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Noch einmal beugten die beiden Anderen die Köpfe hinaus. Energisch aber trat die Köchin gleich wieder vom Fenster weg und sagte mit Nachdruck: „Meine Nase is gut, aber ich rieche nichts. Nu kommen Sie auch man wieder her un machen Sie dem Fenster zu- Sie wollen uns woll graulen machen un uns dem leibhaftigen Gottseibeiuns vormalen mit Schwefelgestank un Säure. Nee, vormachen lasse ich mich nichts."
Der Kutscher gehorchte und schloß das Fenster, aber auf seinem breiten Gesichte blieb ein nachdenklicher Ausdruck zurück. Martha stand einen Augenblick überlegend, dann nahm sie stastig ihre Theekanne wieder auf und sagte: „Geben Sie mir schnell ein wenig Wasser, Caroline, wenn Sie so freundlich sein wollen. Ich will doch hinunter gehen und fragen, ob sie 'vorn hinaus auch etwas gehört haben. Vielleicht hat sich Mutter erschrocken, — danke schön, gute Nacht!"
Sie eilte fort, und es war fast, als wäre es dunkler in dem Raum, oil ihre Helle Augen nicht mehr darin glänzten. Langsam nahmen die Zurückgebliebenen ihre Plätze wieder ein, enger nebeneinander als zuvor.
Nach einer stummen Pause begann Caroline wieder zu reden. „Nichtsdestoweniger is es ja eigentlich Unsinn, an so was zu glauben, un es steht nichts von ihm in die Bibel, un der Herr Regierungsrath selig hat es mich auch so un so oft gesagt, aber wenn ich mich so bedenke, daß er nu schon selber drei Jahre tobt is, un was da vorgegangen is, du lieber Gott, da könnte man manchmal glauben, daß er doch vielleicht selber —"
„Caroline!" Der Kutscher sagte es würdevoll und mit Nachdruck, sie aber schüttelte lebhaft den Kopf. „Nee, Ferdi nand, ich weiß woll, bis jetzt habe ich nur mit Sie von die Geschichte gesprochen un mit keine Seele sonst, aber wo das nu heute wieder passtrt is, man kann doch nich wissen, was einem von die Anderen mal begegnet, un denn können sie noch nich mal sagen, was der Sache bedeutet."
„Caroline, Sie sollten es lieber unterwegs lassen," warnte Elster noch einmal, doch sie ließ sich nicht Ruhe gebieten. „Nee, wirklich, so 'ne Sache muß man auf’n Grund gehen, so ganz bis unten hin, was die Tage sind, ehbevor der Herr Regierungsrath gestorben is. Mein Lebtag habe ich ja so was nich gesehen von Liebe, wie zwischen den un seine Frau. Ich denke, sie stirbt mich unter'» Händen, wie wir ihn fanden am Morgen, un er war ganz alleine gestorben in die Nacht, weil wir doch gedacht hatten, es ginge zum Besseren. So 'ne vier Tage vorher hatten wir ja schon geglaubt, es wäre mit ihm am Ende, un da is es ja auch gewesen, wie er von seine Frau sich hat in die Hand versprechen lassen, daß sie nie wieder heirathen thäte. Na, menschenfreundlich war das nu grade nich von ihn, so was zu verlangen, wo sie doch noch so jung war, eben dreiundzwanzig bamals- aber wenn einen der Tod an die Kehle sitzt, denn kann man woll keine große Menschenfreundlichkeit verlangen sein, un richtet nich, auf daß ihr nicht gerichtet werdet! Un jedenfalls hat sie ihn Allens versprochen, wie er es hat haben wollen- einige sagen, sie hätte es ihn schwören müssen, ordentlich mit'n heiligen Eid. Na, ich bin nich dabei gewesen un kann keine Genauigkeit darüber sagen, aber die dem Ding so erzählen, die wollen ja auch noch Allerlei Anderes wissen —"
Sie hatte zuletzt immer leiser gesprochen und warf einen scheuen Blick nach der Thür. Das Stubenmädchen riß die vorquellenden Augen immer weiter auf, und die Kleine, die ihre Schale jetzt fortgesetzt hatte, schmiegte sich fest an die Lehne des Holzstuhles, auf dem die Köchin saß, während die hageren, blutlosen Hände sich angstvoll in die Falten ihres Kleides hineinkrampften. Als Caroline jetzt fortfuhr, kamen die Worte nur noch geflüstert aus ihrem Munde.
(Fortsetzung folgt.)
Uebet das Riesen.
Von Eugen Jsolani.
(Schluß.)
Den direkten Gegensatz zu diesem Dutzendnieser bilder ein guter Freund und College von mir. Gar viele Menschen haben sich schon über seine komische Art zu niesen amüsirt. Sein Niesen ist nämlich gar kein Niesen, sondern nur ein Ansatz dazu. Kommt ihm das Bedürfniß zum Niesen an, so hebt er Plötzlich die Arme seitwärts in die Höhe, verzieht convulsivisch die Gesichtsmuskeln, hebt ein paar Mal den Kopf und schiebt den Brustkasten nach oben, sodaß alle Zuschauer meinen, jetzt müßte eine Erschütterung seines Körpers erfolgen, die das ganze Haus ins Wanken bringt. Aber statt dessen erfolgt nur ein stummes Zucken des Kopfes in sich hmein, sodaß der Zuschauer der Meinung ist, dem Niesenden müßte eine Ader geplatzt sein. Unzählige Mal schon ist jenem Herrn, wenn er auf diese Weise seinem Niesreiz Luft gemacht hat, zugerufen worden: „Na, so niesen Sie doch !" Und wenn der Zuschauer glaubt, jetzt müsse es kommen, ist es bei ihm längst vorbei.
Merkwürdigerweise trifft übrigens, so eigemhüunich auch seine Niesart ist, hier nicht vollkommen die Richtigkeit des Jean Paul'ichen Ausspruches zu, denn der betreffende Herr fand auf sehr eigenthümliche Weise eine gleichgestimmte und ähnlich niesende Seele. Bei einem Balle lernte er ein junges Mädchen kennen und verliebte sich schnell in dasselbe. Bald wußte er sich in der Familie desselben Eingang zu ver schaffen und bei der ersten Visite, die er hier machte, passirte es ihm, daß er niesen mußte. Da lachten alle Anwesenden aus und der Aermste, der ja unzählige Mal weg"» seines kom scheu Niesens Lachen erregt hatte, war zum ersten Mal wohl über diese, durch ihn unwillkürlich erregte Heiterkeit verstimmt. Wem wäre es auch angenehm, dort in dem Augenblick durch seine Person Heiterkeit zu erregen,, wo er einen angenehmen Eindruck Hervorrufen will. Die Frau des Hauses mochte wohl die Verstimmung des Gastes merken und sagte entschuldigend: „Verzeihen Sie, mein Herr, wenn wir lachten. Aber es ist zu komisch, daß Sie genau so iiiefen, wie unsere Grete, so eigenartig dies auch fein mag." Daß es mein em Freunde nun nicht mehr schwer wurde, der schönen Grete klar zu machen, daß sie als gleichnieseilde Menschen kinder ohne Zweifel für einander bestimmt seien, liegt aus der Hand.
Man sieht, das Niesen vermag die komischsten Situa Honen hervoezurusen, ebenso wie ein Niesen nicht selten seh- ernsthaft in die Geschicke der Menschen eingveif-u karm.
Ein sehr starker Nieser war bekanntlich auch Friedrich der Große, der immer einige kostbare Schnupftabaksdosen in seiner Benutzung hatte. Man sagt, daß der alte Fritz oftmals über zwei Dutzend Mal hintereinander geniest haben soll. Ja einmal, — so behauptet ein französischer Schriftsteller, — soll sogar das Niesen des alten Fritz eine recht unangenehme und tief einschneidende Wirkung gehabt haben. Friedrich soll nämlich in der Schlacht bei Kunersdorf einen Befehl ertheilt haben, der dadurch, daß der König gerade zu niesen begann imb dabei heftig mit dem Kopse nicken mußte, von der betreffenden Ordonnanz nicht richtig ausgesaßt wurde. Friedrich der Große merkte zwar sofort, daß er falsch verstanden worden sei, konnte aber den Befehl nicht rückgängig machen, da er durch einen seiner lang andauernden Niesanfälle daran verhindert wurde. So wurde der falsche Befehl ausgeführt und die Preußen geschlagen. Natürlich gehört diese Geschichte in das Reich der Fabel. Kein ernster Historiker erwähnt sie und Friedrich der Große ist wohl nicht einmal der einzige Feldherr, dem sie angedichtet wird.
Von einem recht einträglichen Niesen dagegen erzählte vor einigen Jahren ein spanischer Diplomat in einer Artikel Serie, die in der „New-Review" erschien, in welcher der Verfasser allerlei „Geheimnisse aus Spanien" ausplauderte.


