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wandte
Neuengland-Winter. Furchtbare Stürme wütheten
die
strenger an der
Die Verletzungen, die ich durch Regnaults Dolch bei Salzgruben erhalten hatte, machten mir noch immer schaffen. Ich nahm weder an Fleisch noch an Kräften
den zu zu,
Küste. Nacht um Nacht lag ich in meinem Zimmer in der „Katzen - Herberge" und hörte die Dachbalken stöhnen und die alten Fensterscheiben klirren. Der Hafen von Blackport war von Eis blockirt, und eisbedeckte Schiffe segelten vorüber, ohne die Einfahrt zu versuchen. Schnee bedeckte die Salzwiesen und lag wie ein Bahrtuch über der Stadt, aus der seit dem Abgang der Sommergäste alles Leben gewichen schien.
Doctor Vandine war bei jedem Wind und Wetter auf den Beinen. Seine Praxis hatte rasch zugenommen. Wo nur in Blackport und in den benachbarten Dörfern Krankheitsfälle vorkamen, wurde nach ihm geschickt. Im Gasthof sahen wir ihn nur wenig,- selbst wenn er zu Hause war, ließ er sich nur selten blicken, da er sich dann mit seinen Büchern beschäftigte. Vielleicht war diese beständige, angestrengte Thätigkeit, was ihm ein so ernstes und verändertes Aussehen verlieh. Er kam in der That fast wie ein Fremder vor.
Aus
Der Winter
und verschwand.
27. Capitel.
Pollys Aufzeichnungen.
stellte sich früh ein, ein echt
„Thue das nicht wieder, Polly!" sagte er streng. „Willst Du denn, daß die Wunde in Deiner Seite wieder aufbreche? Du darfst vorderhand keine schwere Arbeit verrichten. Mercy Poole versprach mir, daß sie es nicht von Dir verlangen werde."
„Sie verlangt es auch nicht," antwortete ich. „Allein ich kann nicht vollen Lohn annehmen, ohne dafür zu arbeiten."
Mercy Poole hatte mich für die ganze Zeit, während ich in Greylock Woods krank darnieder lag, voll bezahlt — nicht einen Cent hatte sie mir von meinem Wochenlohn abgezogen, und ich hielt dies für eine außerordentliche Groß- muth, denn Mercy hing sehr am Geld, und wenn sie auch
ihre Dienstboten gütig behandelte, so verlangte sie von denselben die volle Arbeit, für die sie bezahlt wurden.
„Laß gut sein, Polly," sagte der Doctor. „Du sollst mir keine schwere Arbeit verrichten, wenn ich es verhindern kann. Ich habe die Sache mit Mercy Poole abgemacht, das heißt," verbesserte er sich rasch, „sie weiß, daß Du der Ruhe bedarfst, bis Du Deine Kräfte wieder erlangt hast. Wenn Du so umher gehst und Dolchstiche in Empfang nimmst, die für Andere bestimmt sind und auf diese Weise zwei oder drei Monate Lohn verlierst, wie kannst Du Dir je Geld genug ersparen, um die Suche nach Deiner verlorenen Schwester zu beginnen — nach der Nan, von welcher ich Dich in der letzten Zeit nicht mehr sprechen hörte? Hat die Aufregung in Blackport sie endlich aus Deinem Gedächtniß verbannt, Polly?"
Mein Herz pochte gewaltig. „Nein, o nein!" stammelte ich.
„Und Du hast Deinen Entschluß, sie zu suchen, noch nicht aufgegeben?"
J h antwortete nicht. Ich dachte an das, was er über meinen Lohn gesagt hatte. Plötzlich wurde es mir klar, daß er die Ursache von Mercy Pooles Generosität war und daß er, nicht sie, mir meinen vollen Lohn für die beiden Monate bezahlt hatte. Außerdem hatte er sich absolut geweigert, für seine ärztlichen Dienste auch nur einen Cent von mir anzunehmen.
„Sie haben mich oft scharfsichtig genannt, Doctor Vandine," sagte ich, „und ich bin es auch, — wenigstens scharfsichtig genug, um zu sehen, was Sie gethan haben — ich kann es nicht ertragen!"
Er machte eine beleidigte Miene und erwiderte: „Rede mir keinen Unsinn, Polly! Schon seit Jahren betrachte ich Dich als etwas, das mir gehört. Habe ich Dich nicht schon wiederholt von einem frühzeitigen Grabe zu bewahren gesucht? Wies ich Dich nicht in das Steele'sche Haus, wo Du Dich fast zu Tode arbeiten mußtest? Und war ich es nicht, der Djch hierher nach Blackport brachte, wo der Dolch eines Mörders Dir beinahe den Garaus machte? Sind das die Dinge, die Du nicht ertragen kannst, Polly? Armes, thörichtes Kind! Ich habe noch nie in meinem Leben etwas Rechtes für Dich gethan, Du hast so wenig Verbindlichkeiten gegen mich wie der Mann im Mond. Doch warte nur!" Sein Gesicht nahm plötzlich wieder den alten heiteren Ausdruck an. „Gott weiß es, Polly, ich hätte Dir längst schon gern zu einem besseren Stande verhelfen/ allein Thatsache ist, daß ich noch nie fünf Dollar in der Tasche, die ich ehrwürdig mein Eigen nennen konnte. In letzter Zeit jedoch hat sich meine Lage bedeutend verbessert. Das wankelmüthige, launische Glück, das so lange Zeit nur ein sauertöpfiges Gesicht hatte, lächelt mir jetzt auf das Liebenswürdigste zu. Meine Aussichten gestalten sich in der That glänzend. Und jetzt habe ich einen Plan für Dich, Polly. Nach den Feiertagen, die jetzt bald herankommen, werde ich Dich von hier weg bringen und nach einer Schule schicken/ ich habe bereits die nothwendigen Schritte gethan, um Dich im besten Damen-Seminar des Staates unterzubringen."
Ich stand sprachlos vor Staunen.
Er ließ mir indessen keine Zeit zum Antworten, sondern fuhr fort: „Ich hatte dieses Project schon längst im Kopf, konnte es aber bis jetzt nicht ausführen. Ich fühle, daß ich vollkommen berechtigt bin, Dich einem besseren Loose entgegenzuführen. Bis jetzt hast Du ein hartes Leben gehabt, Du armes Kind. Du solltest Dich nun aber zu einer Lehrerin oder einem ähnlichen Berufe heranbilden/ um Deinen Stolz zu beschwichtigen, von dem Du eine übermäßige Portion besitzest, kannst Du mir das, was ich jetzt für Dich thun will, in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren, wenn ich alt und arm bin, und Du reich und noch immer jung, mit Zinsen zurückzahlen. Sorge zunächst dafür, daß Du etwas Fleisch auf Deine Knochen bekommst, Polly, und blicke hoffnungsvoll den besseren Tagen der Zukunft entgegen." (Forts, folgt).
Sie lieber sterben als schmählich hintergangen und mit Schande und Schmach überhäuft werden wollten. Nehmen Sie daher meinen Rath an und verlassen Sie Greylock Woods gleich morgen! Kehren Sie mit dem ersten Dampfer nach England zurück!"
Endlich begriff er den Sinn ihrer Worte.
„Das ist genug," sagte er streng. „Ich will nichts weiter von Ihnen hören."
„Sir, ich habe Ihnen eine lange Geschichte mitzutheilen/ Sie haben den Anfang noch nicht vernommen, und die Sache betrifft Sie näher als irgend einen Menschen. Lassen Sie mich daher fortfahren!"
„Keine Silbe weiter!" rief er energisch. „Wagen Sie es nicht, Miß Greylocks Namen noch einmal in meiner Gegenwart zu nennen! Ich werde Ihrer Herrin rathen, Ihnen etwas schärfer auf die Finger zu sehen, denn es ist klar, daß Sie keine vertrauenswürdige Dienerin sind."
Hannah Johnson wurde wüthend. „Sie wollen also keine Warnung von mir annehmen?" zischte sie.
„Ganz bestimmt nicht," entgegnete er mit kalter Verachtung.
„So schwöre ich Ihnen, Sir Gervase Greylock," rief sie wild, „daß die Stunde kommen wird, da Sie mich
hören müssen, ob Sie wollen oder nicht! Der Tag zu Ihrer Trauung ist festgesetzt, und Alles geht Ihnen nach Wunsch/ doch merken Sie meine Worte: Nie, nie wird Ethel Greylock Ihr Weib werden!" Mit dieser Drohung sie ihm den Rücken
und ich war oft sehr niedergeschlagen.
Eines Tages, während ich mit einem Korb Kohlen Treppe hinaufkeuchte, wurde ich plötzlich von Doctor Vandine eingeholt. Er riß mir den Korb aus der Hand, trug ihn selbst hinauf und brachte ihn nach dem Zimmer des Gastes, für den er bestimmt war.


