Ausgabe 
3.4.1897
 
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dem vorzüglichsten System erbauten einmal auf 14 Tage, versehen uns mit allen nothwendigen Reiseutensilien und reisen wir ab. Vergessen wir jedoch vor allem nicht, ein Faß frisches Wasser mitzunehmen, da es zweifelhaft ist, ob wir oben welches vorfinden, versehen wir uns mit ein paar guten Sonnen­schirmen und einigen Rollen Zeltleinewand, einigen dichten Pelzen und ausreichenden Lebensmitteln, Schießbedarf, Fern­rohr und einem bewährten Mondbädeker, und lichten wir muthig die Anker unseres Luftschiffes. Die Mordgewehre nehmen wir nur für alle Fälle mit- denn es steht nicht zu hoffen, daß wir etwas Jagdbares auf den Ringgebirgen und Wallebenen antreffen, aber mit der Athmosphäre müssen wir es ja ebenfalls darauf ankommen lassen.

Doch halt noch eins! Eine gute Karte werden wir sicher­lich nöthig haben, wenn wir uns in den einförmigen Kalk­gebirgen nicht verirren wollen. Glücklicherweise ist eine vor­handen, und zwar die beinahe zwei Meter im Durchmesser haltende, von Julius Schmidt, auf welcher der Mond mit allen Details so genau wiedergegeben ist, wie etwa Frankreich in einem Schularlas. Alle Bildungen, die auch nur einen Quadratkilometer groß sind, vermögen unsere Forscher ja bereits zu unterscheiden. So verzeichnet denn die Schmidt'sche Wandkarte nicht weniger als 32 856 Krater wir werden zu thun haben, wenn wir sie alle zählen und besichtigen wollen.

Bei prächtigstem Wetter reisen wir ab, gespannt , wie unsere Erde wohl aus gehöriger Ferne ausschauen wird! Sehr bald verblassen die einzelnen Gegenstände, als Häuser, Bäume und Menschen, zu allgemeinen Formen, und die Nacht ent­zieht Alles unseren Blicken. Das wird anders, sobald wir erst einen guten Theil der Entfernung zurückgelegt haben. Wir blicken nunmehr wieder nach der Erde hinab aber wo ist sie hin? Und was ist das sür eine riesenhafte silberne Sichel am Himmel? Kein Zweifel, es ist unsere Erde. Wir sind gerade abgefahren, als der Mond im ersten Viertel stand, die Erde hat somit dem Monde gegenüber letztes Viertel, und wenn wir auf Erden Vollmond verzeichnen, so hätten die Mond­bewohner, wenn solche existirten, Neuerde. Wie wir von der Erde aus auf dem Mon^e, so vermögen wir auf unserer Fahrt auf der Erdsichel dunkele und Helle Flecken zu unter­scheiden. Die hell erleuchteten Punkte stellen hohe Gebirge, die dunkeln die unbeleuchteten Ebenen dar. Scharze Flecken, welche die Höhen und Berge bedecken, deuten auf Wolken­bildungen hin, weil unser Planet eine Athmosphäre besitzt, was bei dem Monde, wie wir sehen werden, nicht oder doch nur in unerheblichem Maße der Fall sein kann.

Unsere Fahrt ist reich an Abwechselung und Abenteuern. Sternschnuppen und Boliden gewähren uns das Schauspiel eines prächtigen Feuerwerkes, außerdem bietet der Anblick des ungeheuren Sternes, der unsere Erde bedeutet, ein einzig unvergleichliches Bild. Dreizehnmal größer als uns die Sonne erscheint sie vom Monde aus man denke sich einen leuchtenden Stern von solchen Dimensionen am Nachthimmel. Was sind dagegen alle Ringe des Saturn, alle electrischen Flammengarben des Nordlichts!

Wir vergessen enthusiastisch alle uns drohenden Gefahren. Die Reise geht ja so bequem und rasch vor sich, daß ein Extrazug die reine Schneckenpost gegen uns ist. Ein solcher würde, wenn er auch in 5 Minuten eine Meile zurücklegt, doch nicht weniger als 173 Tage brauchen, wir haben aber nur 14 Tage Zeit und statten daher unseren Ballon mit der Schnelligkeit des Gedankens aus.

Auf einen Moment unserer Fahrt sind wir vor Allem gespannt. Wir müssen doch den neutralen Punkt erreichen, wo sich die Anziehungskraft der Erde und des Mondes gegen­seitig ausgleichen, wo also die Schwerkraft vollständig auf­gehoben erscheint. Wir merken an der zusehends eintretenden Verminderung unseres Gewichts, daß wir uns der verhäng- nißvollen Stelle nähern. Heißa, eine lustige Situation, die

an das Märchenhafte streift und doch auf der Wirkung streng natürlicher Gesetze beruht. Man schwingt sich mit kühnem Sprunge in die Luft und bleibt in derselben schweben, ohne daß man wie der Vogel Flügel besitzt oder anwenden muß. Für das Fernrohr haben wir gar keine Vorrichtung zum Aufstellen nöthig, wir richten es nach dem gewünscheu Ziel, worauf es unverrückbar in der gegebenen Lage verharrt. Endlich überwiegt die Anziehungskraft unseres Trabanten seltsam, wir stiegen empor, um ihn zu erreichen, nun liegt er plötzlich unter uns, wir fallen auf seine Oberfläche hinab, und da uns keine Athmosphäre schwebend erhält, würden wir sicher sammt unserem Fahrzeug in tausend Stücke zerschellen, wenn wir auf einem andern als geistigen Fluge begriffen wären.

So aber langen wir glücklch an.

Station Newton Alles aussteigen!" Leichtfüßig springen wir aus der Gondel heraus. Was für ein Zauber ist in uns gefahren? Unsere Füße schwanken, wir vermögen kaum das Gleichgewicht zu halten. Unsere Körper scheinen alles Gewicht verloren zu haben. Wir machen Schritte wie Riesen, ja wenn einer von uns einen Sprung riskirt, so fliegt er sechsmal so hoch als er beabsichtigt. Kein Wunder, beträgt doch die Schwerkraft auf dem Monde nur den sechsten Theil derjenigen auf der Erde hätten wir eine automatische Waage hier, um uns wiegen zu können, so würde sie über­raschender Weise statt 120 nur 20 und statt 180 Pfund nur 30 zeigen.

(Schluß folgt.)

V-riMcht-s.

Enge Aermel, hohe Hüte. Ans Paris wird der Vossischen Zeitung" berichtet: Die ersten warmen Tage haben genügt, um darzuthun, daß die Mode-Entwicklung aus Abwege gerathen ist. Gerade während der letzten Monate war die Ueberladung der Schultern und des Halses auf das Höchste gestiegen, so daß ein bischen mildes Wetter genügte, um Kopf und Hals einem Schwitzbad auszusetzen. Das ganze Zeug kann nicht weiter getragen und muß plötzlich abgelegt werden. Jetzt, gerade wo die Wärme beginnt, sind enge Aermel als allein der Mode entsprechend erklärt worden. Die weiten Aermel waren aber besonders für den Sommer sehr angenehm und angemessen, und sie werden nun beim Eintritt des Sommers verpönt und durch enganliegende ersetzt. Dies ist offenbar widersinnig und durch die Einseitigkeit der Mode- Entwickelung verursacht. Einseitig aber wird diese immer, wenn die allgemeinen Bedingungen jeder Kleidung gar zu sehr hintangesetzt werden. Freilich zeigen sich schon einige leichte Schultermäntelchen mit duftigen Stuartkragen aus Tüll und farbigen ähnlichen leichten Stoffen. Aber die ganze riesige Haarwulst bleibt, ebenso der überladene Hut oder vielmehr Hutaufbau. Einfarbige Hüte sieht man jetzt öfter, z. B. einen rothen Hut, der mit seinem Wald aus Blumen und Stehschleifen gar hoch ansteigt, aber auch bis auf die letzte Spitze in feurigem Roth erstrahlt, ebenso violette Hüte, die reichlich mit Veilchenbüscheln bestanden sind.

Ein selbstgemachter Mann. Herr Cohn (am Schluß einer Liebeserklärung): und was ist das Beste an mir, Frl. Levy, ich bin ä selbstgemachter Mann. Frl. Levy:Hm, dann hätt' ich mer an Ihrer Stell' doch gemacht schöner!"

Dem Reinen ist Alles rein. Vater (der sich btt Tisch die Handflächen seines Töchterchens zeigen läßt): it®txxv Hände sind heute wirklich einmal ganz rein." Die kleu Mizi:Ich habe ja auch heute die Klöße gemacht.

Redaction: A. Echeyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & ScheYd<0 m ®e6nt'