O 1897. - Nr. 180.
Samstag den 6. November
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führerischen Briefe widerstehen, gnädigste Gräfin,
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uch' durch Selbstüberwindung den Schmerz zu lindern, Durch Klagen wirst Du ihn nicht heilen noch mindern.
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Gütiger macht uns das Glück Und liebevoller und weiser;
Aber das Unglück allein Bildet uns edel und groß.
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Ritterlichkeit größer ist, wie seine Gier nach Reichthum und Ehre!
Graf Wulff-Dietrich verzichtet auf ein fürstliches Erbe, weil ein unbekanntes Mädchen ihn zum Schutze ihrer hoffnungslosen Liebe anfleht!
Das ist für das fin de siede eine solch märchenhafte Seltenheit, daß Pia nun und nimmer daran glauben würde, wenn nicht jeder Blick auf die Reihen der Tänzer sie davon überzeugte!
Welch ein Opfer bringt er um ihretwillen!
Welche eine Genugthuung für sie, daß der Mann, welcher sie, durch die Verhältnisse gezwungen, heimführen wollte, doch zu den besten seiner Zeit gehört!
Ein Gefühl warmherziger Rührung überkommt Pia/ — wie soll sie ihm solch eine Großmuth jemals danken!
Ihn heirathen? doch noch heirathen? nein/ — nie.
Sie kann keinen Mann lieben, den sie lieben soll und muß, — ihr ganzes Ich bäumt wild auf gegen solch eine Bevormundung ihres Herzens. Sie ist eine viel zu selbstständige Natur, um sich jemals beeinflussen zu lassen, und darum soll auch die Erkenntlichkeit keinen moralischen Zwang auf sie ausüben. Es würde der schlechteste Dank sein, wollte sie dem Grafen Wulff nun aus Hochachtung dennoch die Hand reichen.
Ist er in Wahrheit der edel denkende Mann, welcher die Heiligkeit der Liebe derart respectirt, daß er ihr das eigene Glück, die glänzende Zukunft, die imponirende Größe eines Niedeck'schen Majorats opfert, — so verlangt er auch sür sich in erster Linie diese treue, heilige Liebe, als bestes und wichtigstes Heirathsgut der Frau.
Auf die reiche Mitgift würde er verzichten, auf die Liebe nicht, — und gerade diese kann Pia ihm nicht geben.
Warum nicht? Sie kennt ihn ja nicht einmal, und weiß es gar nicht, ob er nicht gerade derjenige Mann ist, für welchen ihr Herz voll leidenschaftlicher Zärtlichkeit entflammen würde!
Pia kennt ihn zwar nicht, aber sie kennt sich selbst.
Sie weiß, daß ihr Oppositionsgeist nie ein anderes Gefühl für den aufgenöthigten Freier zulaffen würde, als den Ingrimm, den empfindsamen Aerger über die Demüthigung, als Waare verhandelt zu sein.
Das würde sie nie überwinden, ebensowenig wie sie jemals an die Liebe solches Gatten glauben könnte
Andere Frauen würden sich lachend in die Verhältnisse schicken und die Grafenkrone und das blinkende Geld als reiches Entgeld für ihr geopfertes Herz ansehen; sie würden
(Fortsetzung.)
„Wie bedauere ich das Mißgeschick Ihres Herrn Sohnes!" sagte Pia höflich, ohne im Mindesten traurig dabei auszusehen. „Ein verstauchter Fuß darf wirklich nicht leicht genommen werden, Frau Gräfin, und bedarf der Zeit, um auscurirt zu sein! Hoffentlich wird Ihr Herr Sohn recht vernünftig sein und allen Lockungen Ihrer gewiß recht ver-
Der Majoratsherr.
Roman von Nataly v. Eschstruth.
versäumt wahrlich nichts hier, — und nächstes Jahr giebt es neue Bälle!"
Ein paar Dragoner harren der Vorstellung und Gräfin Melanie drückt Pias Hand: „Bitte, besuchen Sie mich recht bald einmal freundschaftlichst, liebste Baroneß! Ich möchte so gern noch recht oft und viel mit Ihnen plaudern!"
Pia neigt nur sehr höflich das Köpfchen und küßt abermals die Fingerspitzen der Gräfin, dann verabschiedet sie sich von dem Grafen und muß sich hastig den Herren zuwenden, deren Namen der sehr eilige, vielbeschäftigte Vortänzer mit erstaunlicher Zungenfertigkeit herunterraspelt.
Pia feiert Triumphe, und ihr eifrigster Schleppenträger ist Hartwig.
Wie eine junge Königin, glühend in stolzer Freude, schwebt sie über das Parkett.
Es ist, als ob ein Joch von ihrem Nacken genommen sei, als ob sie von einer drückenden, demüthigenden Last befreit, Schwingen an den Schultern fühlte, welche sie hoch über jede Angst und Sorge hinwegheben.
Aber noch etwas Anderes, Unbewußtes erfüllt ihre Seele mit Licht.
Sie hat einen Mann entdeckt, dessen stolze, edle
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