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Der Autor wollte da zeigen, wie bequem es in Spanten unter der Regierung der Königin Isabella einem gemacht wurde, Minister zu werden. Als den merkwürdigsten Fall dieser Art führte er den eines Mannes an, der sein Ministerportefeuille seinem Niesen verdankte. Herr v. X. wollte eines Tages einen guten Freund, einen hohen Beamten, besuchen, der ihn bei seinem Erscheinen jedoch mit den Worten: „^r- zeih' mir, ich muß sogleich fortgehen- wenn Du jedoch nichts vorhast, so begleite mich," begrüßte. — „Wohin? war die Frage des Ersteren. — „Ich bin nach dem Palast befohlen worden, um dem Ministerrath beizuwohnen." Der Freund aing mit, und während Jener der Königin zugeführt wurde, wartete Herr v. $. in dem Vorzimmer. Die Unterredung währte längere Zeit, denn man stand im Begriff, ein neues Ministerium zu bilden. In dem Vorzimmer war es sehr kalt und zugig, und der Wartende fühlte, daß er sich den Kopf erkältet hatte. Plötzlich hörte man im Zimmer der Königin die Frage erörtern, wer zum Finanzminister, wer für das Kriegsdepartement und wer endlich als Justizminister gewählt werden solle. Nach langer Erörterung hatte man sich über alle jene Punkte geeinigt- nur der Colonialminister fehlte noch. „Wir müssen einen Colonialminister haben," so hörte man die Königin sagen, „aber wen können wir dazu nehmen?" Keinem der Anwesenden wollte eine passende Persönlichkeit einfallen. In diesem Augenblick wurde von dem Vorzimmer her ein lautes Niesen vernommen. „Wer mest da draußen?" fo fragte Isabella jetzt. — „Es ist Herr v. X.," antwortete der Freund des draußen Harrenden. — „Das wäre der richtige Mann für einen Colonialminister," meinte darauf die Königin, und es währte nicht lange, fo wurde Herr v. X. hereingerusen. Sein Niesen hatte ihm das Ministerportefeuille verschafft.
Daß freilich das Niesen auch Anderes einbringen kann, als einen Ministerposten, zeigt ein Scherz, den ich vor Jahren einmal las. Ein Zuchthaus wird von einem hohen Beamten besucht. „Was hat Sie an diesen Ort gebracht?" fragt die inspicirende Excellenz einen Sträfling. — „Das Niesen!" lautet die Antwort. — Excellenz: „Das Niesen?" — Sträfling: „Ja wohl - es weckte den Herrn auf, bei dem ich durch's Fenster gestiegen war, und da wurde ich erwischt."
GEeinnÄtzigrs.
Schuhwerk Wit Zehenklamwerir. Die von Dr. Friedrich Hinz in Neusalz a. O. gemachte Erfindung hat bm Zweck, das bei gewöhnlichem Schuhwerk täglich zu beobachtende Schwitzen und Wundlaufen der Füße, die Hühneraugenbildung und die Schweißätzung zu vermeiden, der sonst gewöhnlich schmerzhaft eingeengten kleinen Zehe mehr Raum zu gewähren und trotzdem bei gefälliger Form dem Fuß genügenden Schutz gegen äußere Verletzungen zu gewähren. Zu diesem Behufe sind bei Anwendung von mittelhohen Absätzen und breiten Sohlen am Vordertheil des Schuhes Zehenplatten angebracht, welche jeder Zehe ein einheitliches Bett sichern. Diese Zergliederung und geschweifte Abrundung ermöglicht es, die gewöhnlich aneinander liegenden Zehenflächen vor dem Wundlaufen zu schützen, der Blutcircnlation und sonstigen Functionen kein Hinderniß entgegen zu setzen. — Wie glücklich werden sich die Menschen ohne Hühneraugen fühlen.
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Allerlei Kitt. Ein Kitt aus fein gepulverter Bleiglätte und Glycerin wird schnell steinhart und widersteht sehr gut dem Wasser und den Säuren. Man kann denselben für Stein, Holz, Glas, Porzellan und Metall, zum Befestigen von Eisen auf Eisen, Stein in Stein und zum Verkitten von Gefäßen mit flüchtigen Stoffen benutzen. — Einen vorzüglichen Cementkitt, der langsam erstarrt, große Härte annimmt und
die theuren fetten Kitte ersetzen kann, erhält man aus sein gesiebtem Cement, mit 25 pCt. feinem Ziegelmehl und saurer Milch zu einem zähen Teig angerührt- er eignet sich auch zum Verkitten von Steinaufsätzen. Cement haftet auf Holz und Stein besser, wenn dieselben vorher mit etwas verdünnter Wasserglas-Lösung angestrichen werden. — Eine andere sehr haltbare Mischung zum Kitten von Stein erhält man aus einem Brei von Wasserglas mit hydraulischem Kalk vermischt. Die Masse erhärtet sehr schnell und darf deshalb nur in geringen Quantitäten angefertigt werden. — Zum Kitten von Holz auf Stein wird eine syrupdicke Leimlösung mit so viel Kreide oder Holzasche vermischt, daß eine firnißähnliche Masse ent- teht, die warm verwendet werden, muß.
Neue Ballmoden. Für schwere Gewebe werden kurze Schnebbentaillen oder Prinzeßfayons in Anwendung gebracht, leichte Stoffe formt man zu Blousen, goussrirten Taillenbezügen und rückwärts lercht gehobenen Röcken, die fast ohne Ausnahme mit Besatz versehen sind. Rock und Aermel sind bedeutend enger, Blousentaillen zeigen den Seitenverschluh durch einen Besatz, ein Jabot, eine Blume rc. kachirt. Als Modeblume gilt die Orchidee, für junge Mädchen wählt man Veilchen oder Heckenrosen. Apart combinirte Gürtel sind haute nouveaute.
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Praettsche Verwendung von Fischresten. Die Reste von Fischen aller Art zertheilt man in recht kleine Stücke und verrührt sie mit Butter, Salz, Pfeffer, etwas Muscatnuß, mehreren Eigelb und etwas geriebenem Weiß- brod zu einer Masse, unter die man alsdann das zu Schaum geschlagene Eiweiß mischt. Diese Masse wird eine halbe Stunde in einer Form gebacken und dann mit folgender Sauce angerichtet. In 40 Gramm Butter bräunt man ebenfo viel Mehl, verkocht beides mit einer kräftigen Auslösung von Liebigs Fleischextract zu einer sämigen Sauce, mischt darunter vier Löffel Tomatenbrei und ein Glas Roth- wein und gießt diese Sauce über den auf eine Schüssel gestürzten Inhalt der Form.
Literarisches
Dem überraschend schönen, färben- und stimmungsreichen Weih- nachtshest, daS die »gttUtttitU Welt« (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt'' ausgegeben, läßtsie nun ihrNeujahrsheft folgen, dem wir mit gleichem Vergnügen zugestehen, daß es den Ton des Famrlienblmt-s in einer Weise trifft, die ungemein sympathisch berührt. Bild rote Text sind mit demselben feinen Verständniß ausgewählt und zu einem harmonischen Ganzen verflochten. Das gerade ist es aber auch , was der Jllustrirten Welt ihren so anheimelnden Character verleiht; es herrscht da der richtige warme, nicht nach groben Effecten haschende, durchweg gesunde solide Ton, der strikt die vorgeschriebene Richtung einhält: der Familie gerecht zu werden, ein deutsches Familienbuch zu sein in des Wams gediegenster Bedeutung. Daß Jllustrirte Welt nicht rechts. nicht tun abweicht von diesem Pfad, darauf beruht sicher auch dre Ursache der allgemeinen Beliebtheit dieses Blattes, dem wir, in aufrichtiger Anerkennung der gewissenhaften Bemühungen seiner Leitung, einen sich immer noch vergrößernden Leserkreis wünschen, als unfern wohlgemeinten, c legialen Gruß zum Neuen Jahre!
Wer seine Kinder für das Leben erziehen will, der muß schon früh darauf hinwirken, ihren Sinn für Arbeit unb eeiDlt- ständigkeit im Denken zu wecken. Das geschieht am besten und oy jeden Eingriff in die eigene Berufsthätigkeit durch ein Abonnement I das im Verlage von John Henry Schwerin, Berlin W, 35, erscheinen herrliche Gebrauchsblatt .«indergarderove« mit der Beilage die Jugend," für nur 60 Pfg. vierteljährlich. Wie m diesem <9 illustrirten Specialblatt der Grundsatz- Selbstanfertigung sammtliq- Kindergarderobe durch die Hausfrau — Ersparnisse und Selbstem durch Frauen und Mädchen! - zur Ausführung kommt, so bient aut? feine Jugendbeilage dazu, das Kind zu lehren, sein Spielzeug aus me, und Abfällen nach den Original-Vorlagen selbst und fast kostenlos h zustellen, ein erziehliches Moment von weittragender Sebeutung. jeber Monatsnummer erscheint ein doppelseitiger Schnittbogen, f ein illustrirtes Kindermärchen rc. Wer sich erst durch einen überzeugen will, fordere sich eine Gratis-Probenummer von irgen° Buchhandlung. Abonnements für nur 60 Pfg. vierteljährlich 9 sämmtliche Buchhandlungen und Panstanstalten entgegen. ___________
Redaktion: 8L Echeyda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in


