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Dienstag den 7. Mai.
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Wummheit allein kann nichts erreichen, Doch hat Erfolg sie ohne Gleichen
M Und bringt’5 im Leben ziemlich weit, Wenn sie sich paart mit Dreistigkeit. Mikado.
Ein Kampfplatz ist die Welt;
Das Kränzlein und die Kron' Trägt Keiner, der nicht kämpft, Mit Ruhm und Ehr' davon. I. Scheffler.
Fata Morgana,
Novelle von H. Rens.
(Fortsetzung.)
„Das Wittum!" Ich weiß nicht, hatte ich es gerufen oder der Sterbende es hervorgestöhnt. Es war gesagt, und der Gedanke mußte zur That werden, ehe der letzte Athem- zug der röchelnden Brust entflohen. Neuhof, ein kleines Vorwerk, das nur bescheidene Revenue abwarf,, war, einer alten Familienbestimmung nach, der unumschränkte Besitz einer jeweiligen verwittweten Baronin Dählström bis an thr Lebensende. Lange schon stand das kleine Haus dort leer, nun sollte es eine Zufluchsstätte für unseren verwaisten Liebling werden.
Ich stürzte fort, sie aufzusuchen. Mit rothgewemten Augen fand ich sie im Nebenzimmer, angstvoll flog sie mrr entgegen. „Ist er hinüber?" .
Ich nahm sie in meine Arme und sagte ihr, wie die Sorge um ihre Zukunft ihn quäle, dem Theueren den Todeskampf erschwere. Anfänglich schien sie milb nicht zu verstehen und als ich geendet, hatte sie nur begriffen, daß es in ihrer Hand lag, den sie mit der Hingebung einer Tochter liebte, ein ruhiges Hinüberschlummern bereiten zu helfen.
Nun galt es zu handeln- als ob der Tod uns auf den Fersen säße, jagten wir mit den schnellsten Pferden nach der Stadt. Der alte, nun auch verstorbene Bürgermeister, der die Standesamtsgeschäfte versah, wurde wachgeklopft, wir nahmen ihn mit uns, fanden den Baron unter der Obhut der leise weinenden Therese bei vollem Bewußtsein. Die rechte Hand vermochte die Feder noch zu führen. Die Unterschrift war gültig, genügende Zeugen anwesend und
das Wittum unserem Kind, das jetzt Baronin Dählström hieß, gesichert. ,
Wie wenig vermag unsere Wissenschaft, wie kurzsicht! g sind wir Aerzte doch, die die Menschen glauben machen wollen, der Tod lasse sich von ihnen bannen. Den lethargischen Schlummer, in den der Baron versank, hielten wir Alle, der berühmte College an der Spitze, für eintretende Agonie. Es dauerte wohl länger als ein Tag und der Freund erwachte aus ihm, als ein vollkommen gelähmter, unglücklicher Mann, der sich nur schwach mit lallender Stimme verständigen konnte. , „
Therese jubelte. „Er wird nicht sterben, rotr wollen ihn so sorgsam pflegen, er muß sich ja erholen, weiter füi uns leben," meinte sie hoffnungsvoll.
Anfänglich sah sie verwundert auf, wenn die Dienerschaft sie „gnädige Frau" nannte. Die nüchterne Ceremome, zu der man nur ihre Unterschrift verlangte, hatte wenig Eindruck auf sie gemacht und war in der Todesangst und Sorge um den geliebten Onkel wohl halb von ihr vergessen worden. Bald sollte sie von Außen her grausam daran erinnert werden. Des Barons Familie scheute sich nicht, das, was man sich früher über die Mutter zugeraunt, nun aut die Tochter zu übertragen. Man nannte sie eine schamlose Erbschleicherin, eine Jntriguantin, die den sterbenden Baron bewogen, auf dem Todtenbett ein sträfliches Verhältniß zu sanetioniren. Man sorgte für den Vertrieb dieser Gerüchte, und Therese, ein Engel an Unerfahrenheit und Unschuld, war qebrandmarkt für immer.
Als es ihr endlich langsam auszudammern begann, was man von ihr dachte, wofür man sie eigentlich hielt, da erstarrte das Blut ihr in den Andern, da wurde das warme Herz ihr zu Eis.
Ohne an sich selbst zu denken, pflegte sie mit feltener Opferwilligkeit den Onkel, der, ein Lebendigbegrabener, kaum mehr ein Dankeswort, ein Lächeln für seine Umgebung hat. Sie verwaltet den äußeren Besitz, ist unausgesetzt thätig, aber die unwiderstehliche Liebenswürdigkeit ihres Wesens, das zarte, weiche Lächeln hat sie verloren. Düster, unruhig, rastlos erscheint sie mir oft, nur noch ein Schatten der holden Theerose von ehedem."
Der alte Doctor schwieg. Die Pseife war ihm kalt geworden und unbeachtet zur Erde gefallen.
Wie aus einem Traum fuhr Walter Sengbn in die Höhe. „Das ist ja eine Tragödie!" sagte er erschüttert. ,
Doetor Borrmann nickte. „Es ist die Geschichte dreier Idealisten, die an Menschenglück zu kurz gekommen, für


