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Gemeinnütziges
habe ich den Tag für mich und kann in Ruhe noch eine An-- merkung zu meiner Arbeit abfassen, — über die Vorstellungen der Kinderseele Dom Tote. Es ist mir da eben eine tounbtr- liche Anregung gekommen." Er berichtete mir in seiner Weise von dem Gespräch mit dem kleinen Jungen da draußen.
Wir waren unterdeß vor seiner Wohnung angelangt. „Hör' mal," sagte ich, „willst Du nicht lieber morgen mit auf einen Ausflug mit obligater Bowle? Es ist jetzt Frühling, wer weiß, wie lange dieses prächtige Wetter noch vorhält, und morgen ist der letzte Fcrientag. Wie wäre es, wenn Du auch einmal wenigstens für diesen Tag Deine,- Käfer begraben sein ließest?"
Fritz Werder sah mich erstaunt-mißbilligend an. „Ich verstehe Dich nicht!" sagte er, und mit kurzem Gruße verschwand er hinter der Hausthür.
der Kleine wenigstens das verpönte Dehnungszeigen sogleich mit dem nassen Finger wegwischte.
„Ich mache ihm seinen Grabstein," berichtete der Junge vertraulich wichtig und deutete mit dem schmutzigen Pfötchen auf den kleinen Hügel: „Das ist sein Grab. Er war ganz golden und so — so lang. Und sechs Beine hatte er und Flügel. Kann er denn damit aus der Erde wieder herausfliegen?"
„Nein, mein Sohn," erwiderte Fritz Werder milde lächelnd, „wenn Dein Käser tobt ist, so kann er nicht mehr fliegen."
„Ohh!" machte der Junge betrübt. „Kann er denn tn der Erde noch wachsen? Wie alt wird er denn in der Erde?"
„Das hört alles auf, wenn er tobt ist," entschied Fritz Werder. Aber der jüngere Philosoph war so rasch nicht befriedigt.
„Großmama sagt, wenn einer tobt ist, dann wird er ein Engel und kriegt Flügel," erklärte er. „Und der Käfer hatte die Flügel schon so. Das wird jetzt ein Käferengel. Er ist ja doch todt!"
„Todt und tobt ist ein Unterschieb, mein Sohn. Der Tob ist ein Räthsel," erwiberte Fritz Werder.
Bei dem letzten Worte erhellte sich das Gesicht des Jungen, der den ernsten Sprecher eben noch mit ziemlich hoffnungsloser Verwunderung angestarrt hatte. „Räthsel weiß ich auch," rief er eifrig. Was ist das: Ich werfe es rund aufs Dach, und lang kommt's wiederherunter? Aetsch, das weißt Du aber nicht! — Und übermorgen fängt die Schule wieder an, da lernen wir noch mehr so Sachen."
Die Erwähnung des Ferienschlusses erinnerte Fritz Werder daran, daß seine Zeit kurz bemessen sei. Es wurde ihm ohnedies ungemüthlich in der Unterhaltung mit diesem naseweisen Schlingel. Somit wandte er sich ab mit den freundlich-ernsten Worten: „Nun adieu, mein Junge, und ruinire den schönen Garten nicht mit Deiner Käfergräberei," und stiefelte langsam nach Hause.
Ich trat gerade aus dem Cafö, als er vorbeikam, und da wir den gleichen Weg hatten, so gingen wir eine Weile zusammen. Es fiel mir sogleich auf, wie blaß und wenig erholt er nach den Ferien aussah. Das war aber noch gar nichts gegen die Unkenntniß, in der sich dieser philosophische Mensch über Dinge der Welt befand, die ihn doch auch mittelbar angingen. Er wußte zum Beispiel noch gar nicht, — und ich maßte ihn erst darüber aufklären, — daß sein Väschen Elsbeth sich zwei Tage zuvor mit dem Schriftsteller Karl Semper verlobt hattte.
Es war eigentlich eine recht romantische Verlobung, das hatte ich gerade im Cafe mit ein paar Bekannten sestgestellt. Zuerst hatte sich das hübsche Blondinchen in das Flötenspiel verliebt, welches die linden Lüfte ihr allabendlich aus der gegenüberliegenden Wohnung Sempers — er hatte sie erst vor acht Tagen bezogen — hinübertrugen. Dann hatte er sich vom Fenster aus in ihr Blondköpfchen verliebt, hatte sich persönlich mit der ihm eigenen Leichtigkeit bei der Tante eingeführt, war bei dieser alsbald zum angenehmen Nachbarn und schließlich bei Elsbeth zum Bräutigam vorgerückt.
Als ich Fritz Werder diese einfache Herzensgeschichte mit- theilte, fiel mir zuerst auf, daß er sie nicht ganz so ruhig aufnahm, wie er sich sonst in allen Lagen seines philosophischen Daseins zu geben pflegte. Nachdem ich dann aber aus einigen Andeutungen seinerseits die Nebenumstände erfahren, mußte ich gestehen, daß er sich doch nach Maßgabe der Dinge noch sehr ruhig verhielt. Nur daß es gerade seine Flöte sein mußte, — dieser Umstand schien ihn etwas peinlich zu berühren. Im Uebrigen war er sogar im Staude, eine gute S eite von der Sache zu gewinnen. „Ich hätte sonst morgen einen Besuch bei meiner Tante gemacht," meinte er, „und hätte den Damen womöglich den ganzen Tag opfern müssen. Nun
Coteletts ohne Fleisch. Daß man auch Coteletts ohne Fleisch Herstellen kann, wird wohl mancher Hausfrau noch nicht bekannt sein und doch ist es so. In vielen Küchen hat man ja schon lange Coteletts aus Erbsen und Linse» hergestellt, aber diese vermochten die Stelle der Fleischkost nicht so gut zu vertreten, wie dies Coteletts aus Hohenlohe- schen Grünkernflocken und Haferflocken thun. — Grünkerne sind ja schon an und sür sich wegen ihres lieblichen Aromas in vielen feinen Küchen ein bevorzugter Suppenartikel und das ihnen eigene, kräftige Aroma verwandelt sich durch das Backen der Coteletts in einen geradezu vorzüglichen fleisch- ähnlichen Geschmack. Dieser Geschmack ist so angenehm und pikant, daß viele Personen, denen man Grünkern-Coteletts vorsetzen wird, ohne ihnen zu sagen, aus was sie bestehen, sicherlich der Meinung sind, es handle sich dabei nicht um eine Mehl-, sondern um eine Fleischspeise. Auch aus Hohen- lohe'schen Haferflocken, die sich in den letzten zwei Jahren als beliebte Suppeneinlage in fast allen Küchen eingesührt haben, lassen sich gleichgute Coteletts Herstellen. Wir sind überzeugt, daß die meisten Damen, die einmal einen Versuch damit gemacht haben, dieses neue Gericht gern in ihren ständigen Speisezettel aufnehmen werden. Grünkernflocken und Haferflocken sind nur echt in plombieren Packeten aus der Hoheo- lohe'schen Präserveufabrik Gerabronn in Württemberg. Koch- anweisuagcn werden gratis verschickt.
Literarisches.
»Krieg oder »rieben?* Zeitroman von Gregor Samarow, in 22 Heften a 40 Pfa. (Verlag des Süddiutschen Verlags-^nstnuls in Stuttgart.) Krieg "oder Frieden? Hier der blutige Spu-g.l des scheidenden Jahrhunderts mit seinen in Waffen starrenden, mum Menschenkämpfen zurüstenden Staaten, dort das Sehnen nach dem Völkerfrieden, das mit Macht die Länder durchfluthet, — das stnd me markantesten Signaturen der Gegenwart. Gewaltiges hat das zu En° gehende Jahrhundert geleistet, aber noch weit liegt die goldene Zett Des ewigen Friedens, schlachtbereit stehen die Völker gegeneinander und uw eiserner Hand schärfen die Lenker ihrer Geschicke die Waffen. Schwer neue Conflicte drohen in den Balkanstaaten, zwar können sie Nicht j Ursache, wohl aber zum Vorwand werden für die Entfachung ein europäischen Krieges. — Nur ein Schriftsteller von dem Talente Greg Samarows, welcher über die genaueste Kenntniß der der Oeffentlich! verborgenen Vorgänge in den Regierungskreisen jener Staaten veN g - konnte es unternehmen, den Schleier derselben zu lüften, seinen zur Zeit der letzten Kriege 1866 und 70 entstandenen Roman n „Um Seepter und Kronen" rc. hat Samarow auch im vorliege - von den letzten Jahren bis zur Gegenwart spielenden actuellen Z - roman die Jnternas der Höfe in Petersburg, Berlin und un fr z schen Präsidentenhause geschickt chronologisch aneinandergerecht und do dem deutschen Publikum ein überaus fesselndes Gesammtbüd der h 8 politischen Lage vorgeführt, das — mit den letzten wichtigsten pol Actionen austlingend — gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt das groß Interesse erwecken dürfte. - Die Jllustrirung besorgte Georg berg, ein reich talentirter Münchener Künstler, der die Aufg ° Liebe und Geschick gelöst hat. Das Werk ist durch fede Buchhandt . zu beziehen. ______
Redaction: N. Schehda. — Druck und Verlag der Brüblstchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m Gieß'»


