Ausgabe 
5.6.1897
 
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GMStaß dm 5. Juni.

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in Gießen.

t fingsten ist's! In frohem Jubelhall ,-El Künden es die Glocken.

V Wecken in den Landen überall Jauchzen und Frohlocken!

Gottes wunderbarer Liebesgeist

Hat die Welt umflossen;

liebet alle Wesen hat er sich

Segensvoll ergossen!

Nun schmückt mit blühenden Maien das Haus, Laßt aus den Herzen den Unmuth heraus Vom Höchsten bis zum Geringsten.

Die Welt steht in Blüthe, kehrt aus den Wust, Es schwelle Hoffnungsfreude die Brust, Euch Allen fröhliche Pfingsten!

Das Kind der Tänzerin.

Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.

(Fortsetzung.)

Hast Du nun genug, Poll?" krächzte die Großmutter, als sie ihre Kräfte an mir erschöpft hatte.Willst Du je wieder Nan's Antheil aus Dich nehmen?"

Ja!" rief ich trotzig,-lieber magst Du mich tobten als sie anrühren!"

Es war nicht ihre Absicht mich zu tobten; ich war ihr zu werthvoll, allein sie warf mir einen bösen Blick zu.

Es ist böses Blut in Dir, Poll," sagte sie;Du kommst von einer schlimmen Rasse. Nun, wie Du willst; mir ist's gleich, welchen von Euch Bälgen ich dresche; am Ende ist's leister, Einem gleich eine doppelte Portion zu geben. So jetzt nimm eine andere Flasche und hole mir Gin."

Ich gehorchte. Nan schlich mir nach und hielt sich an meinem zerlumpten Kleide fest; ich schlang meine zerschlagenen Arme um sie.Fürchte Dich nicht, Nan," sagte ich froh­lockend,Dich wird sie nicht mehr schlagen; soviel habe ich wenigstens durchgesetzt; ich allein werde fortan alle Prügel kriegen."

Es war ein Sieg, der mich theuer zu stehen kam. So oft Großmutter Serag von dieser Zeit an auf Nan zürnte, stürzte sie auf mich zu und prügelte mich unbarmherzig. Sie liebte keine von uns Beiden; gegen mich aber war ihr Haß

besonders giftiger Art. Viele grausame Züchtigungen hatte ich um Nan's willen zu erdulden; nie aber lehnte ich mich dagegen auf, nie bereute ich meine Großmuth. Die Schmerzen, die ich für Nan litt, dünkten mich süß.

Man muß nun einmal Etwas zu lieben haben. Schon als Kind war ich so unglücklich, eine Natur zu besitzen, der Liebe und Anhänglichkeit unentbehrlich waren. Von Religion wußte ich so wenig wie ein Hottentotte, die Bande der Blutsverwandschast waren mir ein Buch mit sieben Siegeln. So kam es dann, daß Nan mein Alles war.

Tag für Tag sandte Großmutter Serag uns zum Betteln aus. Auf den Straßen lernte ich bald die Macht der Schönheit kennen. Mich blickten die Leute unwirsch an und liehen meinen Bitten ein taubes Ohr; wenn sie aber in Nan's zartes, weißes Gesichtchen mit den großen Veilchenaugeit und beit goldgelben Locken blickten, blieben neun unter den zehn stehen und gaben uns einen Cent. Ohne Nan's Gesicht hätte ich an manchen Tagen schlechte Geschäfte gemacht.

Zuweilen wurden wir von neugierigen Damen und Dienstmädchen nach unseren Namen und unserer Wohnung gefragt, und dann mußte ich die mir eingebläute Jarnrner- geschichte von unserer armen, lieben, alten Großmutter er­zählen, die schwer krank darnieder liege und kein Geld habe, um ihre Miethe zu bezahlen und Arzeneien zu kaufen. Ich war keine gewandte Lügnerin; wenn ich zu scharf ausgefragt wurde, gerieth ich gewöhnlich in's Stocken und ergriff die Flucht.

Die schüchterne und furchtsame Nau überließ alles Sprechen mir; sie klammerte sich stets an meine Lumpen an, ließ ihr liebliches Gesichtchen für sie reden, n d dieses war beredter als meine Zunge. Sie war ein zartes, kleines Geschöpf. Noch jetzt denke ich mit Genugthuung daran, daß ich stets mein Bestes für sie that. Wenn es regnete, so be­deckte ich sie mit meinen Lumpen; wenn sie vor Kälte zitterte, so erwärmte ich sie mit meinem Leib, wenn wir Beide hungrig waren und nur wenig zu essen bekamen, so ließ ich ihr die Hälfte von meinem Antheil.

Zuweilen wanderten wir durch die Straßen nach einem großen Platze, wo es Bäume und Springbrunnen und Sitze gab, auf denen man ausruhen konnte; weiter hinaus fanden wir einen Park, schattige Bäume, Blumenbeete und einen Teich, auf dem Boote und Schwäne umherschwamen. Es war ein Paradies für uns armen Sin Der aus der Alley. Der Sonnenschein, die Blüthenpracht und all die Schönheit um uns her machten uns meinen.

Oh Polly liebe Polly! Laß uns hier bleiben und