<Lie sich in die zweite Etage erste Thür links hinäufbemühen. Meine Frau macht eben in der Wohnung des Herrn von Chavannes Feuer an."
Helene stieg die Treppe hinauf, die ganze linke Seite des H ulses war als Junggesellenwohnungen vermiethet. Paul hat diese Wohnung genommen, um hier heimlich eine Dame zu empfangen, so dachte Helene. Ich werde hineingehen und warten. Vielleicht kommt er oder sie. Sie sollen mich bereit finden.
Auf's Aeußerste erregt, fand sie kaum die Kraft, die Glocke zu ziehen.
„Herr von Chavannes," sagte sie zu der Frau, die die Thür öffnete, „wird wahrscheinlich bald hier sein, oder vielleicht —"
Sie zögerte und fuhr dann in leiserem Tone und sehr schnell fort: „Oder vielleicht kommt auch Jemand anders — eine Dame. Sagen Sie indeß nicht, daß ich hier bin. Ich möchte ihn überraschen."
Dabei zwang sie sich zu einem Lächeln, um die Frau zu beruhigen, die hierauf sofort verschwand.
Helene befand sich allein in dem Vorzimmer und glaubte fast ohnmächtig werden zu müssen.
Eine Minute stand sie unentschlossen, die Thürklinke in der Hand, endlich trat sie jedoch ein.
Sofort erkannte sie die blauen, stlberdurchwirkten Vorhänge und das Mobiliar wieder, das das Boudoir von Pauls erster Gattin geschmückt. Sie hatte alles dies einmal vor Jahren gesehen, als sie mit ihrer Mutter der jungen Frau einen Gratulationsbesuch kurz nach der Hochzeit gemacht.
Sie hatte von diesem ersten und letzten Besuche nicht die geringste Kleinigkeit vergessen. Hier fand sie den Tisch, die Stühle und die Chaiselongue genau so wie früher arrangirt. Im Bereiche der Hand stand auf einem Tischchen ein kleiner Spiegel und in einer Ssvresvase ein Sträußchen frischer Veilchen. Jedenfalls war es Paul, der sie hierher gebracht, und angesichts dieser zarten Aufmerksamkeit der Todten gegenüber fühlte Helene ihr Herz von einer weit heftigeren Eifersucht erfüllt, als wenn sie hier die Beweise einer andern irdischen Liebe vorgefunden hätte.
Sie brach in Thränen aus und sank auf die Erde.
Sie weinte lange Zett und schluchzte wie ein Kind, den Kopf gegen das Bett gelehnt, in dem die erste Gattin gestorben war.
Plötzlich vernahm sie auf dem Corridor, in der Nähe der Thür, Schritte. Sie fühlte einen wahnsinnigen Schrecken bei dem Gedanken, Paul könne vielleicht kommen und sie hier finden- er würde ihr bittere Vorwürfe machen, daß sie in sein Geheimniß eingedrungen und seine Liebe durch schrecklichen Argwohn noch über's Grab hinaus geschändet. Sie stand auf. Die Schritte gingen an der Thür vorbei und verloren sich allmälig.
Ihre Augen fielen auf ein Bild ihrer Rivalin, das bleich wie eine Erscheinung ihren Kummer zu beobachten schien.
Einen Augenblick betrachtete Helene das Bild ohne Zorn. Der tobte, mitleidige Blick fiel aus dem Gemälde wie ein Balsam in das Herz der bekümmerten Frau. Helene setzte sich am Tische nieder. In einer Schublade, die sie aufzog, lag eine Papierrolle mit blauem Bande umwickelt. Sie öffnete dieselbe und las klopfenden Herzens, noch immer von Schluchzen erschüttert.
„Mein Tagebuch."
Und hinter diesen Worten stand mit schwacher, zitternder Hand geschrieben: „Das sind die letzten Worte, die ich je schreiben werde. Ich fühle, daß das Ende naht. Der Doctor giebt mir keine Medicin mehr, mein geliebter Paul verläßt mich nicht mehr und neulich verbot er meiner alten Amme, mein Zimmer zu betreten, weil er sie am Fuße des Bettes weinend gefunden hatte."
Ueber den Tisch gebeugt, las Helene begierig diese Zeilen, ihre Augen brannten von den vergossenen Thränen, und ihr Athem ging langsam. Sie las — ihr Zorn wandelte sich in zärtliches Mitleid — die letzten Seiten, aus denen die Sterbende ihre Liebe und ihre Wünsche für Die, die sie zurücklaffen mußte, aussprach. Da wurden die Worte vor den Augen der Lesenden durch die blendenden Thränen unklar und verschwommen.
„Paul, mein theurer Paul," hieß es auf den letzten Zeilen des Tagebuches, „Du bist zu jung, um allein durch's Leben zu gehen und vor Allem, um die Kinder zu erziehen, die ich Dir zurücklasse. Eines Tages, nicht allzu bald, doch eines Tages mußt Du Dir eine andere Gattin nehmen. Ich wünsche es, ich verlange es, nur wähle sie so, wie ich sie selbst gewählt hätte — und möge sie mich nie ganz aus Deinem Herzen und aus der Erinnerung der Kleinen verdrängen."
Am ganzen Leibe zitternd, stand Helene auf und näherte sich dem Bett — der Stelle, auf die die Todte ihr Haupt zum letzten Male gelegt- sie verbarg ihr Gesicht in den Kiffen und schluchzte: „O nein! Ich schwöre es, ich schwöre es!" Dann ließ sie ihren Schleier herab und verließ die Wohnung, nachdem sie alle Spuren ihrer Anwesenheit beseitigt- sie wollte nicht, daß Paul jemals von ihrem Besuch etwas erführe.
Gemeinnütziger.
Gedämpfte Tomaten. Sechs große, reife Tomaten schneidet man in dicke Scheiben, salzt und pfeffert sie, lege sie in ein passendes Geschirr, giebt kleine Butterstückchen dazu und dämpft sie, zugedeckt, 10 Minuten. Dann giebt mau zwei Löffel Weinessig daran, ebenso ein Güßchen Wasser oder Fleischbrühe, läßt einmal aufkochen, verfeinert die kurze Sauce mit einem Theelöffelchen „Maggi" und giebt die Tomaten zu gebratenem Fleisch.
* *
*
Tomaten-Satat. Eine beliebige Anzahl Paradiesäpfel werden gewaschen, abgetrocknet, geschält, in feine Scheibchen ausgeschnitten, gut gesalzen, mit Cayennepfeffer bestreut nnd mit viel feingeschnittenen Zwiebeln, Petersilie, Schnittlauch, Olivenöl, Essig und etwas „Maggi" gut durcheinander gemacht. (In Spanien und Italien streicht man die Schüsiel, worin der Salat bereitet wird, erst mit einem Stückchen Knoblauch aus.)
* *
*
Champignon. Zeit der Bereitung 50 Minuten. 5 Personen. 750 Gramm Champignons werden geputzt, größere in Stücke geschnitten, gewaschen und mit etwas Salz und einer kleinen ganzen Zwiebel eine Weile im eigenen Saft gedämpft. Dann fügt man ein Eidick Butter, etwas feinen Pfeffer, einen halben Theelöffel Citronensaft, 10 Gr. Liebigs Fleisch-Extraet, gehackte Petersilie und etwas geriebene Semmel hinzu und dämpft sie völlig weich. Die Zwiebel wird entfernt und die Champignons zu Coteletten, Frican- dellen u. s. w. gereicht.
♦ *
*
Pfifferling. Zeit der Bereitung anderthalb Stunden. 5 Personen. 4 Liter geputzte und in Stücke geschnittene Pfifferlinge werden mit siedendem Salzwasser abgekocht, abtropfen gelassen und in 40 Gramm Butter mit etwas Salz und Pfeffer geschmort. Wenn sie beinahe fertig sind, giebt man 5 Gramm Liebigs Fleisch-Extract daran, stäubt etwas Mehl darüber, daß der Saft bündig wird, und zieht das Gemüse mit einem mit etwas süßer Sahne verquirlten Eigelb ab. Es paßt am besten zu Kalbseoteletten.
Redaktion« C. Schehda. — Druck und Verlag der Brühl'schm UmvrrsitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Bietzen.


