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Doch, in bem Hausflur ein kurzes, fröhliches Gebell unb bie I ( Baronin mit ihrem unzertrennlichen Begleiter trat ins l Zimmer.
„Verzeihen Sie, wenn Sie warten mußten," sagte ste, ; ihm unbefangen bie Hand reichend, „doch ich war mit bem I Gärtner im Park, er soll mir neue Anlagen abstecken, ein . Stück Felb bazu nehmen, es war bort zu eng geworben, nur schwer noch ließ sich's athmen."
„Sie interessiren sich für Gartenbau, Laub- unb Forst- I wirthschaft, nicht wahr?" fragte er neckenb. „Ein seltener Geschmack für eine junge, schöne Dame."
„Ich interessire mich für Alles, was bie Gebanken I augenblicklich in Anspruch nimmt, ich bin immer auf ber Flucht vor ihnen," sagte sie ernst.
Als sie jetzt, wie eingesponnen vom Sonnenlicht, vor ihm stanb, bie Wangen leicht geröthet, bie bunkeln Haare I vom Frühlingswind verwirrt, da wußte er auch den düsteren Zug in bem schönen Gesicht zu beuten. Ueber ber Nase liefen bie seinen Brauen bicht in einanber, ba saß bas Unglückszeichen, wie der Volksmund sagt. „Viele Thränen, früher Tod," hatte die alte Großmutter stets gemurmelt, wenn sie solch einem Gesicht begegnet.
Es fröstelte ihn, und fein leichtes, sorgloses Herz wurde ihm plötzlich schwer.
„Frieren Sie, hier mitten in ber «Sonne ?" fragte sie erstaunt.
„Nein, nein, nur ein leichter Fieberschauer, uberange- sttengte Nerven.", I
„Ich bachte, nur Frauen seien nervös." lächelte ste. „Aber freilich ber Anblick von Jammer unb Eleub, bem der Arzt ausgesetzt ist, muß an die L-eele greifen. Onkel Doctor kam von einem Sterbebett nie gleich zu uns. Von alltäglichem könne er. bann tagelang nicht sprechen, meinte er stets/
„Doctor Borrmanu ist auch ein seltener Mensch, mit | diesem Maßstab dürfen Sie nicht alle Sterblichen messen."
„Nicht wahr? Unb Onkel Gustav war so ebel unb selbstlos, unb erst meine Mutter." Sie seufzte unb brach ab.
Es klopfte unb Busse erinnerte mit respektvoller Verbeugung baran, baß ber Förster bie gnäbige Frau im Wulbe erwarte. Der am Morgen befohlene Wagen halte bereits vor ber Thür.
„Richtig, unb Sie, Herr Doctor, fahren, wenn Ste nichts besseres vorhaben, wohl mit mir. Zuerst tnuß ich nach Neuhof, bort soll ein Knecht erkrankt sein, ben müssen wir uns ansehen. Vielleicht ist es etwas Ansteckenbes."
Doctor Seuglin verbeugte sich zustimmenb.
Draußen scharrten bie feurigen Rappen bie Erde unb rissen ben leichten, zweisitzigen Wagen ungebutbig hin unb her.
„Zu ber Fahrt wirb wohl ein Hut nöthig sein," überlegte bie Baronin, „meine Pelzmütze ist jebenfalls zu warm.
Walter sah ihr zu, wie sie betriebene Schrankthureu öffnete unb kopfschüttelnb wieber schloß, enblich war der große, vorjährige Gartenhut entdeckt unb sie reisefertig.
Unwillkürlich buchte er an Alma, bie sicherlich vier bts fünf Hüte vor bem Spiegel ausprobirte, bis sie ben ge- funben, ber ihr, ihrer Meinung nach, am Besten staub.
„Schufterle, wo steckst Du benn? Es geht ja in's Freie.
„Nehmen Sie ben Hunb mit?"
„Natürlich, er begleitet mich überall hin, nur nicht zu Tante Minchen, bie Hunden von jeher abgeneigt ist."
Die Baronin hatte in dem leichten Wägelchen Platz genommen und deutete auf den zweiten leeren Sitz neben ihr.
„Und der Kutscher?" ,
„Den nehme ich nie auf meinen Fahrten mit. Doch, Sie können sich ruhig mir anvertrauen. Ich kutschire ganz sicher, nicht wahr, Busse?"
„Sicherer wie unser bester Kutscher," bestätigte ber alte Rechnungsführer, den jungen Mann mit burchaus nicht wohlwollenben Blicken messenb.
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zu Muthe. , .
cvn einem bescheibenen Vorgartchen, ztemllch am Enbe der Straße, die er sich als letzten Abschnitt seines Spazierweges vorgenommen, fiel ihm eine seltsame Anlage in die Augen. Es war da ein ganz winziger Hügel aufgebaut aus feuchter Gartenerde unb bunten Kieselsteinchen- bavor kauerte ein kleiner Bursche von acht Jahren höchstens, bem Zustande seiner Hände und Kleider nach ber eigenhändige Baumeister jenes Kunstwerks, eben beschäftigt, mit bem Griffel bie letzten Züge einer Inschrift zu kritzeln: „Hir liegt ein Kähfer.
„Es heißt „Hier" mit e, Kleiner," bemerkte Fritz Werber mit päbagogischem Pflichtgefühl. „Unb Käfer schreibt man ohne h. Was machst Du denn ba überhaupt?" fuhr er etwas
Der Käfer.
Von C e t h eg u s.
(Schluß.)
Zunächst machte er ben Anfang mit einem kleinen Spazier - gang. Nicht ohne Vergnügen stellte er fest, daß bie Nachmittagssonne schon recht warm schien unb bie Wmbe weich unb linb wehten, unb als er in ben Vorgärten überall.Stiefmütterchen unb Crocns unter ben rothen Blütheuzweigen ber iapanischen Quitte unb ben knospenben, buftigen Syringen heraufgrüßen sah unb immerfort bie verliebten Lieber ber Finken unb Amseln hörte, warb es ihm orbentlich liebeslusttg
als ob ber Doctor Borrmanu nicht es vierzig Jähre lang halb umsonst curirt hätte. Ja, Unbank ist ber Welt' Lohn!"
Im leichten Morgenwinb flog bas Gefährt an ben jungen Saatenfelbern vorüber. Hoch über ben Köpfen jubilirten bie Lerchen unb schwangen sich zum azurnen Himmel empor.
Doctor Seuglin fühlte, wie es ihm heiß unb eng ums Herz würbe. Das reizenbe Profil, auf welches ber große Hut hin unb wieber Schatten warf, war ihm so nahe, unb fein Blick kehrte immer wieber zu den schlanken Händen zurück, die so ruhig unb fest bie Zügel hielten.
Würbe sie auch so ruhig bleiben, wenn man ihr von Liebe spräche? Welche Himmelslust, bie Flamme ber Seibern schaff in dieser unberührten Seele zu wecken! Doch, war sie nicht bas Weib eines Anberen?
Blitzschnell kam ihm ber Gebanke, unb ehe er sich besinnen konnte, entschlüpfte ihm bie Frage: „Warum tragen Sie keinen Trauring, gnädige Frau?"
Erschrocken blickte sie ihn an. „Wie sollte ich?
I stammelte sie. „Es war ja nur eine Form, ein bürgerlicher Act, ber mich vor Hunger schützen sollte." ,
Erglühenb setzte sie hinzu. „Das war nicht freunblich von Ihnen, bas hätten Sie nicht fragen sollen."
„Verzeihen Sie?" Er hatte ihre Hänbe ergriffen unb I ehrfurchtsvoll geküßt.
Schweigenb saßen sie nebeneinanber.
Das ist Neuhof," sagte Therese enblich, auf em kleines Häuserviereck beutenb, bas mit seinen moosigen Schinbeldächern, hart am finsteren Walbesranb gelegen, nicht gerabe einen freunblichen Einbruck machte. Gewanbt I senkte sie bnrchs Hofthor ein unb hielt vor einem nichtigen ©eitengebäube, bas wohl Lentewohnungen enthalten mochte.
„Die gnäbige Frau," hieß es halblaut, „sie kommt wieber selbst, obgleich es boch der Typhus ist, schon ber I britte
Wie geht es heute dem August?" fragte sie, vom Wagen springenb. „Ich habe ben Doctor mitgebracht. Laßt einmal sehen." t ,r
Die in ber Hausthür umherstehenben Weiber machten ihr Platz unb nun trat sie mit bem Arzt zugleich aus ber frischen Frühlingsluft in bas bumpfe Krankenzimmer.
(Fortsetzung folgt.)


