— 260
Gemeinnütziges
vielvermögenden Segnungen des Ganzen noch besonders anzueignen oder zu sichern. Sie werden somit gewissermaßen zum baumgestalrigen Schutzgeiste der schmückenden Gemeinde „im verjüngten Maßstabe", der auch die treu erfundene Jungfrau beglückt. Sittlich verwahrloste Mädchen dagegen erblicken in den dürren Bäumen, abgenutzten Strauchbesen und leeren Strohpuppen das groteske Abbild ihres inneren Wesens. Vergleicht doch schon die Bibel ungerechte und gottlose Menschen mit „dürrem Holze", weil sie keine „Frucht der Gerechtigkeit" zeitigen, und Ambrosius sagte einmal: „Du bist durch Adam ein dürres Holz geworden, nun aber bist Du durch Christi Huld ein edler Fruchtbaum." Wer nämlich Lust hat zum lebendigen Worte Gottes, der ist nach dem 1. Psalm „wie ein Baum, gepflanzet an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit". Auch nach Ps. 92, 13, Spr. Sal. 11, 28 und Jes. 61, 1 werden die Gerechten mit grünen Bäum-n verglichen, ja selbst in nichtchristlichen Religionen gelten immergrüne Bäume und andere Gewächse als Sinnbilder der unnahbaren, makellosen Gottheit.
Zugleich sei hier bemerkt, daß im jugendlichen Christen- thum öffentliche Büßer am Tage vor Charfreitag wieder in „die Gemeinschaft der Heiligen" ausgenommen und als gerecht angesehen wurden, weshalb dieser Terinin „Tag der Grünen" (dies viridium) hieß und heute noch als „Gründonnerstag" bekannt ist.
Es ist nun leicht begreiflich, daß heirathsfähige Mädchen das nächtliche Setzen von dürren Bäumen, zerfetzten Besen, fratzenhaften Strohpuppen mit aller Gewalt zu verhindern suchten, .denn man spielte auf ihren Lebenswandel an. Werden sie doch auch von einer Nachtigall in Uhlands Schriften eindringlich gewarnt:
„Und wenn die Lind ihr Laub verliert, Behält sie nur die Aeste.
Daran gedenkt, ihr Mägdlein jung, Und haltet euer Kränzlein feste."
Daß gerade die Birke zur heilbringenden „Maie" ausersehen wurde und nicht die ehemals in Deutschland so hochgeehrte und weitverbreitete Eiche, hat jedenfalls darin seinen Grund, daß sie im Frühjahr zuerst ihren grünen Schmuck hervortreten läßt und dadurch ganz besonders vom baumbelebenden Schutzgeiste heimgesucht zu sein schien. Jedenfalls war sie deshalb auch dem allmächtigen Donnergott, dem hohen Spender von Licht und Fruchtbarkeit, besonders heilig. Die junge christliche Kirche hat später dann die heidnische Sitte des Pfingstfestes mit übernommen und für sich besonders zugestutzt. Wohl haben engherzige Behörden früherer Jahrhunderte das „Maiensetzen" durch allerhand Verfügungen zu unterdrücken sich bemüht, jedoch vergebens. Man hielt es vielmehr stets mit den Worten Davids:
„Schmücket das Fest mit Maien!"
saftigen Büschen umkleideten „Laubmann", wobei letzterer seinen verhaßten Gegner, den symbolischen Winter, besiegen mußte. Häufig wurde auch wohl eine wirkliche Strohpuppe außerhalb der betheiligten Ortschaft in ein nahes Wasser gestürzt. Das nannte man „den Winter verjagen" oder „den Tod austreiben", weil der eisige Winter gleichsam als zeitweiliger Tod der Natur aufgefaßt wurde. Das allgemeine Anstimmen froher Lieder während des Rückzuges hieß „den Maien singen", wie denn beispielsweise in Oberschlesien der dort bekannte „Sommer", jenes am Lätaresonntage einher- g. agene geschmückte Bäumchen, durchgehends „Mai" genannt und omit nach dem der Sache nächstverwandten Brauche bezeichnet wurde. Böhmische Mädchen wiederum begeben sich in den Wald, zieren hier ein bis unter die Krone geschältes Bäumchen mit bunten Eierschalen und hängen dann eine aus Lumpen zusammengebaute Puppe in Gestalt einer weißgekleideten Frau daran, die sie gleich den Zweigen mit rothen und weißen Bändern ausschmücken. Dieses sonderbar zuberettete Bäumchen heißt nun Leto oder Lito (gleich Sommer) und wird unter frohem Grsang von Haus zu Haus getragen. Am Donnerstage nach Pfingsten fällen auch die Bewohner russischer Landocte im nahen Forst eine junge Birke, die sie mit Frauenkleidern schmücken oder mit buntfarbigen Lappen und Bändern ausputzen und dann jubelnd heimsühren.
Diese augezogenen Beispiele thun dar, daß jener Maibaum gewisse, maßen als eine Person dargestellt und verehrt wird, mithin die personificirte „schöne Jahreszeit" ist. Nicht nur die alten Germanen, sondern alle heidnischen Völker der Vorzeit dachten sich die Bäume beseelt. Sollen doch unsere altdeutschen Urahnen aus lebenden Bäumen hervorgegangen sein, und gewisse Krankheiten des menschlichen Geschlechts werden ähnlichen Nebeln der Pflanzenwelt gleichbenannt und auch auf Bäume übertragen, ebenso wie man hier und da auch das plötzliche Verdorren einzelner Bäume mit dem Tode des Menschen in prophezeiende Verbindung bringt.
Die nach dem kindlichen Volksglauben im Baume befindlichen Geister veranlassen zugleich dessen Wachsthum, ebenso wie die sogenannten „Holzfräulein" der Sage im Gras- und Kornwuchs walten. Wird doch in Schlesien der umjubelte Sommer außer „Mai" noch „Sproß" genannt, eine seltsame Bezeichnung, die sehr deutlich an den vermeintlichen Wachs- thums- oder Vegetationsgeist erinnert. Die gedachte Wirksamkeit desselben erstreckte sich auf das Wachsthum als solches überhaupt, und demgemäß erweiterte sich die Vorstellung von ihm zu der allgemeinen eines wohlwollenden Schutzgeistes für alle möglichen Verhältnisse (Mennhardt, Baumcultus der Germanen). Der große Maibaum, den die gesammte Dorfbevölkerung feierlich einholt, auf freiem Platze in ihrer Mitte aufpflanzt und wie ihren Augapfel bewacht, damit ihn die neidische Bewohnerschaft irgend eines Nachbarortes . nicht meuchlings entwende und damit zugleich den damit verknüpften Segen ererbe, stellt den eigentlichen Lebcnsbaum, das einstens so bedeutungsvolle „Mal" des Weichbildes, ja gleichsam das zweite Ich der ganzen Commune dar. Ihm sich nahen zu dürfen, ist für jedes Glied der Gemeinde ein besonderes Heiligthum, weshalb er feierlich umtanzt und auch zuweilen durch Darbringung von Geschenken ausgezeichnet wird. Bunte Bänder und Kränze schmücken den Wipfel dieses vom allgemeinen Schutzgeiste beseelten und bewohnten Baumes, ebenso wie jene buntscheckigen Lappen und Zeugslücke die Fetischbäume roher Naturvölker. Mit den mancherlei Kleidungsstücken, die man an den communalen Pfingstbaum hängt oder um seine Zweige hüllt, soll gewissermaßen der persönlich gedachte Schutzgeist selbst angethan werden.
Alle die zahlreichen Maibäumchen, sowie die kleinen Birkenbüsche verwirklichen ganz denselben Gedanken wie der eigentliche Pfingstbaum. Sie haben aber den volksthümlichen Zweck, jedem einzelnen Hause, den Thieren im Stalle, dem Wasser im Brunnen, dem Schiffe auf dem Meere rc. die
Wieder ein neues Preisnusschreiben finden wir in Nr. 31 der Wochenschrift für die deutsche Frauenwetl „Von Haus zu Haus" in Leipzig, an dem sich alle federgewandten Hausfrauen und solche, die es werden wo len, betheiligen können. Auf Grund eigener Erfahrung so e die Leser und Leserinnen gute Bezugsquellen angcben un besprechen, die alles für Haus und Familie Nothwcndige u - fassen, und die auf practische Weihnachstsgeschenke hmwe se - Der erste Preis besteht in einem hocheleganten Sa o - Piano von W. Ritmüller u. Sohn in Göttingen (Wer? 900 Mark), dem sich andere kostbare Preise anschuev ■ Näheres ist aas Nr. 31 der Wochenschrift //Bon Haus z Haus" zu ersehen, welche auf Verlangen von Adolfs «9 Verlag in Leipzig überall kostenfrei und portofrei versandt w
Redaction: 8L Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in


