Ausgabe 
4.11.1897
 
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Nähe des Ofens auszubreiten. Die Ofenwärme vollzieht den noch fehlenden Reifeprozeß und läßt den Mehlgehalt für den Geschmack und zum Nutzen der Bekömmlichkeit in rich­tigem Maße hervortreten.

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Gegen das Hartwerden der Butter, das vielfach nur auf die Verabreichung von Rübenfutter zurückzuführen ist, empfiehlt sich die Zufütterung solcher Stoffe, welche die Eigenschaft besitzen, die Butter weich zu machen, so z. B. Rapskuchen, Reismehl, Haferschrot und Weizenkleie. Bon Rapskuchen dürfen indessen nicht mehr als 1 Kilo und ebenso von Reismehl nicht mehr als Vz Kilo pro Kopf und Tag gegeben werden. Haferschrot und Weizenkleie sind auch in größeren Gaben unbedenklich. Im Uebrigen richtet sich das erforderliche Quantum nach der Menge der verabreichten Rüben.

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Gefüllter Kohl. Nachdem der Kohl rein geputzt und gewaschen ist, wird er, wie derPraktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, in der Mitte auseinander geschnitten und in Salzwasser nicht zu weich gekocht) dann läßt man ihn auf dem Sieb gut abtropfen. Ueberreste von Fleisch, sei es Kalbs- oder Schweinsbraten, werden mit grüner Petersilie, etwas geweichter Semmel und Mark fein zerschnitten, ein Ei, etwas Salz und einige Löffel Rahm darunter gerührt und damit der Kohl gefüllt. Eine Kasserolle wird nun mit Speck belegt, der Kohl hineingegeben, etwas Rahm, Semmelbrösel und Butter darüber und so gebacken.

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In wenigen Minuten kann man sich an kalten Winteriagen eine Wärme und Erquickung spendende Erfrischung bereiten, wenn man nur Liebigs Fleisch-Extract zur Hand hat. Eine mehr oder minder große Messerspitze davon mit siedendem Wasser aufgelöst, unter Hinzusügen von Salz und einem Stückchen Butter genügt, um eine Tasse treffliche Fleischbrühe zu erhalten, welche, noch einmal durchgekocht, den Körper mit neuer Kraft, den Geist mit neuer Frische erfüllt und die weit billiger und bekömmlicher ist, als die zu diesem Zweck gang und gäben Spirituosen.

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Für eingesperrt gehaltene Hühner ist frisches Grün, in nicht zu großer Menge verabreicht, unerläßlich, um die Verdauung zu regeln. Auch für Legehühner ist frisches Grün unerläßlich, weil diese sonst zu fett werden, wenn sie nur Körnerfutter erhalten und dann ja die Eierproduction nachläßt. Geeignet ist jegliches Grünfutter, als Salat, Rübenblätter, Kohl, Spinat und selbst Gras. Wenn es grob ist, werde es zerkleinert/ was in rohem Zustande nicht ge­nossen werden mag, erweist sich in gekochtem Zustande oft­mals als Leckerbissen. Auch kleingeschnittene Zucker- und Mohrrüben bekommen unserm Geflügel durchaus und werden stets gern von ihm entgegen genommen.

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Für zu überwinternde Topfgewächse ist die beste Temperatur eine solche von 2 bis 4 Grad R. Mit der Auf­stellung der Gewächse, sei es im Zimmer, Keller, Corridor rc., richte man sich nach der Laubart. Pflanzen mit immergrünen und weichen Blättern bringe man in die Nähe des Fensters, hartblättrige immergrüne Gewächse, wie Lorbeer, Kirschlorbeer, Phormium, Rhododendron, Ilex, Aucca, Agave, Coniferen in den Keller. Laubabwerfende Arten, wie Hortensien, Fuchsien, Granaten u. A., können an ziemlich dunkler Stelle stehen. Das Begießen darf nur gering und selten statt­finden, je nach dem Bedarf der verschiedenen Pflanzensorten.

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Baumwolle in leinenen Stoffen zn erkennen. Ein Smckchen von dem zu untersuchenden Stück wird in eine Lösung von Zucker und Kochsalz eingetaucht und wenn trocken

geworden, verbrannt. Echt leinene Fäden lassen eine graue Kohle zurück, baumwollene hingegen ergeben eine schwarze Kohle. ____________

Literarisches

Fürlieber Land und Meer", das alte Lieblingsjournal der gebildeten deutschen Familie, sind die glänzenden Zeiten wiedergekehrt, in denen die Namen Hackländer und Hallberger sich zu gemeinsamem Wirken vereinigten. Das erste Heft des beginnenden vierzigsten Jahrgangs bietet eine solche Fülle ausgesuchten literarischen Stosses und eine so hervorragende illustrative Ausstattung, zeigt in seiner Gesammt- heit ein solch glückliches Eingehen auf den Geschmack moderner Leser, daß cs die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise auf sich ziehen muh. Von dem literarischen Inhalt sei vor Allem der neueste RomanStechlin" von Theodor Fontane genannt, dessen ivohlgetroffenes Porträt die erste Seite des Heftes schmückt. Richard Voß, der berühmte Romancier, schrieb den dramatisch packenden Text zu einer Reihe von Aquarellen aus Ischia von R. Dammeier, die in mustergiltigem Farbendruck wicdergegeben sind. Zwei weitere Beigaben, di- von dem practischen Verständniß der deutschen Verlags-Anstalt für Bedürfnis und Liebhaberei moderner Leser zeugen, werden sicher großen Anklang finden: Eine erste Serie von acht illustrirtenUeber Land und Meer-Postkarten", die, sehr reizvoll mit farbigen Ansichten von Alt-Stuttgart ausgestattet, das Ent­zücken jedes Sammlers sein müssen, sodann das Anerbieten, den Abon­nenten des Blattes jede eingesandte Original-Photographie in Maitpapier- Photographie vervielfältigen zu lassen, und zwar das erste Dutzend für Mk. 2,50, jedes weitere Dutzend für Mk. 1,50. DieseUeber Land und Meer-Photographien" werden sicher in allen Abonnenten-Kreisen will­kommen geheißen werden. Mit diesem ersten Heft zeigtUeber Land und Meer" von Neuem seine unübertroffen- Reichhaltigkeit und Mannig­faltigkeit. Wir empfehlen allen unseren verehrlichen Lesern, sich das erste Heft von der nächsten Buchhandlung kommen zu lassen, damit sie sich selbst durch den Augenschein überzeugen, was dieses treffliche Unter­haltungsjournal für seinen billigen Abonnementspreis (vierteljährlich 13 Nummern 3 Mk. 50 Pfg, jedes der in vierzehntägigen Zwischen­räumen erscheinenden Hefte 60 Pfg.) Alles bietet.

Von W. Heimburgs gesammelten Romanen und No­vellen (Leipzig, Verlag von Ernst Keils Nachfolger) liegen die Schluß­lieferungen 63 bis 71 vor; sie enthalten die zwölf NovellenUnter der Linde", welche uns das erzählende Talent der Verfasserin im günstigsten Lichte zeigen. Da finden sich kleine artige Skizzen wieFlickdorchen", die Herzens-Geschichte einer armen Näherin, undGroßmütterchen", ein Familiengenrebild, das an denVetter" von Benedix erinnert. Köst­liche Thiermalerei findet sich inUnser Männe", eine vortreffliche Characterzeichnung inNachbars Paul".Onkel Leos Verlobungsring" hat eine unerwartete wirksame Pointe. Von den größeren Erzählungen hatJascha" etwas Rührendes; es ist ein Stoff, der an Sardous Odette" und ähnliche französische Dramen erinnern mag; die Heldin ist die edle Tochter einer verworfenen Mutter. Die Illustrationen von A. Mandlick, A Zick, E. Koch, I. R. Wehle, C. Zopf, W. Claudius und E. Büchler ergänzen die Schilderungen von W. Heimburg in durch­aus entsprechender Weife; sie bringen viel Characteristisches, manches Rührende und manches Drollige.

Porste. Rein und tief empfunden sind die Gedichte, welche der Sohn unseres Darmstädter Correspondenten, Hans Fuchs, welcher gegenwärtig die Universität Gießen besucht, schon in Darmstädter Zeitungen veröffentlicht hat. Frei von allem Verszwang legt der junge Dichter eine Tiefe des Empfindens eines seelenvollen Gemüthes an den Tag, welche gegenüber der modernen freien Zeitrichtung recht wohl- thuend berührt. Zum Nachempfinden zwingt geradezu sein uns zugesandtes Gedicht:Abend im Walde", welches wir nachstehend veröffentlichen:

Heil'ge Stille, tiefes Schweigen

Gottes Geist geht durch den Wald

Von den falben, müden Zweig-n Tönt kein Sang, kein Laut erschallt.

Nur die Quelle gurgelt leise In der stillen Einsamkeit, Immerfort die alte Weise, Immer rastlos wie die Zeit.

Heil'ge Andacht mich durchbebet Hier vor Gottes Angesicht, Still mein Herz zu Ihm sich hebet, Leise ein Gebet es spricht."

Redaction: 8L Echeyda. Druck und «erlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.