Ausgabe 
4.12.1897
 
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Gein-knnütziges.

Um unsere lieben Kleinen im Winter nach Möglichkeit vor Halskrankheitert zu schützen, sie aber doch nach Herzenslust in der kalten Winterluft mit Schneeballwerfen und Schlittenfahren spielen lassen zu können, empfiehlt es fich, wie derPractische Wegweiser", Würzburg, schreibt, daß die Kinder vor jedem Ausgange den Mund mit frischem Trinkwasser gurgeln, wohl auch langsam Wasser trinken, damit die Rachenschleimhäute schon genügend abgekühlt und dadurch unempfindlicher sind, wenn die Kinder in üppiger Lebensfreude laut jnbiliren und der schneidend kalten Luft ungehinderte Berührung mit den inneren Luftwegen gestatten, wodurch so oft schwere Krankheiten entstehen. Auch lasse man die Kinder nie direct von der warmen Stube ins Freie, sondern halte sie stets etwas im Hausgange auf. Durch diese kleinen Mittelchen kann manche Krankheit ver­hütet werden.

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Förderung der Obstbaumzncht durch die Schule. Ich bin der Ansicht, so schreibt ein Lehrer einem bayerischen Blatt, daß die Schule in erster Linie berufen ist, die Obst­baumzucht zu fördern und ich erachte es als eine Pflicht der Lehrer, bei den Kindern Lust und Liebe zur Obstbaumzucht zu wecken. Wenn dies allgemein geschieht, so bin ich über­zeugt, daß die Obstbaumfrevel ganz verschwinden und die Obstbaumzucht zum allgemeinen Nutzen großen Aufschwung erfährt. Um nun bei den Kindern Lust und Freude am Obstbau zu erzielen, muß in meiner Schule jeder Knabe der 3. Klasse außer den allgemeinen Arbeiten im Schulobstgarten ein eigenes Bäumchen pflanzen, veredeln und pflegen. Beim Austritte aus der Schule erhält dann der betreffende Knabe feinen Pflegling zum Geschenke und kann denselben im elter­lichen Anwesen nutzbringend verpflanzen. Ich glaube, daß Hunderte von Collegen dieses Mittel anwenden, um bei den Kindern Lust und Liebe zum Obstbau zu fördern, und ich zweifle nicht, daß stets der Zweck erreicht wird." Dazu bemerkt derPractische Wegweiser", Würzburg, folgendes: Es wäre nur zu wünschen, daß der geschenkte Pflegling auch thatsächlich den Anforderungen, welche man von einem pflanz­fähigen Obstbaume verlangt, entspricht. Bekanntlich tragen solche Versuchsobjecte noch lauge die Spuren einer erfolg­losen Behandlung seitens ihres Erziehers als abschreckendes Beispiel:wie der Baum nicht sein soll." Da wäre es freilich besser, wenn die Knaben den Schnitt und die Pflege anfertigen" Obstbäumen, wie sie unsere Handelsbaum- fchulen liefern, erlernen würden und die Veredlung und Umpfropfung an älteren Bäumen versuchen würden. Das wäre vvrtheilhafter für das Verständniß der Knaben und der kürzere Weg zur Förderung des Obstbaues.

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Der Schellfisch wird, frisch vom Einkauf heimgebracht, eine Weile gewässert, nicht geschuppt, in kaltem Wasser (nicht viel Salz) zum Feuer gesetzt, einmal leicht aufgekocht und noch etwas ziehen lassen. Frische Butter wird (wenn ungesalzen mit ein paar Körnchen Salz) hellbraun gemacht, mit einigen Tropfen Citronensast und Maggi abgeschmeckt, über den mit in Salzwasser abgekochten Kartoffeln garnirten Fisch gegossen.

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Schutz der Mistbeetkästchen vor Holzfäule. Zur Verhinderung der Holzsäule bewährt sich von allen angepriesenen Mitteln immer noch am besten das natürlichste aus Holz ge­wonnene Erzeugniß, der Holztheer. Bei kühlem Wetter muß derselbe he^ß aufgetragen werden, damit er von dem Holz, das gut trocken sein muß, aufgesogen wird. Auch für die Rahmen der Mistbeetfenster, Gewächshäuser und für Deckläden

empfiehlt sich derselbe. Oelfarbe hält zwar die Feuchtigkeit ab, verhindert aber den Zutritt der Luft, infolgedessen da- Holz sozusagennicht athmen" kann, und dann wie man e- häufig bei sorgfältig mit Oelfarbe geestichenen Rahmen bemerkt, von innen heraus stockt!

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Apfeltorte. Rolle einen Boden von Mürbteig außen mit einem Rand und backe ihn nur etwas an, dämpfe hierauf etwas gute mürbe Aepfel mit einem Gläschen Arac, etwas Zimmt und Zucker, schütte die gedämpften Aepfel in einen Seiher, damit der Saft abläuft und bestreiche den Boden mit dieser Füllung - hierauf kommt ein Gitter von Mürbteig dar­über, die leeren Fugen des Gitters fülle man mit gelber Arac- glasur.

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Apfeltorte anderer Art. Ein Springreif mit Mürb­teig ausgelegt, geschälte und würflig gehackte Aepfel hinein­gefüllt, etwas reine Weinbeeren oder Sultaninen, ein Gitter von Mürbteig darüber, mit Eigelb gestrichen und gebacken. Können auch Kirschen rc. statt Aepfel verwendet werden.

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Käskuchen. Lege eine Springform mit Mürbteig aus, dann werden 350 Gramm süßer Käs ganz zart in einer Schüssel verrieben, rühre erst 70 Gramm feinstes Mehl, dann drei Eigelb und 100 Gramm Zucker dazu, verdünne diese Masse nach und nach unter fortwährendem Rühren mit l/t Liter Milch, schlage dann 4 Eiweiß zu festem Schnee und das Ganze in den Schneekessel und vermenge es recht gut (Form vorher mit Mübteig etwas anbacken), schütte die Masse in die Form, streue etwas Rosinen resp. Sultaninen darauf, sodann wird das Ganze auf einem Unterschiebblech bei starker Hitze gebacken. Sobald der Käskuchen oben eine braungelbe Farbe hat, muß er behutsam aus dem Ofen genommen werden, damit sich die Masse nicht setzt und speckig wird.

Hrrinovistisches.

Zwischen Pensionärinnen. Erna:Deine Mama ist heute schon wieder inS Burgtheater gegangen?" Elise: Natürlich! Meine Mama läßt kein Drama aus!" Erna: Schrecklich! Das ist ja die reine Dramamama!"

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Mißverständntß.Sehen Sie, der Mann, der da reitet, ist vor zehn Jahren mit einem Paar zerrissener Hosen nach Berlin gekommen und jetzt hat er zwei Millionen." /,Aber ich bitte Sie, was fängt der Mann mit zwei Millionen zerrissener Hosen an?" * *

Galant. Herr:Gnädige wollen sich also dem Studium der Medicin widmen?" Dame:Allerdings!" Herr:Dann werden männliche Patienten aber wohl nie unter Ihrer Behandlnng gesund werden." Dame:Warum denn nicht?" Herr:Sie werden alle herzkrank werden." * *

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Unter Sonnenbrüdern. Lude:Na, Ede, wat loofste denn so, wo willste denn hin?"Jn't Leihhaus, wat versetzen!" Lude:Daß Du bet Renommiren nich lassen kannst!" * *

Zeit genug. Principal:Müller, schon wieder kommen Sie eine halbe Stunde zu spät, was soll das heißen?" Commis:Herr Schulze, meine alte Großmutter ist ge­storben." Principal:So, ist da denn außer den Geschäfts­stunden nicht Zeit genug dazu?!"

Sebartie»; «l, GH-Ydg. ~ ®ru<? und Bering der Brübl'schen Umversitüts-Puch- und Stcindruckerei (Pietsch & Schcyda) in Gießen.