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mehren! Der Ring des Nibelungen brachte nur Unheil, mein Ring soll das wieder ausgleichen und dafür der süßen, goldhaarigen Nixe, welche ihn auffangen und an das Fingerchen stecken wird, nur Glück, großes, sonniges Glück bringen!"
Pia wandte das Gesicht und neigte sich so tief zu der schlimmernden Fluth nieder, daß ihr Antlitz und ihre weißgekleidete Gestalt ihr Bild auf derselben malten.
„Da kommt schon eine Rheintochter, welche ihn holen will!" lachte der Graf abermals harmlos und wies scherzend auf das Spiegelbild im Wasser. „Sieh doch nur, Pia, wie Wogelinde Dir so täuschend ähnlich sieht! sag ihr 'mal, wenn sie des Assessors goldenen Hort aufgefischt hätte, soll sie ihn besser bewachen, wie ehemals den des Nibelungen! Der Geist des tückischen Alberich macht immer noch die Welt unsicher und lauert, wo er Glück und Ring stehlen kann!"
Der Sprecher hatte sich wohl selber nicht viel bei diesen Worten gedacht und war um so überraschter, daß nur allgemeines Schweigen darauf antwortete/ trotz der Dämmerung konnte man bemerken, wie Pias Antlitz heiß erröthete, wie es verrätherisch in Hellmuths Augen aufleuchtete, während sein Blick auf der Geliebten ruhte.
Fränzchens scharfer Blick flog zwischen Beiden hin und her, eine namenlose Betroffenheit malte sich auf ihrem Gesicht, Schein um Schein erblaßten ihre sonst so frische Wangen. Wäre es möglich, wäre er überhaupt nicht verheirathet, wäre zwischen Pia und ihm . . .
Sie riß jählings den Hut vom Kopf und strich die Haare aus der Stirn, wie in hülfloser Angst starrte sie die Mutter an.
Auch diese saß wie in tiefen Gedanken und blickte noch immer auf die Rechte des Affeffors. Nein, er trug keinen Trauring, und nicht das kleinste Mal am Finger zeigte, daß je ein Goldreif seine Spur hineingegraben.
Seltsam, daß kein Mensch zuvor darauf geachtet hatte.
Da fühlte sie Fränzchens Blick. Sie sah auf und lächelte. Wie tröstend griff sie nach der Hand ihres Kindes und drückte sie.
Der Schiffer war der Einzige, welcher den Faden der Unterhaltung aufnahm. „Ja, gnädiger Herr, das Rheingold!" sagte er nachdenklich, „viele behaupten ja, es läge in der Nähe des Lurleifelsens, wo sich die Strudel im Wasser gebildet haben. Darum sei dort immer so viel Unglück passirt. Denn das Gold sei auf der ganzen Welt ein verfluchtes Teufelszeug, welches nur Glück und Frieden morden thäte! Na, die es haben, mögen es ja wohl besser wissen, wie unsereins/ ich hätte kxin Angst davor, wenn es mir 'mal eine Nixe in den Schooß werfen wollte!"
Man näherte sich dem Ufer, und Graf Willibald zog lächelnd die Börse. „Eine Rheintochter bin ich zwar nicht," sagte er heiter, „aber ich denke, mein Gold nehmen Sie ebenso gern wie das ihre!" Sprach's und drückte dem freudig Ueberraschten ein Zehnmarkstück in die Hand.
An der Anlegestelle stand bereits Friedrich und eilte den Nahenden voll außergewöhnlicher Hast entgegen.
„Na, Alter, hattest Du schon Sehnsucht nach uns, oder glaubtest Du, der Rheinstein habe uns in Hast behalten?"
„Um Vergebung, Mr. Luxor, hier ist soeben eine Depesche von daheim nachgeschickt!" stotterte der Getreue in sichtlicher Erregung.
„Eine Depesche?!"
„Um Himmelswillen, vom wem, Onkel?!"
Der Graf riß das Papier schnell auseinander und über- flog den Inhalt. „Hm . . . nichts allzu Trauriges, wenn auch für Lilian wohl nicht angenehm, da sie ihre Reisedisposition völlig ändern muß! Hier, lies selber, Darling!"
Das junge Mädchen griff hastig nach dem Papier. „Pia soll nicht nach Holland reisen, sondern hierher zurückkehren. Onkel Robert ist als Gesandter nach Persien versetzt und hält es selber nicht für rathsam, Pia sogleich nach dort mitzunehmen," las sie und dann athmete sie wie von Centnerlasten der Angst befreit auf.
„Gott sei Dank — Sie lächeln, Miß Lilian!" - Hellmuth stand vor ihr und blickte ängstlich forschend in ihr Gesicht: „So sind es doch keine schlimme Nachrichten gewesen, welche Sie erhielten!"
Sie schüttelte hastig das Köpfchen und folgte an seiner Seite dem vorauseilenden Grafen, welcher seiner Gattin und Fränzchen den Inhalt des Telegramms mitzutheilen schien.
„Nein, glücklicherweise ist es nichts Schlimmes!" sagte sie und zum ersten Mal wieder traf ihn ihr leuchtender Blick: „Ich sollte nach unserer Rheinfahrt Verwandte im Ausland besuchen, erhalte aber soeben die Mittheilung, daß dieselben genöthigt sind, eine lange Reise über die See zu machen, dadurch bin ich meinen Verpflichtungen enthoben und kann Gottlob hier in Deutschland bleiben!"
„In Deutschland bleiben, ja — Gott sei Lob und Dank dafür! — O, Miß Lilian — eine liebere und bessere Nachricht hätte die Depesche ja niemals bringen können!"
Welch ein Jubel lag in seiner Stimme! wie sagte ihr Klang so tausendmal mehr noch wie seine Worte!
„Miß Lilian, darf ich . .?"
Er verstummte, denn Fränzchen hatte sich jählings um gewandt und eilte mit hastigen Schritten an Pias Seite zurück.
Ihr mißtrauischer Blick flog prüfend über die Gesichter und Beide empfanden in diesem Augenblick den Schatten der Syringensträuche, in welchen sie eintraten, als Wohlthat.
Fränzchen aber heftete sich wie eine Klette an die Seite der Cousine, war still und einsilbig und wich während des ganzen Abends nicht mehr aus der Nähe der beiden jungen Leute.
Selten hatte man so wenig während des Abendessens geplaudert wie heute.
Das unermüdliche Scherzen und Lachen des Backfischchens war verstummt. Mr. Luxor klagte über ein wenig Kopfweh, und Pia war zerstreut und wortkarg, wenngleich ihr Antlitz, rosig und lächelnd, keinerlei körperliche Ermüdung verrieth. Die beiden Herren sprachen zumeist über Jagd, und oft erhaschte Pia einen Blick der Comtesse, wie er düster, beinah feindselig den ehedem so guten Freund streifte.
Ein jäher Schreck durchbebte sie. Was sie gefürchtet, war eingetroffen.
Fränzchen hatte sich mit der ganzen Leidenschaftlichkeit ihres Characters in Hellmuth verliebt. Die Ueberzeugung, daß er verheirathet sei, hatte ihre Schwärmerei harmlos gestaltet und sie scherzte sich selber den Ernst ihrer Empfindungen von der Seele.
Plötzlich durchzuckt sie wie ein Blitz die Erkenntniß, daß der junge Forstmann kein Gatte und Familienvater ist, und just in dem Augenblick, als wohl ihr junges Herz voll himmelhochjauchzenden Entzückens erbebt, muß sie beobachten, daß der Mann ihrer Liebe sein Herz einer Anderen geschenkt hat, — daß sie ihn in dem Augenblick, wo sie ihn zu gewinnen glaubte, — für immer verloren. Nun scheinen sie Qualen der Eifersucht zu foltern! Sie grollt ihm, — sie haßt ihn vielleicht, und ebenso eigenwillig, wie sie ihn zu dem Familienkreise heranzog, wird sie ihn wieder von sich stoßen und Alles thun, den Verräther so schnell wie möglich zu entfernen.
Nun ist es vorbei mit dem selig stillen Glück dieses Zusammenlebens, — soll es auch für immer zwischen ihnen aus sein? — Nein, nie und nimmermehr! heiß und leidenschaftlich wallt es in Pias Herzen auf, sie liebt ihn! sie liebt ihn, so wie sie denjenigen Mann lieben muß und will, welchem sie sich für ein ganzes Leben zu eigen giebt! — das fühlt und empfindet sie jetzt, in der Angst, ihn zu verlieren.
Und auch sie ist seinem Herzen theuer, das weiß sie nun gewiß.
Keine Macht der Welt soll mehr hindernd zwischen sie treten, die Rosenknospe ihrer Liebe ist voller und voller entsprossen, — wer weiß, — ob sie nicht schon am morgenden
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