen blühen in einem gesunden Roth und von den tiefblauen Augen strahlt ein bestrickender Zauber aus. Blondes, leicht gelocktes Haar bildet den natürlichsten Goldrahmen für das in weichen, aumuthigen Linien gezeichnete Antlitz.

Das junge Mädchen ist damit beschäftigt, Rosen zu zer­pflücken, die, getrocknet, Verwendung für den Wäscheschrank finden sollen. Von Zeit zu Zeit aber wirft Irmgard einige der duftigen Blättchen oder auch eine Knospe zu dem Manne hinüber. Ihre Augen leuchten dann jedesmal in zärtlichem Feuer auf, über ihre Wangen huscht ein glühender Schein.

Der Mann scheint von dem neckischen Spiel nicht viel zu bemerken, er ist in seine Lectüre vertieft, aber wenn das rosige Wurfgeschoß von drüben naht, so öffnet er instinctiv die Hand, wie, um es aufzufangen, und lächelt unbewußt in seinen Bart hinein.

Er ist der Verlobte Hanna Wagners, der um zwölf Jahre älteren Schwester Irmgards, des lieblichen Kindes dort, dessen knospenhafte Schönheit alle Wonne des Frühlings verkörpert.

Irmgard steht an der Grenze der Kindheit. Die harm­los naiven Empfindungen ihrer jungen Brust weichen mehr und mehr einem bewußten Ernst, ihr Blick vertieft sich und staunt fragend die Räthsel der Welt an.

Hanna befindet sich hart vor dem Thore, das die eigent­liche Jugendzeit abschließt. Sie hat die Dreißig nahezu er­reicht. Seit acht Jahren ist sie Doctor Lehnhardts Braut. Wunschlos glücklich hat sie unter dem Schutze der Eltern die lange, für Viele so dornenvolleWartezeit" als etwas Selbst­verständliches hingenommen, und da ihr Schmerz und Ent­täuschung erspart blieben, so hat sich ihr schönes Antlitz blüthenrein erhalten, nur daß die Züge characteristischer ge­worden sind und auf der hohen Stirn Geistesklarheit und ruhiges Selbstbewußtsein ihren Thron errichtet haben.

Die bräutliche Prüfungszeit ist beendet. Heinrich hat endlich eine feste Anstellung als Gymnasiallehrer erhalten, die er bei Beginn des neuen Semesters antreten wird. Ehe sein Philisterthum seinen Anfang nimmt, hat er noch einige Wochen in dem Heimathstädtchen seiner Braut Wohnung ge­nommen, nm das langentbehrte Glück völliger Freiheit an der Seite des lieben Mädchens genießen zu können. Sobald er sich in seinem neuen Wirkungskreise eingerichtet, will er sein Weib heimführen.

Im Hause herrscht eitel Glück und Sonnenschein in der Stille aber bereitet sich etwas Unheilvolles, Tragisches vor Irmgards Liebe zu Heinrich!

Wie sehnsuchtsvoll hatte Hanna sich in ihren Kinder­jahren ein Schwesterchen gewünscht, welch' ein Jubel erfüllte sie, als sie, von einer Ferienreise heimgekehrt, von den Eltern an eine kleine, von Spitzenschleiern umwallte Lagerstatt ge­führt wurde.

Gott hat Dir eine Schwesterchen geschenkt," berichtete der Vater in einem so innig bewegten Ton, und die Mutter nahm das kleine, weiße Bündel aus dem Bettchen und legte es in Hannas Arm.

Und das zwölfjährige Mädchen lachte und weinte vor Glück und Freude und konnte das kleine rosige Wunder mit den tiefblauen Aeuglein nicht genug anstaunen.

Irmgard war krank, der Arzt machte ein bedenkliches Gesicht. Die Eltern weinten heimliche Thränen, Hanna aber sah sie doch. Auch ihr Herz drohte zu. brechen beim Anblick des kleinen, wachsbleichen Wesens, dessen Leben dem Ver­löschen nahe war. Hanna ging damals in ihr Stübchen, und mit kindlich-gläubigem Herzen flehte sie Gott unter heißen Thränen an, ihr jede beliebige Strafe aufzuerlegen, aber das geliebte Schwesterchen nicht sterben zu lassen.

Irmgard genas und wuchs zu einem lieblichen Kinde heran. Hanna aber mußte in Zukunft manche Freude ent behren des Schwesterchens wegen, denn die Eltern ließen, wenn sie in Gesellschaft gingen, das kleine, verwöhnte Ding nicht gern unter der Obhut der Dienstboten allein zurück und da hieß cs denn oft genug:Nicht wahr, meine Große, Du bleibst zu Hause?" Hanna war weich und fügsam, aber oft schlich sich doch eine große Traurigkeit in ihr junges Herz, wenn sie der Freundinnen gedachte, denen ähnliche Ent­sagungen nicht zugemuthet wurden.

Als Hanna dann die Braut des geliebten Mannes ge­worden war, dachte sie oft in ihrem hohen Glück, dies sei die Entschädigung für manchen kleinen Schmerz, den sie im Laufe der Zeit der jüngeren Schwester wegen erduldet hatte. Und nun schien es, als solle ihr auch dieses Glück geraubt werden durch Irmgard, deren Dasein sie einst als ein Gnaden­geschenk des Himmels begrüßt hatte!

Irmgard ist wie berauscht von ihrer Liebe. Unter dem Einfluß des süß betäubenden Rosenduftes, der traumhaften Stille, die dem Sommerabend einen so geheimnißvollen Reiz verleiht, pocht ihr Herzchen seltsam bang und sehnsuchtsvoll. Heißer wallt die Gluth in ihre Wangen, leuchtender werden die Blicke, die scheu und doch so beredt Heinrichs Antlitz streifen.

Wie von einer magnetischen Kraft angezogcn, hebt er das Haupt, unverhüllte Zärtlichkeit strahlt ihm aus Irmgards Augen entgegen, über die sich jetzt langsam die langen, seidigen Wimpern senken laut aufschluchzend birgt Irmgard das glühende Gesichtchen in den Händen.

(Schluß folgt.)

GeZnernirütziges.

Frische Heringe. 10 Personen. Bereitungszeit eine halbe Stunde. Fünfzehn frische Heringe werden geschuppt, ausgenommen, gewaschen und gut abgetrocknet, dann bestreut man sie mit Salz, taucht sie rasch in Essig, befestigt die Schwänze im Maul und thut sie in eine leichte, kochende Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extract, in der sie nach etwa zwölf Minuten weich geworden sein werden. Heraus­genommen, legt man sie auf eine passende Schüssel, garnirt sie mit Petersilie und geschabtem Meerrettig und giebt eine Garneelen-Sauce dazu. Es werden diese so bereiteten Heringe in England für eines der schmackhaftesten Fischgerichte ge­halten.

* *

*

Suppe von Kalbshaxen mit Reis. 10 Personen. Bereitungszeit drei Stunden. Zwei Kilo Kalbshaxen schlägt man der Quere nach in Stücke, setzt sie mit dem erforder­lichen Wasser auf's Feuer, schäumt sie gut aus und giebt Salz nebst Wurzelwerk bei. Nachdem die Suppe drei Stun­den gekocht hat, nimmt man die Fleischstücke heraus, fügt der Bouillon einen Theelöffel Liebigs Fleisch-Extract bei, läßt re mit diesem durchkochen, passirt sie durch ein feines Sieb und giebt sie über 125 Gramm in Brühe mit Salz und Butter weich gedünsteten Reis in die Terrine.

Kedactianr A. Echeyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m Gießen.