®w

M

W!

lücklich, wem die Tage fließen Wechselnd zwischen Freud und Leid, Zwischen Schassen und Genießen, Zwischen Welt und Einsamkeit!

Bei wem bleibt Kummer gern Und will am liebsten ruh'n? Bei denen, die ihn warten Und ihm zärtlich thun.

(Seibel.

Logau.

Das Kind der Tänzerin.

Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.

(Fortsetzung.)

Er streckte ihr seine Hand entgegen.

Dieses Mal," sagte er mit gebrochener Stimme, scheide ich wenigstens nicht mit Unwillen von Ihnen. Es war nicht Ihre' Schuld, sondern mein Unglück, daß sre mich nicht lieben konnten, Ethel. Geben Sie mir ^hre Hand nur einen Augenblick und nun leben Sie wohl!

Der Druck, den ihre Nerven auszuhalten hatten, war zu stark gewesen. Als ihre Hand in der seinen lag, schien die mondhelle Terrasse zu verschwinden und das Zimmer im Kreise nmherzuwirbeln. Sie nannte ihn noch einmal bei seinem Namen, dann schwand ihr das Bewußtsein.

Als sie wieder zn sich kam, suhlte sie sich vou starken Armen umschlungen- seine Küsse glühten wie Feuer ans ihren Wangen und er ries:

Ethel! Ethel! Ist es möglich, daß Sie mir doch gut sind?"

Sie verbarg ihr Gesicht an seiner Brust und schluchzte:

Ich war Ihnen vom ersten Tage Ihrer Ankunft an gnt. Aber glauben Sie nicht, daß ich Sie aus bloßem Muthwillen quälte. Ich will Ihnen nichts verhehlen, ich will Ihnen die ganze elende Wahrheit sagen, wie ich sie meinem Großpapa sagte, und wenn Sie Alles wissen, werden Sie mich verachten."

Seine braune Wange lehnte sich an ihre weiße.

Wie soll ich das verstehen?" fragte er.

Hören Sie, Gervase", stammelte sie, indem sie sich ver­geblich aus seiner Umarmung zu befreien suchte. Und nun theilte sie ihm Alles mit, was der Leser bereits weiß.

Er hörte ihr schweigend und mit großem Ernste zu- als sie endlich schwieg, drückte er sie noch inniger an sein Herz und versetzte zärtlich:

Armes Kind! Wie abscheulich Du gequält wurdest. Ach, warum tbeiltest Du mir Dein Geheimniß nicht schon damals mit? Ich hätte Dir Helsen, ich hätte Dir wenigstens einen Theil aller dieser schrecklichen Anfechtungen ersparen können. Es war die Thorheit eines Schulmädchens. Vergiß es, Ethel- wir wollen nie wieder davon sprechen. Und so liebtest Du mich also schon, als Du mich wegschicktest? Wie blind ich war, wie dumm! Jetzt aber," fuhr er freudig fort, jetzt bin ich der glücklichste Mensch auf Erden, denn jetzt soll uns nichts mehr trennen!"

Nach diesen Worten unterbrach nichts das Schweigen in der Bibliothek, als das frohe Geflüster der Liebenden. Die Pferde draußen wurden ungeduldig.

Das Stampfen ihrer Hufe weckte endlich Ethel aus ihren glücklichen Träumen.

Oh!" rief sie-die Kutsche steht noch immer draußen. Wirst Du jetzt gehen?"

Ich denke nicht," antwortete Sir Gervase lächelnd. Ich muß Deines Großvaters Gastfreundschaft noch etwas länger in Anspruch nehmen. Meine Pläne für die Zukunft sind jetzt ganz andere geworden. Ich werde nicht nach England zurückkehren, bis ich mein Weib mitnehmen kann. Du schuldest mir eine Entschädigung, Ethel, für die Leiden, die ich in den beiden letzten Monaten ausgestanden habe- ich verlange dieselbe in Gestalt einer baldigen Trauung."

Eine Hand zog in diesem Augenblick die Portiäre zurück, und Godfrey Greylock trat in das Zimmer. Er wunderte sich durchaus nicht darüber, das junge Paar in so trauter Umarmung zu finden, denn er hatte seine guten Gründe gehabt, das Zimmer so plötzlich zu verlassen. Miß Pamela schlief noch immer in ihrem Fauteuil- Sir Gervase aber führe Ethel ihrem Großvater entgegen.

Sie hat mir Alles mitgetheilt," sagte er einfach, und sie hat versprochen, mein Weib zu werden."

Iris Greylock kam am nächsten Tage von der Rosen- Villa, um ihrer Tochter zu gratuliren. Sie schlang ihre Arme um Ethel und bedeckte deren Antlitz mit Küssen.

Mein liebes Kind!" rief sie.Welche unerwartete Wendung der Dinge! Ich bin unaussprechlich froh, daß Du Deinen romantischen, schurkischen Regnault los geworden bist. Laß Dir diese Erfahrung eine Lehre für Dein ganzes Leben sein, thörichtes Mädchen. Und nun, wann wirst Du Deinen tadellosen Freier, den Baronet, heirathen? Dein Großvater