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Der höfliche Pole ruft dem Riesenden zu: „Hundert Jahre!" Worauf selbiger erwidert: „Ich bitte um Be- gräbniß!"
Jean Paul behauptet, jeder Mensch bleibe wenigstens in einer Sache original — in der Weise zu niesen. Und er hat recht. Wer einmal darauf achtet, wie seine Mitmenschen niesen, wird sehr bald finden, daß Jeder in einer anderen Weise niest. Dieser macht seinem Riechwerkzeuge in derartig dröhnender Weise Luft, daß Alles um ihn herum bebt und erzittert, jener wiederum niest so, als ob er nur den Versuch mache zu niesen- der Eine niest ein-, höchstens zweimal, ein Anderer gleich, ohne gerade den Schnupfen zu haben, ein paar Dutzend Mal hintereinander. Das Letztere ist insbesondere bei älteren Herren der Fall. Die Mehrzahl der Menschen huldigt beim Niesen dem Dualismus und niest zweimal hintereinander. Auch die Bewegungen, welche die verschiedenen Menschen beim Niesen machen, erhöhen durch ihre Bersch edenartigkeit noch die Berechtigung des Jean Paul'schen Ausspruchs.
Ich bin in meinem Leben mit vielen eigenthümlichen Niesern zusammengekommen.
Im Hause der verwittweten Frau Hofrath -E. hatte ich auch deren Vater, einen stemalten Gelehrten kennen gelernt, einen lieben lustigen Herrn, der mit vielem Humor aus seinem reichbewegten Leben zu erzählen wußte. Wenn dieser erst einmal in's Niesen kam, so hörte der rüstige Achtziger auch so bald nicht wieder auf. Marie, die reizende, jüngere Enkelin, behauptete allen Ernstes einmal, drei Dutzend „Hatzi" hintereinander gezählt zu haben, und wußte in ihrer an- muthigen Weise immer neue Scherze über die Nieslust des Großvaters zu machen. Das eine Mal schlug sie vor, während des Niesanfalles des lieben Alten einen Spaziergang zu unternehmen, oder sie entrirte Wetten über die Anzahl der „Hatzis", und unerschöpflich war der kleine Kobold trotz des oftmaligen Verweises der Mutter in derartigen Fällen, die den alten Herrn selbst erheiterten, und ihn keineswegs störten, seiner Nieslust freien Lauf zu lassen. Da warf ein Unfall den Greis aufs Krankenlager. Eine bei einem Falle zugezogene Verletzung, die ein Jüngerer leicht überwunden hätte, machte dem Arzt bange Sorge. Der Zustand des Kranken der- schlimmer.-e sich von Tag zu Tag, sodaß die Angehörigen über das baldige Ende desselben wohl nicht mehr im Zweifel waren. Die Familie war mit dem Arzt am Sterbelager versammelt. Da plötzlich regt es sich in dem Sterbenden, es arbeitet lebhafter in seinen Zügen, die Frauen blicken unwillkürlich auf, ein convulsivisches Zucken ergreift den Daliegenden, er beginnt zu niesen- er niest ein Mal, er niest ein zweites Mal, zum dritten, vierten und fünften Male. Die vier das Sterbelager umstehenden Personen blicken mit gespannter und stummer Aufmerksamkeit auf den Niesenden. Da unterbricht der Arzt die peinliche Stille — er glaubte in dem Niesenden wohl ein besonderes Symptom der Krankheit zu erblicken und er richtet daher an die Tochter des Kranken die Frage: „Niest Ihr Vater immer so stark?" Da blicken sich unwillkürlich die trauernden Frauen an, ein schelmisches Zucken leuchtet in den blitzenden Augen des jüngeren Mädchens auf, all die froh verlebten Stunden mögen in. den Gedanken der Drei aufdämmern, und während Frau Hofrath £. die Frage des Arztes mit einem stummen Nicken beantwortet, müssen Alle plötzlich so unwillkürlich in sich hineinlachen, daß ein ordentlicher Lachschauer sie ergreift. Unterdessen niest der Greis fort und fort, wohl schon überein Dutzend Male, noch einmal hebt er dazu an, aber schon verläßt ihn die letzte Krack, er fällt, indem er niesen will, in d-e Kissen zurück — und ist tobt. Unter dem Lachen snner nächsten Angehörigen hat er den Lebensathem ausgehaucht.
(Schluß folgt.)
Gemeinnützig-s.
Sttt Hygiene des Radfahrens. Nachdem so oft seitens englischer Aerzte gegen Radfahren im Allgemeinen und das der Damen insbesondere geeifert worden ist, hat sich auf dem kürzlich in Newcastle versammelten Kongreß ffo Gesundheitspflege ein Dr. Turner einmal sehr entschieden zu Gunsten des Radfahrens für das weibliche Geschlecht ausgesprochen. Dr. Turner bezeichnete es, der „Franks. Ztg? zufolge, nicht nur als seine eigene Meinung, sondern als die Ueberzeugung sehr vieler seiner Berufsgenossen, die Gelegenheit hatten, derartige Wahrnehmungen zu machen, daß!sich der Gesundheitszustand von Frauen, die sich dem Radfahren ergeben, regelmäßig bedeutend verbessert. Viele Damen haben nicht nur kleine Leiden verloren, sondern bei organischen Fehlern große Erleichterung empfunden, seitdem sie dem Sport zu huldigen anfingen. Das Radfahren wurde von dem Bor- ; tragenden als diejenige Uebung bezeichnet, die wirksamer als alle anderen den Stoffwechsel befördere, die Hautthätigkeit anrege, auf die Athmungsorgane wirke, jeden Muskel kräftige Allerdings fordert Dr. Turner von den radfahrenden Damen die Benutzung eigener Kleidung für das Fahren, wollenes Unterzeug, sowie ganz lose sitzende Kleider, und hält die Betheiligung von Damen an Wettfahrten für sehr schädlich.
Literarisches
Der Streit um die Sixtinische Madonna, der während der letzten Wochen die gesammte Kunstwelt so lebhaft erregt hat, d»rs nunmehr nach Zurückweisung der von Herrn Badrutt in ®t Moritz für sein Bild erhobenen Ansprüche für immer als erledigt gelten. Sieg, reicher als je hat sich bei der vorgenommenen Nebeneinanderstellung beider Bilder die Dresdener Madonna als Raffaels Originalschöpfung bewährt und es haben dabei vor Allem die inneren Vorzüge des Bildes die Entscheidung auch nicht einen Augenblick zweifelhaft gemacht. Nicht uninteressant ist es, daß gerade in diesem Momente eine zu weitester Verbreitung bestimmte Nachbildung der Dresdener Madonna hervortritt, die sie mit allen ihren Vorzügen im hellsten Lichte erscheinen läßt. Es ist das em als Kunstbeilage der jüngsten Nummer von „Uebtr Land Mttft Me-r" beigegebener, mit acht Farbenplatten hergestellter bunter Holzschnitt nach einer von dem Münchener Maler Moritz Roebbecke eigens dafür an Ort und Stelle aufgenommenen Oelcopie, ein Blatt, das als eine Meisterleistung der modernen Buntdrucktechnik bezeichnet werden muß. In dankenswerther Weise hat die Leitung der altbewährten Zeitschrift den Anlaß benutzt, um in klarer, allgemein verständlicher Weise dem großen Publikum einen Einblick in die Art zu gewähren, wie derartige farbige Schnitte hergestellt werden. Auf einer großen Tafel wird uns an fünfzehn, dem großen Bilde als Ausschnitte entnommenen Farbenbildchen veranschaulicht, wie die verschiedenen Farben in entsprechender Reihenfolge geschnitten und gedruckt werden und das Bild wie aus einem Nebelschleier herauswächst, dabei immer deutlicher und greifbarer, bis es zuletzt in seiner ganzen Abrundung und in seinem vollen Farbenschmuck vor uns steht.
Zur hundertjährigen Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms I., bei welcher so vielfach zum Ausdruck gebracht werden soll, was das deutsche Volk für seinen großen Kaiser empfindet, hat auch das im Verlage von John Henry Schwerin, Berlin W. 35, erscheinende herrsche Familienblatt »Mod« nnh Haus* eine hierauf bezügliche Ge dichtconcurrenz mit baaren 200 Wt. ausgeschrieben. Es entspricht das nur der Tendenz dieses echt deutschen Familienblattes, dessen Vielseitigkeit sowohl wie die Vorzüglichkeit des Gebotenen seine Verbreitung über die ganze bewohnte Erde erwirkt haben. Die 3. Januar-Nummer bringt u. a. Ballkleider, Maskenkostüme. Gesellschaftstoiletten rc. Der mit jeder istägigen Nummer erscheinende Schnittbogen weist 86 Figuren auf, ferner naturgroße Handarbeiten-Vorlagen und Monogramm-Alphabei. In der illustrirten Bellestitik finden wir den Namen Nataly von Esch- strutb, Dr. Adalbert von Hanstein u. a. m Andere Beilagen, wie: Haustheil, Meinungsaustausch 10 Psg. pro Zeile), illustrirtes Damen- Witzblatt „Humor", Aerztlich-r Rathgeber, Juridischer Rathgeber (Kostenlose Rathertheilung von erfahrenem Rechtsanwalt an Abonnentem, Briefkasten 2C. machen „Mode und Haus" zu 1 Mk. vierteljährlich für die deutsche Familie unentbehrlich. Besonders zu empfehlen ist die Ausgabe zu 1V* Mk. mit farbigem Modenbild, eleganten Handarbeiten-Ko- lorit, Musterfrisuren und 8 fettiger Romanbeilage: „Aus besten Federn." Von dem laufenden Roman: „Nach uns die'Sündfluth", von E. von Wald-Zedtwitz, erhalten die neu hinzutretenden Abonnenten der Ausgabe zu V» Mk. 56 Seiten Roman gratis nachgeliefert Abonnements durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. Gratis-Probenummern durch erstere und den Verlag.
Redaction: SL Scheyda.
®ru(t und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gieße«-


