„Thatsächlich? die schöne Pia?"
„Ganz frisch aus dem Haag verschrieben! Für Wulff- Dietrich, den Majorathsherrn, welcher sechzehn Ahnen zum Heirathen braucht!"
„Gratulire! dann hat er eben einen colossalen Dusel, und kommt besser weg wie sein Onkel Willibald!'
„Auf Commando?"
„Was hilft's! Vater hat ja die Sache schon vor zwanzig Jahren für ihn abgemacht!"
„Merkwürdig! Man erzählt sich doch, Wulff-Dietrich habe eine stille Liebe für die kleine Edda Langenfeldt!"
„Habe ich auch gehört! Soll sie glühend lieben und beabsichtigen, die Majoratserbfolge um ihretwillen schießen zu lassen!"
„Aha — darum will Vater Rüdiger die Sache etwas gewaltsam zum Abschluß bringen!"
„Na, na, wenn es ihm nur glückt! — Der Sohn ist ein Starrkopf par excellence ? Er wäre es im Stande, einen Strich durch die schönen Pläne zu ziehen!"
„Aus alle Fälle wird es interessant sein, ihn heute Abend zu beobachten!"
„Wenn er überhaupt kommt! Hahaha, ich traue es ihm zu, daß er das Rendezvous ablehnt!"
„Pyramidal! — Das kann einen Hauptscherz geben!"
Niemand der Herren hatte im Eifer der Unterhaltung bemerkt, daß der Oberstlieutenant von Nördlingen seiner Gemahlin und Tochter in kurzem Abstand gefolgt war und momentan an der Thüre stehen blieb.
Der alte Herr hatte Wort für Wort vernommen. Das Blut stieg ihm siedend heiß zu Kopf.
Er ärgerte sich unbeschreiblich, und empfand beinahe ein Gefühl ängstlichen Unbehagens bei dem Gedanken an die niedliche Gräfin Edda — dann aber lächelte er ironisch und hob den Kopf noch höher auf den Schultern.
Pia nahm den Kampf mit ihr auf! Seine Pia, o, es war ja gar nicht möglich, daß Wulff-Dietrich so blödsinnig sein konnte, um einer sentimentalen Neigung willen ein Majorat wie Niedeck aufzugeben! Es wäre nicht allein rücksichtslos gegen seinen Vater, sondern au ti im höchsten Grade beleidigend gegen Pia — gegen ihn, Nördlingen!
Es würde einfach unerhört, geradezu empörend sein!
Aber nein. — Es ist ja lächerlich, nur an eine derartige Möglichkeit zu denken!
Wäre Graf Rüdiger seines Sohnes nicht gewiß gewesen, würde er doch die ganze Heirathsgeschichte nicht erst eingerührt haben! Allerdings sprach er die dringende Bitte aus, Pia möchte Alles thun, um ihm zu gefallen ... hm — sollte doch etwas an dem Klatsch mit Edda Langenfeldt sein?
Das leicht erregbare Blut des Freiherrn wallte auf, sein Auge blitzt wie in stolzer Drohung, — aber er har keine Zeit mehr, seinen Gedanken Audienz zu geben, Bekannte treten grüßend an ihn heran und etliche Herren bitten stürmisch, sie dem Fräulein Tochter vorzustellen.
Pia steht gar bald umringt, sie plaudert graziös und anmuthig, und dennoch flackert es wie nervöse Unruhe in ihren Augen, und während sie mit lächelnden Lippen scherzt, schweift ihr Blick verstohlen über die Menge, nach Graf und Gräfin Niedeck auszuschauen.
Endlich sieht sie die Brillanten Melanies funkeln.
Am Arm ihres Gatten tritt sie — von der Gemälde- gallerie aus, in welcher sich die älteren Herrschaften versammeln und Aufstellung nehmen, in den Saal.
Pias Herzschlag stockt. — Mit weit geöffneten Augen, in zitternder Erregung starrt sie auf das gräfliche Paar, — und athmet momentan auf, — Wulff-Dietrich folgt ihm nicht. — Hartwig eilt der Mutter entgegen und begrüßt sie in seiner chevalersken Weise.
Melanie tnschelt eifrig hinter dem Fächer mit ihm und der junge Dragoner macht ein betroffenes Gesicht. Dann zuckt er die Achseln und lacht.
Graf Rüdiger sieht entschieden verstimmt aus,- er scheint
nach Pia zu fragen, Hartwig dreht wenigstens den Kopf hin und her und scheint sie zu suchen.
Fräulein von Nördlingen wendet sich voll lebhafter Liebenswürdigkeit einem neu vorgestellten Herrn zu und vertieft sich so sehr in eine Unterhaltung mit ihm, daß sie es gar nicht zu bemerken scheint, wie die Niedecks, mit den Bekannten plaudernd, rechts und links grüßend, immer näher und näher zu ihr herankommen.
Die Stimme einer bekannten Dame klingt an ihr Ohr. „Liebe Baroneß — darf ich Sie der Gräfin Niedeck vorstellen!"
Pia wendet sich ohne absonderliche Hast, aber mit verbindlichem Lächeln der Genannten zu und küßt die dargebotene Hand!
„Endlich lerne ich Sie kennen, mein theuerstes Fräulein von Nördlingen!" begrüßte sie Melanie in ihrer etwas exaltirten Weise. „Bei Besuch und Gegenbesuch haben wir uns natürlich verfehlt, wie das ja meist der Fall ist, — nun endlich kann ich Sie in der Heimath willkommen heißen! — Sieh doch, Rüdiger, welch eine Rose aus dem kleinen Knöspchen erblüht ist, feit wir la petita beim Taufdiner zuletzt gesehen!"
Graf Rüdiger scheint in hohem Grade füberrascht von Pias Anblick. Sein entzückter Blick spricht noch mehr Schmeichelhaftes aus wie sein Mund, welcher sich beeifert, der jungen Dame die größten Liebenswürdigkeiten zu sagen!
Durch alle charmanten Phrasen des gräflichen Paar s klingt aber dennoch eine gewisse Verlegenheit hindurch, welche Pia nicht entgeht, und während sie stolz und siegesschön vor ihnen steht und mit ganz wunderbar strahlenden Augen lächelt, stottert Graf Rüdiger ziemlich unvermittelt: „Denken Sie doch, welches Mißgeschick, Baroneß! mein armer ältester Sohn telegraphirt mir soeben, daß er bei der Jagd Pech gehabt und gestürzt sei, der Fuß ist verstaucht und wird ihn möglicherweise wochenlang an das Chaiselongue fesseln! Solch ein abscheuliches Mißgeschick! gerade heute, wo er sich so sehr auf den Ball gefreut hatte!"
„Und welcher Schmerz erst, wenn ich ihm schreibe, was er Alles versäumt hat!" fügt die Gräfin mit bedeutsamem Blick hinzu: — „Nun, ich hoffe, der Brandbrief, welchen ich verfassen werde, wird die Heilung beschleunigen!"
(Fortsetzung folgt.)
GsrnsrniMtziges.
Um das zu frühe Treiben der Pfirsich- und Aprikosenbäume zu vermeiden, hat man schon im Vorwinter, den Monaten November und December, die nöthigen Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Man bedecke, nachdem der Erdboden hart gefroren ist, die Wurzeln der Bäume mit Stroh, Laub oder Dung. Die Erde kann unter dieser Decke von der Sonne nicht erwärmt und daher auch nicht auf- gethaut werden. Die Bäume bleiben in ihrer Entwickelung zurück und das zu frühe Treiben wird verhindert. Außerdem sorge man dafür, daß das Regen- und Thauwasser abgeleitet werde.
* *
*
Die Cttltur -et Champignons. Um jahraus, jahrein reichliche Ernten von diesem kostbaren Pilz zu erzielen, züchte man die Pilze in Pferdeställen und zwar in Holzkästen von 1 Meter Länge, 3 Zentimeter Breite nnd 15 Zentimeter Höhe, welche man übereinander stellt und durch einen Vorhang gegen die Einwirkung des Lichtes schützt. In diese Kästen, die man mit altem, verrottetem Pferdemist und fetter Lauberde füllt, wird die Pilzbrut hineingebracht und dann ganz sich selbst überlassen.
* * *
Wässerige Kartoffeln mehliger zu machen. Zu diesem Zwecke sind sie vor der Zubereitung einfach in der


